Internationale Zeitschriftenschau

Ursachen für Antisemitismus

Annie Laurent stellt in La Nef drei Bücher vor, die die Beziehung zwischen „Islam und Antisemitismus“ beleuchten. Seit einem Jahrzehnt, so schreibt Laurent, häufen sich Übergriffe auf europäische Juden: Beschimpfungen von Männern, die auf der Straße die Kippa tragen, Belästigungen von jüdischen Schülern, Brandstiftungen an symbolträchtigen Orten wie Synagogen oder Friedhöfe sind immer häufiger an der Tagesordnung. In Frankreich sind innerhalb dieser zehn Jahre bereits zehn Menschen ermordet worden, weil sie Juden waren. Der Politologe Pierre-André Taguieff erklärt diese Entwicklung in seinem neuesten Werk: „Judéophobie, la derniere vague“: „Man versteht nichts von dieser großen aktuellen antijüdischen Welle, wenn man nicht von dem Befund ausgeht: Der Hauptschwerpunkt der Judenfeindlichkeit hat sich von der westlichen auf die muslimische Welt verlagert.“ Da sich diese Situation durch den Zustrom muslimischer Migranten nach Europa verschärft habe, folgert er: „Die Intensität der neuen antijüdischen Affekte lassen auf die Durchschlagskraft des Islamismus auf die muslimische Bevölkerung schließen, in den westlichen Ländern wie auch anderswo.“ Lina Murr-Nehmé und weitere Autoren wie Boualem Sansal, Pascal Bruckner und andere befassen sich in „Le nouvel antisémitisme en France“ ebenfalls mit diesem Phänomen. Das Buch soll die Aufmerksamkeit der Leser auf die Realitätsverleugnung in Bezug auf die religiöse Motivation der antijüdischen Angriffe ziehen. Um ihre Aggressionen zu rechtfertigen, verweisen die Täter oftmals auf Textstellen aus dem Koran, wie der israelische Islamologe Meir M. Bar-Asher in „Les Juifs dans le Coran“ zeigt und das zwiespältige Verhältnis des Islam zum Judentum und zu den Juden benennt. Der Koran bezweifle „die Echtheit der Schriften der Juden seiner Zeit und beschuldigt diese, sie verfälscht zu haben, insbesondere, um in ihnen jene Passagen zu löschen oder zu verändern, die die Ankunft Mohammeds und das Aufkommen des Islam verkünden sollen, sowie deren Triumph und Überlegenheit über alle früheren Religionen, einschließlich dem Judentum“. Taguieff und die Autoren des „Nouvel antisémitisme“ demonstrierten zudem, wie es zu der Realitätsverweigerung in Frankreich kam, schreibt Laurent: „Im Namen des von einer Entschuldigungs- und Schamkultur genährten Antirassismus, und um das ,Zusammenleben‘ zu bewahren“, sollten Muslime nicht stigmatisiert werden.

Studie zur Religionsfreiheit

Außerdem berichtet La Nef über die Ergebnisse der „Internationalen Theologenkommission“, die eine Studie unter dem Titel „Die Religionsfreiheit für das Gemeinwohl“ herausgab. Der Generalsekretär der Kommission, Pater Thomas Bonino OP, veröffentlichte den auf Französisch übersetzten Text auf der Webseite Aleteia. Darin heißt es unter anderem: „Seit fünfzig Jahren hat sich der Kontext verändert. Das bedeutsamste und am meisten beunruhigende Phänomen ist ein gewisses, potenziell totalitäres Abrutschen des liberalen demokratischen Staates zu einer vermeintlichen moralischen ,Neutralität‘, die aus einer fundamentalen Krise der wesentlichen anthropologischen und ethischen Grundlagen der Demokratie resultiert. So werden mit der galoppierenden Säkularisierung die humanistischen Werte – die oftmals christlichen Ursprungs sind –, die das Wagnis der modernen Demokratien getragen und genährt haben, aus dem gesellschaftlichen und kulturellen Horizont tendenziell derart ausradiert, dass sich die Demokratie immer mehr auf eine rein verfahrensmäßige Form reduziert.“ Im Namen dieser „vermeintlichen Wertneutralität, die angeblich die Gleichheit der Bürger und die ,Nicht-Diskriminierung‘ gewährleistet, in Wirklichkeit jedoch einen ethischen Nihilismus kaschiert, steht man schließlich vor einer Relativierung der Werte, besonders jener, auf denen sich das Recht auf die Religionsfreiheit stützt“.

Widersprüche bei Disney

Rod Dreher ist froh darüber, dass der Gouverneur von Georgia ein Gesetz unterzeichnete, das Abtreibung nach dem Zeitpunkt verbietet, ab dem der kindliche Herzschlag festzustellen ist. In The American Conservative bezieht er sich auf einen Artikel des Branchenblattes der Unterhaltungsindustrie „Variety“, das die Entscheidung des Disney-Konzerns bekannt gab, Georgia künftig als Drehzentrum für Medienproduktionen zu meiden, „falls der kontroverse Herzschlag-Abtreibungsentwurf Gesetz wird“. Disney-Geschäftsführer Bob Iger sagte, es wäre für den Branchenriesen angesichts dieser Gesetzgebung „sehr schwierig“, in dem Bundesstaat im Südosten der USA zu bleiben. „Ich zweifle eher, dass wir bleiben“, sagte er, denn er glaube, „dass viele Menschen, die für uns arbeiten, nicht mehr hier arbeiten wollen, und wir müssen ihre Wünsche in dieser Beziehung beherzigen. Momentan beobachten wir das alles sehr genau.“ Dreher kommentiert: Dies zeige, „wie sehr Hollywood und gesellschaftliche Eliten die Menschen in Georgia verachten“. Auch Netflix erwägt ja, nicht mehr in Georgia zu drehen. Doch, so Dreher: „Netflix macht noch immer Geschäfte in Ägypten, wo man Frauen ins Gefängnis sperrt, wenn sie abgetrieben haben. In China, wo Disney noch immer die riesige Ferienanlage Disney Shanghai Resort betreibt, schickt die Regierung muslimische Uiguren in Konzentrationslager.“

Das bedrohte Beichtgeheimnis

Famille Chrétienne meldet das Ergebnis sechsmonatiger Arbeiten und Anhörungen der französischen Parlamentskommission zu sexuellen Übergriffen auf Minderjährige. Dabei wurden 38 Vorschläge erarbeitet, von denen sich vier ausdrücklich an die katholische Kirche richten. In dem Parlamentsbericht heißt es, dass es sich bei den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche nicht um „einzelne Missstände“ handle, sondern dass sie eine „systematische Dimension“ aufwiesen, die mit der Organisation und der Funktionsweise der Kirche verknüpft sei. Besonders die vierte Empfehlung gerät in den Fokus der Zeitschrift, die „in den kommenden Monaten noch lebhafte Debatten auslösen“ werde. Sie betrifft das Berufsgeheimnis verschiedener Berufsgruppen, darunter auch das Beichtsiegel. Die Parlamentarier gingen sogar so weit, die Möglichkeit zu einer „Einführung einer Anzeigepflicht“ vorzuschlagen. Darüber hinaus möchte die „groupe socialiste et républicain“ im französischen Senat mit weiteren Vorschlägen zur Diskussion beitragen. So werde das Beichtgeheimnis insgesamt angeprangert. So empfiehlt die Gruppe „das Strafrecht zu verändern, um die Definition und den Umfang des Beichtgeheimnisses zu überarbeiten“ mit dem Ziel, Priester zu zwingen, Kriminelle und Sexualstraftäter anzuzeigen. KS