„Der Glaube ist keine Privatsache“

Auf dem Katholikentag: Bischof Stefan Oster wünscht sich authentische Glaubenszeugen als Vorbilder für die Jugend. Von Gerd Felder

Bischof Oster SDB im Gespräch mit Nicole Stroth, Redakteurin bei Don-Bosco-Medien, im Zelt der Salesianer. Foto: Felder

Nach Ansicht des Jugendbischofs der Deutschen Bischofskonferenz, Stefan Oster SDB, ist das persönliche Zeugnis entscheidend, um Jugendliche für den Glauben zu begeistern. „Entscheidend sind die Personen, aber leider haben wir nicht viele authentische Menschen, die junge Leute überzeugen“, erklärte der Bischof von Passau bei einer Veranstaltung zum Thema „Warum Don Bosco mich begeistert“ beim Katholikentag in Münster. Oster riet den jungen Leuten, sich Gruppen zu suchen, in denen sie den Glauben leben und teilen und frei beten könnten. „Der Glaube ist keine Privatsache“, unterstrich der Bischof. „Wir müssen lernen, ihn in einem geschützten Raum auszuüben.“

Oster betonte, er wünsche sich keine Elite-Kirche oder einzelne Elite-Zirkel, „aber ohne eine gewisse Menge von Entscheidern wird die Kirche oberflächlich“. Auch Johannes Don Bosco haben einige Jugendliche um sich geschart, zu denen er engeren Kontakt gehabt und mit denen er zusammengelebt und den Glauben trainiert habe. „Wir brauchen Gruppen in den Pfarreien, die mehr wollen und sich in besonderer Weise gesandt wissen“, forderte Oster. „Dabei müssen wir weg von der Fixierung auf Hauptamtliche.“ Auch die ganz normalen Gläubigen seien für den Inhalt zuständig, und der „doppelte Klerikalismus“, durch den Pfarrern und Gläubigen ihre Rollen zugeschrieben würden, müsse überwunden werden.

Bischof Oster, der selbst Salesianer ist, bezeichnete den Ordensgründer Don Bosco als „authentisch, aber nicht, weil er authentisch werden wollte, sondern weil er Gott und die Jugendlichen so geliebt hat“. Das sei ein Modell und im 19. Jahrhundert einzigartig. Wegen Don Bosco sei er auch in den Orden eingetreten, bekannte Oster. Sein Bild hänge auch in seinem Büro. „Er ist begeisternd, schön und animierend, aber manchmal hätte ich ihn auch aus dem Fenster werfen können“, räumte der Bischof ein. „Aber er lässt mich nicht in Ruhe.“ Als er in der Deutschen Bischofskonferenz für den Vorsitz der Jugendkommission vorgeschlagen worden sei, da habe er den Eindruck gehabt, dass Don Bosco ihm gesagt habe: „Mach's!“ Jetzt fülle die Aufgabe als Jugendbischof einen großen Teil seines Alltags aus.

Bei der römischen Jugendsynode im Herbst stellt sich für Bischof Oster die Frage, welche jugendgemäßen Gebets- und Gottesdienstformen die Kirche finden kann, um Jugendliche zur Eucharistiefeier hinzuführen. „Wir haben den kostbaren Schatz der Eucharistie, aber eben auch nur die Eucharistie“, mahnte der Jugendbischof. „Bei allem, was hinführenden Charakter hat, haben wir noch Luft nach oben.“

In dogmatischen Fragen dürfe die Kirche den Jugendlichen nicht mit der Haltung „Friss oder stirb!“ entgegentreten; andererseits komme man an den großen dogmatischen Formulierungen der Vergangenheit auch nicht vorbei. „Wir haben da Hörbedarf, und Papst Franziskus will auch wirklich wissen, was Jugendliche bewegt“, fügte Oster hinzu. Insgesamt erhoffe er sich von der Jugendsynode einen starken Impuls zu der Frage, wie Menschen heutzutage auskunfts- und zeugnisfähig werden könnten. Er sei davon überzeugt, dass junge Menschen heute nach etwas suchten, für das es sich zu leben und zu sterben lohne und das größer sei als sie selbst. „Wenn man ihnen ein authentisches Angebot mit Orten, Begegnungen und Gemeinschaften macht, wo Jesus gegenwärtig ist, da fangen sie an, ihrer Sehnsucht zu folgen“, zeigte Oster sich überzeugt. „Wo das passiert, wirkt das ganz frappierend.“

Er habe inzwischen auch gegenüber charismatischen Gruppierungen die Berührungsängste verloren und halte es für schön, wenn sie durch ihr Charisma zu Gott fänden. Trotz mancher inhaltlicher Auseinandersetzungen schätze er am Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ), wie intensiv dort Demokratie gelebt werde. „Das ist großartig, denn Demokratiefähigkeit ist das Wichtigste in unserer Zeit“, lobte Oster.

Der Bischof von Passau ging auch auf den „Kommunionstreit“ in der Bischofskonferenz um den Eucharistie-Empfang für konfessionsverschiedene Paare ein. Er bedauerte, dass der Brief, in dem er zusammen mit sechs anderen Bischöfen den Vatikan um Klärung in dieser Angelegenheit gebeten habe, öffentlich gemacht worden sei. Das habe Druck aufgebaut und der Kirche Schaden zugefügt, so Oster. „Ich bin meinem Gewissen gefolgt, weil die Eucharistie für uns das Allerheiligste ist.“

Der Brief sei aber nicht für die Öffentlichkeit gedacht gewesen, und die Veroberflächlichung der öffentlichen Debatte sei für ihn schwer zu ertragen, erklärte der Bischof.