Kommentar: Christliche Freude in schwierigen Zeiten

Christliche Freude in schwierigen Zeiten. Von Stefan Meetschen

Glaubensfreude
Lachen, klatschen, froh bekennen: Glaubensfreude pur. Foto: huGo-Archiv

Für Erzbischof Johannes Dyba hatte sie Priorität: die Freude der Kinder Gottes. Auch Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hat neulich in einem faszinierenden Interview mit „LifeSiteNews“ bekräftigt, dass der katholische Glaube eine froh machende Religion sei, weil man trotz aller Widrigkeiten, die niemand erspart bleiben, wissen könne, dass „alles ein glückliches Ende“ nehmen wird. Ganz ähnlich sieht es auch der kanadische Romanautor und Maler Michael O'Brien („Father Elijah“), der die gläubigen Leser in seinem neuen, jetzt auf Deutsch erschienenen und von Gabriele Kuby übersetzten Buch „Die Apokalypse. Warnung, Hoffnung und Trost“ (fe-Medien) vor dem Schwarzmalen warnt. „Was wir am nötigsten brauchen, ist die göttliche Tugend der Hoffnung“, mahnt O'Brien und gibt zu bedenken: „In jeder Generation muss sich jeder, der über apokalyptische Themen nachdenkt, vor zwei Versuchungen hüten: Gleichgültigkeit auf der einen Seite und Panikmache auf der anderen Seite.“ Diese Versuchungen seien, ist der 71-Jährige überzeugt, „zwei Seiten derselben Münze, nämlich der bewusste oder unbewusste Versuch, sich den tiefsten Anforderungen des Glaubens zu entziehen.“ Womit O'Brien das Hören auf den Heiligen Geist meint, die Verbindung mit Christus, die zur Selbstprüfung führt, aber natürlich auch das mutige Engagement, die Bereitschaft, das volle Evangelium zu verkündigen, gemäß der überlieferten Lehre, auch wenn man dafür mittlerweile sogar schon im Raum der Kirche verunglimpft werde als jemand, der „starr und leblos“ sei.

Kluge Worte, zumal O'Brien es persönlich erlebt hat, die Nachfolge ihren Preis hat, haben kann. Finanziell, sozial, Karriere-technisch. Und ist es nicht so? Wer als christlicher Politiker nicht bereit ist, bei der Strategie des „geringeren Übels“ mitzumachen, landet schnell auf dem Abstellgleis einer Partei. Wer sich als christlicher Künstler oder Journalist dem Geist der Welt (spiritus mundi) verweigert, wird womöglich nicht mehr auf die Podien und Bühnen eingeladen, bei denen einem Tausende, wenn nicht Millionen zuschauen, zuhören.

Oder aber, und das ist ein Grund zur Freude, er wird dies als Gewandelter tun, wie der Singer-Songwriter Michael Patrick Kelly, der sich nach dem Erfolg mit seiner Musikerfamilie eine spirituelle Auszeit im Kloster genehmigte und heute ganz bewusst als Christ im Showbusiness unterwegs ist, um die Menschen mit seiner Musik zu erfreuen und um ein Zeugnis zu geben von der Kraft des Glaubens, der Freude. Wozu immer auch Realismus und Ehrlichkeit gehört. „Ich bin ein Mensch wie jeder andere“, gestand der 41-Jährige jetzt in einer Folge von „Sing meinen Song“. „Ich habe Schwächen, ich mache Fehler, ich habe Menschen verletzt, ich habe mich selber verletzt, ich habe wahrscheinlich alle zehn Gebote hunderte Male gebrochen.“ Und doch weiß Kelly, dass die wahre Freude in seinem Leben erst in dem Moment durchbrechen konnte, als er für Christus zurücktrat und den alten Menschen sterben ließ. „Vor der Klosterzeit gab es noch so eine Art Hysterie und das war mir zu viel. Heute gibt es Begeisterung und das finde ich cool, aber sobald es hysterisch wird, sage ich: ,Hey, ich mag das nicht.‘“

Sehr souverän. Ohne Anbiederung, ohne Gleichgültigkeit. Und natürlich auch ohne Panikmache. Was zu begrüßen ist. Denn falls es wahr sein sollte, dass wir uns mitten in der Apokalypse befinden: was würde es nützen, wenn ausgerechnet diejenigen, die Christus nachfolgen, in Verzweiflung und Lethargie fallen würden? Michael O'Brien hat es so formuliert: „Christen sind die wahren Realisten. Sie können der Wirklichkeit dieses finsteren Zeitalters ins Gesicht sehen und darin den nahenden Sieg Christi erkennen.“ Michael Patrick Kelly sollte diese Worte vertonen. Warum nicht im Duett mit Gloria?