Rom

"Wir sind alarmiert"

Studenten des Päpstlichen Ehe- und Familieninstituts Johannes Paul II. fürchten um die Qualität ihrer Ausbildung und gehen an die Öffentlichkeit.

Protestbrief der Studenten
Studenten des Päpstlichen Ehe- und Familieninstituts Johannes Paul II.: Ein Brief drückt den Protest aus. (Symbolbild) Foto: Sebastian Gollnow (dpa)

Am 24. Juli formulierten Studenten des Päpstlichen Theologischen Instituts Johannes Paul II. in Rom, in einem an Monsignore Pierangelo Sequeri, Vorstand des Instituts, gerichteten Schreiben ihre Bedenken gegenüber den angekündigten Veränderungen. Der von zwei Studentenvertretern unterzeichnete Brief ist nach Auskunft der Homepage von 192 aktuell eingeschriebenen Studenten, knapp vierhundert Ehemaligen und weiteren Unterstützern unterzeichnet worden. Im Folgenden dokumentieren wir Auszüge aus dem Schreiben.

„Wir sind traurig und bestürzt über die Art und Weise, wie wir von den einschneidenden Veränderungen, die uns als Studenten direkt betreffen, in Kenntnis gesetzt wurden, und so möchten wir zunächst unsere größte Sorge zum Ausdruck bringen: den Verlust der Ausbildungslinie und damit der Identität des Päpstlichen Theologischen Instituts Johannes Paul II., die in jedem Fall der Hauptgrund dafür war, dass die meisten Studenten (und ihre Vorgesetzten) dieses Institut für ihre Ausbildung gewählt haben. (...)

Da Papst Franziskus selbst in seinem Motu proprio „Summa familiae cura“ bereits im ersten Artikel1 seinen Wunsch ausdrückt, die ursprüngliche Inspiration von Johannes Paul II., das heißt dessen besonderes Lehrangebot in der Kirche, fortzusetzen, sind wir überrascht über die Tatsache, dass sich in der neuen Studienordnung weder eine Vorlesung über die Theologie des Leibes oder über die Lehre von Johannes Paul II. findet noch davon die Rede ist, sondern dass sich alles auf die Einführungsvorlesung „La Communio personarum....“ zu beschränken scheint. Daher stellen sich folgende Fragen:

1. Wie wird diese Identität, die der Mittelpunkt der Lehren Johannes Pauls II. ist, spezifisch gewahrt werden?

2. Wie wird verhindert, dass der „Dialog mit anderen Disziplinen“ – der ja bereits im alten Studienplan vorhanden ist – zu einer bloßen Überlagerung verschiedener Sichtweisen zum gleichen Thema ohne inneren Zusammenhalt wird, wie dies für die interdisziplinären Studien der meisten säkularen Universitäten typisch ist?

3. Warum sollte jemand noch am Johannes Paul-Institut studieren, wenn es anscheinend nichts Neues zu bieten hat im Vergleich zu dem, was in den Lehrplänen der säkularen Universitäten, und zwar oft noch attraktiver und effektiver, zu finden ist?

Dagegen bekundete Johannes Paul II. in seiner Apostolischen Konstitution „Magnum Matrimonii Sacramentum“, Absatz 8, seine Absicht, dass das Institut „der besonderen Schirmherrschaft der Allerseligsten Jungfrau Maria von Fatima anvertraut wird“. Wir wissen um die enge Beziehung, die unser Institut seit dem Attentat vom 13. Mai 1981 immer mit dieser marianischen Anrufung hatte. Deshalb glauben wir, dass es von entscheidender Bedeutung ist, dieses Institut, das von Papst Franziskus zum Ziel der Verbesserung und Stärkung neu gegründet wurde, der Muttergottes von Fatima zu weihen. (...)

Im Mittelpunkt unserer Sorge um die Identität des Instituts steht die Abschaffung des Lehrstuhls für Fundamentalmoral. Wir wissen, wie wichtig für den heiligen Johannes Paul II. das Studium des menschlichen Handelns war, sodass er diesen Lehrstuhl dem ersten Institutsvorstand, Kardinal Carlo Caffarra, übertragen hat. Zudem wurde die Tätigkeit dieses Lehrstuhls, insbesondere in dem von Kardinal Scola eingerichteten Forschungsbereich, von Benedikt XVI. ausdrücklich gewürdigt. Aus diesem Grund erweist sich die für die Abschaffung dieses Lehrstuhls offiziell angeführte Begründung als unverständlich, nämlich, dass er Teil des theologischen Grundstudiums sei. Wenn dem so ist, warum gibt es dann weiterhin einen Lehrstuhl für Theologische Anthropologie und sogar einen neuen für Fundamentaltheologie?

In den Lehrveranstaltungen von Monsignore Melina ging es nicht nur um die allgemeinen Prinzipien der grundlegenden Moral, sondern sie waren eng mit der Ehe- und Familienmoral verbunden, wie wir in seinem Unterricht erfahren durften. Und warum erscheint dieses Hindernis plötzlich so unüberwindbar, wenn es sich um einen Lehrstuhl handelt, der seit 38 Jahren besteht?

In diesem Sinne möchten wir als Studenten betonen, wie wichtig dieser Lehrstuhl für uns war: Zweifellos gehört er zu den größten Neuheiten und Schätzen, die das Institut bis heute der Kirche und der Gesellschaft geboten hat. In einer Welt, in der alles zwischen einer relativistischen und einer legalistischen ethischen Sichtweise gespalten zu sein scheint, erlaubt uns die vom Institut gelehrte Sichtweise, die Sittlichkeit als einen Weg der Fülle und Sinnhaftigkeit für den Menschen zu verstehen, wo der Mensch für seine Handlungen verantwortlich ist, aber gleichzeitig immer auf die Hilfe der Gnade und der Tugenden zählt, die ihm helfen, ein gutes Leben zu führen. Diese Moralauffassung, in der die Heiligkeit im Mittelpunkt steht, erlaubt uns, den so vielen schwierigen Fällen in Ehe und Familie mit Hoffnung zu begegnen. (...)

Was die unerwartete Entlassung zweier unserer Professoren des Instituts, Monsignore Livio Melina und Pater José Noriega, betrifft, so sind wir über mehrere Dinge besorgt und alarmiert:

1. über die für uns plötzliche und unverständliche Art und Weise, in der ohne wirklichen Grund zwei Professoren entlassen wurden, die nicht nur innerhalb des Instituts ein hohes Ansehen genießen, sondern einen internationalen Bezugspunkt darstellen, wie ihre lange akademische Laufbahn zeigt. Insbesondere im Fall von Professor Melina bedeutet die Kündigung nach 32 Jahren Lehrtätigkeit, davon 28 als Ordentlicher Professor, und nach Jahren als Vorstand unseres Instituts, das unter seiner Leitung weltweit expandiert hat, nicht irgendein Verdienst von ihm anzuerkennen.

2. über die Tatsache, dass mit der Entlassung eine der tragenden Säulen des Bildungsangebots des Instituts geschwächt wird, wie es die Fundamental- und Spezialmoral sind.

3. über die Tatsache, dass uns die sofortige Entlassung von Monsignore Melina und Professor Noriega zwei Monate vor Beginn des neuen Studienjahres 2019/20 mitgeteilt wird, für das es bereits einen vom Institut selbst im Juni davor bekannt gegebenen Vorlesungsplan gab, für den sich bereits viele Studierende registriert haben; dabei hat jeder von beiden jedes Jahr eine Pflichtvorlesung, ein Wahlfach und zwei Seminare angeboten und darüber hinaus viele noch laufende Doktorarbeiten betreut.“ (...)