Der Wille bleibt frei

Der Spielfilm "An Interview with God - Was würdest Du ihn fragen?" gibt überraschende Einblicke in das Handeln Gottes Von José García

An Interview with God
Der gerade aus Afghanistan zurückgekehrte Journalist Paul Asher (Brenton Thwaites, links) interviewt einen elegant wirkenden, älteren Herrn (David Strathairn), der sich als Gott vorstellt. Pauls theoretische Fragen werden immer persönlicher. Foto: KSM

Gottes Wege sind unergründlich“, verkündet eine Schrifttafel zu Beginn sozusagen als Motto für den Spielfilm „An Interview with God – Was würdest Du ihn fragen?“ von Ken Aguado (Drehbuch) und Perry Lang (Regie). Den Weg zu Gott zurückzufinden, fällt Paul Asher (Brenton Thwaites) gar nicht leicht. Er sitzt in einem Militärflugzeug, in dem mehrere Särge aufgereiht sind. Auf seiner Brust das Schild „Press“. Seine Off-Stimme verrät seine innere Leere: „Ich habe gebetet, aber ...“ Hat er im Krieg, über den er als Journalist berichtet hat, den Glauben an einen liebenden Gott verloren? Zu Hause findet er auch keinen Halt: Seine Ehe mit der wunderbaren Sarah (Yael Grobglas) kriselt. Außerdem leidet sein langjähriger Freund an einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Paul nimmt seine gewöhnliche Arbeit als Kolumnist für Religionsfragen in einer Tageszeitung wieder auf. Der nächste „Job“ hört sich aber etwas außergewöhnlich an: Ein mysteriös wirkender älterer Herr (David Strathairn) gewährt dem Journalisten drei halbstündige Interviews an aufeinanderfolgenden Tagen. Beim ersten Treffen fragt Paul den eleganten Herrn nach seinem Namen: „Gott“ lautet die Antwort. Und er buchstabiert den Namen auch als „G-O-T-T“ ins Aufnahmegerät. Selbst wenn der Mann so etwas sagt wie „Ich existiere außerhalb der Zeit. Schließlich habe ich die Zeit erschaffen“, wirkt er keineswegs übergeschnappt, sondern äußerst konzentriert.

Natürlich fragt sich Paul, wer nun dieser Mann ist, ob es sein könnte, dass er wirklich Gott ist? Er stellt eher theoretische Fragen, etwa nach dem Sinn des Glaubens oder auch natürlich die Theodizee-Frage. Aber sein Gegenüber lenkt das Gespräch immer wieder auf die persönliche Ebene, etwa auf den Zustand von Pauls Ehe, auch wenn sich der Journalist dagegen wehrt.

Auch wenn die Darstellung Gottes als eines liebenswürdigen, älteren Mannes den Zuschauer etwas befremden könnte, spricht aus „An Interview with God“ eine eindeutige Botschaft: Ein Gespräch mit Gott geht über das Theoretische hinaus, die persönliche Ansprache gehört immer dazu. Insofern scheint der deutsche Untertitel „Was würdest Du ihn fragen?“ gut gewählt.

Perry Land und sein Drehbuchautor Ken Aguado schaffen es, einen naturgemäß dialoglastigen Film kurzweilig zu gestalten, auch dank der großartigen Schauspieler. Der Charakterdarsteller David Strathairn gibt ein überzeugendes Bild des freundlichen, fürsorglichen, aber auch humorvollen Gottes wieder, der den Zuschauer einnimmt. Ihm gelingt es auch, einiges über das Handeln Gottes und über den freien Willen des Menschen sowie über die Macht des Gebetes einflechten zu lassen.

„An Interview with God – Was würdest Du ihn fragen?“ Regie: Perry Lang, 97 Minuten, DVD, EAN 4260623480009, EUR 15,00