Internationale Zeitschriftenschau

Beim Namen genannt

Widerstand gegen Abtreibung

Der Bischof von Springfield im US-Bundesstaat Illinois hat angeordnet, dass Politiker, die an Pro-Abtreibungsgesetzen mitwirken, in seiner Diözese nicht die heilige Kommunion empfangen dürfen, wie der Catholic Herald berichtet. Zur Begründung dieser Entscheidung sagte Bischof Thomas Paprocki, die Politiker, von denen er zwei namentlich nannte, seien nicht zur Kommunion zulassen, „weil sie stur darauf beharrten, das verabscheuungswürdige Verbrechen und die äußerst schwere Sünde der Abtreibung zu fördern, belegt durch den von ihnen ausgeübten Einfluss durch ihre Führungsrolle sowie ihre wiederholten Stimmabgaben und ihre verstockte öffentliche Unterstützung von Abtreibungsrechten im Laufe eines längeren Zeitraums“. Die betreffenden Personen „dürfen erst wieder zur heiligen Kommunion zugelassen werden, nachdem sie diese schweren Sünden aufrichtig bereut und darüber hinaus eine angemessene Wiedergutmachung der Schäden und des Skandals geleistet oder dies zumindest aufrichtig versprochen haben nach Auffassung ihres Diözesanbischofs in Absprache mit mir oder meinem Nachfolger“. In Bezug auf die Abtreibung fügte er hinzu: „Den gleichen berechtigten Zorn, den wir gegenüber dem Missbrauch an unschuldigen Kindern empfinden, sollte ein Aufschrei des Widerstandes gegenüber der Legalisierung der Tötung von unschuldigen Kindern hervorrufen. Die Versäumnisse der Kirche ändern nicht die objektive Realität, dass der Mord an einem wehrlosen Baby eine absolut böse Tat ist.“ Aufsehen erregt derzeit zudem, wie der Catholic Herald weiter mitteilt, eine Online-Petition von Lebensschützern, in der dazu aufgerufen wird, die Firma Netflix zu boykottieren wegen deren Ankündigung, keine Filme mehr in Georgia zu drehen. In dem US-Bundesstaat wurde kürzlich eine Abtreibungsgesetzgebung erlassen, nach der Abtreibungen nach der Feststellung des kindlichen Herzschlages nicht mehr erlaubt sind.

Präsidiale Auslassungen

Bei den Feierlichkeiten anlässlich des 75. Jahrestages des D-Days in der Normandie las Emmanuel Macron den Abschiedsbrief des 16-jährigen Widerstandskämpfers Henri Fertet vor, der 1943 von deutschen Soldaten hingerichtet wurde. Leider, so beklagt das französische Magazin Causeur, konnte der Präsident „es auch hier wieder – und getreu seiner Gepflogenheiten – nicht lassen, erneut nach seinem eigenen Bewertungsraster die Geschichte zu instrumentalisieren“. Der Inhalt des Briefes wurde durch Macron „bedauerlicherweise um bestimmte Passagen verkürzt wiedergegeben, von denen einige nicht unerheblich waren, um das spirituelle und engagierte Vorgehen des jungen Mannes zu verstehen“, der seinen Tod als Opfer empfand. So sind Fertets Verweise auf „das ewige Frankreich“ wie auch „die christlichen Aspekte eines leidenschaftlichen Glaubens aus dem von Macron vorgelesenen Brief verschwunden. Wie auch der ergreifende Abschied an den Pfarrer, an den Bischof sowie die Passage ,Bald werden wir uns alle vier im Himmel wiedersehen‘.“ Auch der Schluss des Briefes, wurde nicht vorgelesen, in dem es heißt: „Henri Fertet. Im Himmel. Nahe bei Gott“. Anne-Sophie Chazaud, die Verfasserin des Artikels, erläutert: „Es ist verständlich, dass bestimmte Passagen dieses doch kurzen Textes beim Vorlesen aus praktischen Gründen gestrichen wurden, doch man versteht nur schwer – ach was, eigentlich versteht man es leider nur zu gut – dass bestimmte Passagen Gegenstand einer Neuinterpretation durch Weglassen wurden.“ Neben Fertets patriotischer Gesinnung wurden auch Bezüge zum christlichen Glauben getilgt. Chazaud kommentiert: „Oberstleutnant Bertrame und Henri Fertet haben sich nicht für die Europäische Union oder für den Frieden zwischen den Völkern oder für die Abschaffung böser Nationen geopfert – nein, sie haben es getan aus dem Glauben an das ewige Frankreich, der in ihrem eigenen katholischen Glauben verankert ist, der derzeit so zahlreichen vielgestaltigen Angriffen ausgesetzt ist.“

