Kopf der Woche: Jürgen Klopp

Jürgen  Klopp

Nicht nur, wenn er verliert, sondern auch in der Stunde des großen Erfolges zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen. Jürgen Klopp, der deutsche Trainer des FC Liverpool, der am Wochenende in Madrid mit seiner Mannschaft das Champions League-Finale gewann, verfügt über Charakter. Gegenüber Reportern ließ der bald 52-Jährige trotz Jubels und Begeisterung keinen Zweifel daran, was für ihn im Mittelpunkt des Triumphs steht: die Freude der Spieler, die Freude der Familie. „Der Titel ist für sie.“

Gewinner mit Charakter

Zu dieser reifen, geradezu selbstlosen Haltung passte es, dass „Kloppo“ kurz vor dem Finale noch die Zeit fand, eine Videobotschaft an einen an Krebs erkrankten Fan des FC Liverpool zu senden: „Wir denken an dich. Du bist wirklich bei uns“, sprach er dem Mann Mut zu und endete mit der tiefsinnigen Bemerkung: „„Ich bin Christ. Wir sehen uns!“ Es war nicht das erste Mal, dass Jürgen Klopp öffentlich ein klares Bekenntnis zu Jesus Christus abgelegt hat. Unkonventionell und authentisch. Tatsächlich motiviert Christus den großgewachsenen Schwaben, der einst Mainz 05 in die Erste Bundesliga führte und mit dem BVB Dortmund zweimal Deutscher Meister wurde, aus sich selbst und den ihm anvertrauten Schützlingen das Beste herauszuholen. Die Leistungsfähigkeit mit Liebe zu fördern – und dabei selbst auch mal in den Hintergrund zu treten. Was Klopp, der wegen seiner aufgeräumten Sprüche, seiner strategischen Raffinesse, aber auch wegen seines emotionalen Einsatzes am Spielfeldrand berühmt wurde, dabei nie vergisst: es gibt trotz allen Ehrgeizes und der Liebe zur Weiterentwicklung für ihn mehr als Siege und Erfolge. Was? Als Klopp bei der letzten internationalen Pressekonferenz vor dem Finale von den Journalisten daran erinnert wurde, dass er bei den vergangenen sechs Finalspielen stets verloren habe, blieb der diplomierte Sportwissenschaftler ruhig. Als einer der Journalisten andeutete, dass Klopp eine „unglückliche Karriere“ vorweisen könne, verschlug es ihm leicht die Sprache, doch auch davon ließ er sich nicht beirren. Sein „roter Faden“, so sagte Klopp einmal in einem Interview, sei: „Wie, glaube ich, sollte man mit mir umgehen, damit ich mit Freude arbeite und total leistungsbereit bin? Das ist die einzige Maxime, nach der ich handle.“ Reife Worte eines selbstlosen Gewinners, der es nicht nötig hat, Unsicherheit mit aufgesetzter Strenge zu überspielen, wie so manch anderer Trainer. Dazu passt auch eine legendäre Kabinenansprache Klopps, bei der er den Spielern einimpfte: „Wenn wir gewinnen, liegt es an euch. Wenn wir verlieren, an mir.“