Würzburg

Drei Gebote gebe ich euch

Wahrhaftigkeit, Entschleunigung und die Aufhebung der Anonymität können die Nutzung sozialer Medien katholischer, menschlicher und fruchtbarer machen.

Gibt es Gebote für eine katholische Nutzung sozialer Medien? Foto: Bildmontage: bwi

Die Katholische Kirche muss im Netz aktiv sein, interaktiv. Dabei sein, das Missionspotenzial nutzen, die Beziehungskultur verbessern durch einen „christlichen Stil“ – das ist die Aufgabe kirchlicher Angebote im Internet. Die Kirche sollte die vielfältigen Möglichkeiten angehen, ohne darin aufzugehen. Ein zweites Mal sollte die Kirche nicht zum Opfer einer medialen Revolution werden. Im Internet – vor allem in den Sozialen Medien – ist aber nicht nur die „offizielle“ Kirche gefragt, also: Bistümer, Gemeinden, Verbände, sondern jeder einzelne katholische Christ. Drei Regeln gilt es dabei zu beachten.

Wahrhaftigkeit, oder: Teile keine Fake News!

Und nichts, was Fake News sein könnte. Das heißt: prüfe, prüfe, prüfe! Ein Mem, ein Post, ein Foto – kann stimmen, was es zum Ausdruck bringt? Bei komplexen Themen führt die „Wikipedisierung“ zu unsachgerechten Verkürzungen. Am Ende steht nicht etwa Einfachheit, sondern Banalität. Werden theologische oder religiöse Fragen in diesem Rahmen abgehandelt, entstehen meist gänzlich ungeeignete Darstellungen. Darauf ist hinzuweisen, denn Wahrheit ist immer auch die Suche nach dem anderen Teil, der benötigt wird, um das ganze Bild zusammenzufügen. Und das sollte auch ein Ziel katholischer Nutzung Sozialer Medien sein: Austausch – zur Erkenntnis des Ganzen.

Entschleunigung, oder: Lass Dir Zeit!

Hab keine Angst, mit einer Reaktion zu spät zu kommen! Wahrhaftigkeit braucht Zeit. Nimm sie Dir! Spontanität ist oft etwas, das man später bereut. Unter Zeitdruck entstehen vermeidbare Fehler und Ungenauigkeiten in der Einschätzung. Genauigkeit geht vor Schnelligkeit, das gilt nicht nur für die journalistischen Formate, sondern auch für die Kommentare im Facebook, die sie begleiten. Es ist allem, was binnen weniger Minuten nach einem Ereignis getwittert und gepostet wird, grundsätzlich zu misstrauen. Als katholischer Christ sollte man sich mit raschen Einordnungen und spekulativen Urteilen zurückhalten.

Aufhebung der Anonymität, oder: Nenn Deinen Namen!

Steh mit Deinem Namen für das ein, was Du online tust! Die Möglichkeit, im Internet weitestgehend anonym zu bleiben, verstärkt die ohnehin große menschliche Neigung zum Betrug des Anderen, vor allem aber seiner selbst. Das sollte nicht Gegenstand katholischer Social Media-Nutzung sein. In seiner Botschaft zum 45. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel hatte Papst Benedikt XVI. unter dem Titel „Wahrheit, Verkündigung und Authentizität des Lebens im digitalen Zeitalter“ bereits 2011 dazu ausführlich und eindrücklich Stellung bezogen. Benedikt wies auf die im Netz entstehenden Asymmetrien hin („einseitige Interaktion“) und fordert Offenheit und Ehrlichkeit in der Selbstdarstellung sowie Respekt in der Kommunikation. Der Papst rät den katholischen Christen also, ganz bewusst gegenzusteuern gegen die anonyme Scheinwelt. Das aufrichtige Sein muss auch im Netz dominieren, in dem besonders gute Möglichkeiten bestehen, sich zu verstellen und „das eigene Innenleben nur zum Teil mitzuteilen“, was zugleich die Gefahr impliziert, „das eigene Image konstruieren zu wollen“, was wiederum „zur Selbstgefälligkeit verleiten kann“, so Benedikt.

Zusammenhänge

Wer Wahres schreibt, braucht sich nicht zu verstecken. Wer anonym bleiben will, muss sich fragen, warum. Und: Wahrheit – besser: die Suche nach Wahrheit – braucht Zeit. Das schnelle Reagieren und automatische Teilen von Neuigkeiten verbreitet oft Halb- und Unwahres.

Wie Entschleunigung und Aufhebung der Anonymität im Dienste der Wahrhaftigkeit zusammenpassen, zeigt eine Analyse des Portals „Feinschwarz“. Wer hier kommentieren will, muss per Mail einen Leserbrief einreichen. Dieser wird bearbeitet und unter Umständen auch gekürzt, bevor er im Portal veröffentlicht wird – redaktionell eingeleitet und mit Klarnamen versehen. Das geht zu Lasten der Diskursdynamik, sichert aber eine hohe inhaltliche Qualität. Auch die formale Gestaltung zeugt von Wertschätzung gegenüber der Schreiberin respektive dem Schreiber. Hier werden Print-Standards ins Netz übertragen. Aus User-Sicht anstrengend, für die Redaktion aufwändig, aus Sicht einer katholischen Nutzungsform aber vorbildlich.

Auf die personale Beziehung kommt es an

Bei aller gewachsenen Bedeutung des Internet muss die Pastoral auf die unmittelbare personale Beziehung zum Menschen setzen. Auch das hat Benedikt damals unmissverständlich zum Ausdruck gebracht: „Es ist wichtig, sich immer daran zu erinnern, dass der virtuelle Kontakt den direkten persönlichen Kontakt mit den Menschen auf allen Ebenen unseres Lebens nicht ersetzen kann und darf.“ Papst Franziskus schloss daran in der diesjährigen Botschaft an und appellierte, das Netz nicht als Falle zu gebrauchen, um „von den Social Network Communities zur menschlichen Gemeinschaft“ zu gelangen. Das wäre dann das höchste Ziel katholischer Nutzung Sozialer Medien.