Finkielkraut über Frauenfußball

Schlagzeilen in Frankreich macht derzeit ein Bekenntnis des Philosophen Alain Finkielkraut zum Thema Frauenfußball. Finkielkraut war laut Figaro zu einem Fernsehinterview eingeladen. Angesprochen auf seine Leidenschaft für Fußball sagte er zwei Tage vor dem Start der Fußballweltmeisterschaft der Frauen der Journalistin Sonia Mabrouk, dass er beschlossen habe, im Fernsehen niemals über Fußball zu reden. „Frauenfußball?“, fragte Mabrouk, worauf der Philosoph erwiderte: „Ich mag keinen Frauenfußball. Danach kommt Frauenrugby? Hören Sie doch mit der Gleichheit auf!“ „Sie sagen das so herablassend“, meinte daraufhin die Journalistin. „Ich sage das überhaupt nicht herablassend, sondern es fasziniert mich nicht. So möchte ich Frauen nicht sehen!“, bekannte der Philosoph. Am folgenden Tag stellte er beim Fernsehsender erneut klar, dass er keinerlei Animositäten und auch keine Verachtung gegenüber denjenigen hege, die sich für diesen Wettkampf begeistern: „Ich glaube, dass die Präsenz von Frauen im öffentlichen Raum und auf allen Ebenen des Berufslebens ein Segen sind. Doch ich warne vor der Gefahr, die Unterschiede der Geschlechter auf dem Altar der Gleichheit zu opfern. Alle Zeichen eines Unterschiedes werden uns als eine nicht naturgegebene, sondern als eine kulturelle Ausprägung präsentiert.“

Grausames Mittelalter?

Eine Ausstellung in Paris über die Justiz im Mittelalter räumt mit weitverbreiteten Klischees auf. Die im Turm „Tour Jean sans Peur“ gezeigte Schau widmete sich den „Verbrechen und Strafen im Mittelalter“, wie Diane Gautret im katholischen Magazin Famille Chrétienne mitteilt. „Entgegen einer oftmals weitverbreiteten Vorstellung“, so schreibt sie, „hatte die Justiz des Mittelalters nichts Barbarisches a la Scharia an sich. Nein! Man ergötzte sich nicht daran, Ungläubige wie Schweine am Fleischerhaken aufzuhängen. Folter und Galgen wurden nur im äußersten Fall angewandt. Anstelle der Strenge der Justiz gab der König der göttlichen Barmherzigkeit den Vorzug.“ Claude Gauvard, emeritierter Professor mit Mittelalterliche Geschichte an der Sorbonne, ist Fachmann für diese Fragen. Er konzipierte diese gelungene Ausstellung, bei der deutlich wird, dass es eine Hierarchie der Verbrechen gab, in der die Ehre (und ihr Gegenteil, die Demütigung) eine maßgebliche Rolle spielte. Darüber hinaus existierten verschiedene rechtliche Ebenen: die königliche Justiz sowie die kirchliche und die Justiz der Feudalherren, die sich gegenseitig durchdrangen. In allen Fällen, angefangen von kleinen Delikten bis zum vorsätzlichen Mord, „sprach der Richter Recht immer aus dem Blickwinkel Gottes“. KS