Tagesposting: Der Kern der Erneuerung

Beim Namen genannt

Es gibt Pfarreien in den USA und in Kanada, die am Boden lagen und es geschafft haben, eine missionarische Gemeinde zu werden: dadurch, dass sie die Gläubigen zu Jüngern ausgebildet haben. Das ist in den Büchern von James Mallon, „Divine Renovation“ (= Göttliche Erneuerung) und „REBUILT!“ von Fr. Dr. Michael White aus Baltimore in den USA gut dargelegt. Es ist ein beschwerlicher Weg, aber es ist der richtige. Im Kern geht es darum, das umzusetzen, was im Katechismus der katholischen Kirche so formuliert ist: „Die heilige Liturgie füllt nicht das ganze Tun der Kirche aus; ihr müssen die Evangelisierung, der Glaube und die Bekehrung vorausgehen; erst dann kann sie im Leben der Gläubigen Früchte bringen: das neue Leben im Heiligen Geist, den tätigen Einsatz für die Sendung der Kirche und Dienst an ihrer Einheit.“ Wir müssen ernst nehmen, dass unsere Leute meist nicht disponiert sind, die Sakramente zu empfangen; weder haben sie das Glaubenswissen, noch sind sie innerlich entsprechend vorbereitet. Glaube, Bekehrung und Evangelisierung müssen zuerst erfolgen. Erst dann kann man die Sakramente spenden. Es ist oft so ein Trauerspiel, wenn Brautpaare zum Gespräch mit dem Priester kommen. „Wann haben Sie das letzte Mal gebeichtet?“, frage ich. Sie sind ehrlich und sagen: „Bei der Firmung oder bei der Erstkommunion“. Sie haben meist schon mehrere Verhältnisse gehabt. Deshalb sollte man ihnen das Sakrament der Beichte auch vermitteln und sie bitten, reinen Tisch zu machen, damit sie nicht belastet in die Ehe hineingehen. Bei der Eucharistie wissen viele überhaupt nicht, wie sie sich verhalten sollen. Da muss ich dann mit den Händen arbeiten: „Hände nach oben heißt: Aufstehen, Hände nach unten heißt: Hinknien“. Der Kern der Erneuerung in den oben genannten Gemeinden bestand darin, dass man die Sakramente erst gespendet hat, wenn die Leute über ein entsprechendes Glaubenswissen verfügten, etwa einen Alphakurs absolviert hatten. Es gibt ein Wort des Herrn am Ende der Bergpredigt, das sehr hart ist: „Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor“ (Mt 7, 6). Es folgt ein interessanter Nebensatz, der kaum beachtet wird: „… denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen“. „Hunde“ und „Schweine“ meinen Außenstehende. Thomas Kopp schreibt in „Katechumenat und Sakrament – nicht aber Sakramentenspendung an Ungläubige“: „Es geht darum, dass man keinem Menschen, der nicht entsprechend disponiert ist, die Perlen geben soll. Sie verdauen sie nicht. Sie werden unwillig, sie werden wütend, sie zertreten die Perlen mit ihren Füßen. Stellen wir nicht bei einem Großteil unserer Leute, inzwischen auch der mittleren Generation, der Eltern unserer Firmlinge und Kommunionkinder, eine eigentümliche Aggressivität fest, eine stark negativ emotionalisierte Ablehnung der Kirche? Wir können doch in dieser völlig und ganz und gar veränderten Landschaft nicht einfach so weitermachen wie früher, als wäre nichts geschehen, als hätte sich nichts verändert – das kann doch nicht sein! Wir tun es aber, landauf, landab.“

Tagesposting: Mission Impossible
Der Autor ist Pfarrer von Balderschwang (Oberallgäu) und Programmdirektor des bundesweiten Senders „Radio Horeb“, der üb... Foto: Archiv
Tagesposting: Mission Impossible
Der Autor ist Pfarrer von Balderschwang (Oberallgäu) und Programmdirektor des bundesweiten Senders "Radio Horeb", der üb... Foto: Archiv