Wo Caesar zu Boden ging

Nicht auf dem „Forum Romanum“ starb der Imperator, sondern bei der „Area Sacra di Torre Argentina“ – heute kurz das „Katzenloch“ genannt. Von Natalie Nordio

Überreste von vier Tempeln an der "Torre Argentina"
Die Überreste von vier Tempeln an der „Torre Argentina“. Foto: IN

Cave Idus Martias“, „Hüte dich vor den Iden des März“: Das waren, wie von Plutarch überliefert, die warnenden Worte, die der Augur Titus Vestricius Spurinna an Gaius Julius Cäsar gerichtet haben soll. Die Auguren waren eine Mischung aus römischem Beamten und Wahrsager, die eine Art Kollegium ausmachten. Wie ein Orakel verkündeten sie den Willen der Götter, den sie aus dem „auspicium“, der Vogelschau, lasen. Die Wurzeln der Auguren reichen beinahe so weit zurück wie die Roms, denn kein Geringerer als der legendäre Stadtgründer und erste König, Romulus, soll sie ins Leben gerufen haben.

Die Iden des März

Die einst drei Mann starke Gruppe der Auguren umfasste zu Lebzeiten Julius Cäsars ganze sechzehn Mitglieder. Wie Recht Augur Titus Vestricius Spurinna mit seiner Warnung an Julius Cäsar haben sollte, weiß jeder, der sich ein kleines bisschen für die Geschichten und Mythen des Altertums begeistern kann.

Julius Cäsar waren seine Erfolge zu Kopf gestiegen. Dank unzähliger Siege und gewonnener Schlachten glaubte Caesar keine natürlichen Feinde mehr zu haben und ließ sich kurzerhand zum Diktator auf Lebenszeit ernennen, was in etwa die Alleinherrschaft über Rom bedeutete. Solchen Machenschaften konnten Caesars Feinde – und davon hatte er im Senat genug – nicht tatenlos zusehen. Den Tyrannen Caesar müsse man töten, denn sein Aufstieg bedeute den endgültigen Untergang der römischen Republik. Eine Ansicht, die von immer mehr Senatoren vertreten wurde, die während einer Sitzung zur Tat schritten. In den Iden des März, also dem 15. des Monats, im Jahr 44 v. Chr. ermordeten rund sechzig Senatoren den ruhmreichen Feldherrn. Die Berühmtesten unter ihnen, die als Caesar-Mörder in die Geschichte eingegangenen sind, waren die römischen Senatoren Brutus und Cassius. Ganze 23 Mal sollen die Senatoren zugestochen haben, bis der große Julius Cäsar schließlich mit den berühmten Worten „Auch du mein Sohn Brutus“ zu Boden ging. Was genau seine letzten Worte waren, lässt sich natürlich mit Gewissheit nicht sagen.

Wo sich der Mord zugetragen hat dagegen schon: Auf den Stufen der Kurie. Doch mit der Kurie ist nicht etwa die heutige „Curia Iulia“ gemeint, die am Fuße des Kapitols auf dem Forum Romanum steht. Denn anders, als viele glauben, starb Cäsar nicht auf dem Forum, sondern auf den Stufen der Kurie, die zum Theater des Pompeius gehörte. Da die Kurie auf dem „Forum Romanum“ im Bau war und nicht benutzt werden konnte, fand die Senatssitzung in einem Ausweichquartier, dem Theater des Pompeius, statt. Von dem einstigen Prachtbau, der als Roms erstes dauerhaft aus Stein errichtetes Theater gilt und sich unweit der „Area Sacra di Torre Argentina“ befand, ist heute nichts mehr zu sehen. Umso mehr ist dagegen von der „Area Sacra di Torre Argentina“ übrig. Die Ruinen von vier Tempeln, die allesamt in die vorchristliche Zeit datiert werden können, und damit älter sind als die meisten Bauten auf dem „Forum Romanum“, kann man hier entdecken. Blutspuren von dem kaltblütigen Mord findet man auf den Bodenplatten natürlich keine. Dafür bevölkern unzählige Katzen die Reste der antiken Stätte, was ihr den Spitznamen „Foro die Gatti“, Katzen-Forum, eingebracht hat – oder für Touristen einfach: das „Katzenloch“.

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