Die Liebe hält allem stand

„Von Menschen und Göttern“ (2010) von Xavier Beauvois – Letzter Teil der Serie Höhepunkte der Filmgeschichte. Von José García

Als die Mönche des Klosters „Notre-Dame de l'Atlas“ in der algerischen Stadt Tibhirine bedroht werden, müssen sie eine Entscheidung auf Leben und Tod treffen. Foto: NFP
Als die Mönche des Klosters „Notre-Dame de l'Atlas“ in der algerischen Stadt Tibhirine bedroht werden, müssen sie eine E... Foto: NFP

Von Menschen und Göttern“ („Des Hommes et des Dieux“), der beim Internationalen Filmfestival Cannes den „Großen Preis der Jury“ gewann, zeichnet eine wahre Begebenheit nach: Im Jahre 1996 wurden sieben Mönche des französischen Klosters „Notre-Dame de l'Atlas“ in der algerischen Stadt Tibhirine entführt und ermordet. Zu der Tat bekannte sich zwar eine islamistische Terrorgruppe, die wahren Hintergründe des Verbrechens blieben jedoch unaufgeklärt.

In einer dokumentarisch anmutenden Inszenierung beschreibt der Film das Leben der Trappisten-Mönche in Nordafrika. Das Oberhaupt der Klostergemeinschaft Christian (Lambert Wilson) kümmert sich wie ein Familienvater um deren Zusammenhalt. Der Film unterstreicht das harmonische Zusammenleben zwischen Kloster und einheimischer Bevölkerung. Eine zentrale Rolle nimmt die Liturgie ein, weil sie dem Film seine rhythmische Struktur gibt. Die Aufnahmen in der Klosterkapelle bestimmen außerdem die Ästhetik der Kameraarbeit von Caroline Champetier.

Als in der Nähe des Klosters eine Baustelle überfallen und vierzehn kroatische Bauarbeiter ermordet werden, bedrängen das Militär und der Bezirksvorsteher die Mönche, Tibhirine zu verlassen. Nun stellt sich für jeden einzelnen Bruder die Frage, ob er bleiben oder wegziehen soll. Die Mönche diskutieren, zweifeln, kämpfen mit sich – und entscheiden, dass sie gerade in dieser Situation bleiben müssen und wollen.

Regisseur Xavier Beauvois geht es um das Miteinander der Religionen und nicht zuletzt um die Beschreibung eines erfüllten Lebens im Kloster. Davon zeugen auch großartige Dialoge, etwa über die Zweifel des jüngsten Bruders Christophe (Olivier Rabourdin), den Christian daran gemahnt, dass er sein Leben schon einmal hingab, als er seiner Berufung folgte. Wunderbar nimmt sich auch ein Gespräch zwischen Luc und einer jungen Muslimin über Liebesfragen aus. Ob er schon einmal verliebt gewesen sei, fragt die junge Frau den alten Mönch. Ja, antwortet er, mehrmals. „Dann fand ich aber eine noch größere Liebe, die ich mein Leben lang erwidert habe.“

„Von Menschen und Göttern“ verdeutlicht, dass die Liebe zu Gott und zu den Nächsten alles vermag, etwa auch standhaft zu bleiben, selbst auf Kosten des eigenen Lebens. Der Film hat durch die Seligsprechung der neunzehn Märtyrer am 8. Dezember 2018 neue Aktualität gewonnen.