Die grünen Herzen Roms

Rom besitzt eine Vielzahl an Parkanlagen und jede davon hat ihre eigene Besonderheit. Von Carlotta Parker

Teil des Regionalparks der "Appia Antica"
Der „Parco degli Acquedotti“, Teil des Regionalparks der „Appia Antica“ zwischen der Via Appia und der Via Tuscolana mit einer Fläche von 240 Hektar im Südosten Roms. Foto: IN

Viele europäische Großstädte rühmen sich gerne mit dem Titel, die grünste zu sein. Auch Rom kann bei diesem Wettbewerb ein Wörtchen mitreden, denn bei den unzähligen Parkanlagen und Naturschutzgebieten hat die Ewige Stadt sehr viel Grün zu bieten. Die Region Rom zählt rund zehn Naturschutzgebiete, zwei Regionalparks, drei sogenannte „Monumenti Naturali“, Natur-Monumente, und mit der „Area Marina Protetta delle Secche di Tor Paterno“ südlich des Lido di Ostia sogar ein Meeresschutzgebiet. Rom ist demnach ein echter Spitzenreiter unter den Städten mit Naturschutzgebieten. Doch während sich diese Gebiete über die gesamte Region verteilen, bilden vor allem die vielen Parkanlagen in unmittelbarer Stadtnähe das grüne Herz der Ewigen Stadt. Jeder Park hat seinen besonderen Reiz und ist entweder der größte, der berühmteste oder der schönste, wobei Letzteres immer am Auge des Betrachters liegt.

Die bekannteste, oft auch als schönste Parkanlage Roms bezeichnet, ist die Villa Borghese. Durch ihre Lage mitten in der Stadt erfreut sie sich besonders auch bei den Touristen großer Beliebtheit. Mit rund achtzig Hektar ist der Park flächenmäßig zwar nur der viertgrößte, hat aber so einiges zu bieten. Ein Teich, auf dem man Bötchen fahren kann, der Nachbau eines elisabethanischen Theaters, in dem im Sommer Shakespeare aufgeführt wird, ein Kinderkarussell und Puppentheater sind nur einige der vielen Attraktionen, mit denen die Villa Borghese punkten kann.

Das Herzstück des Parks bildet aber die eigentliche Villa, in der heute eine Kunstsammlung beheimatet ist, die auch für Rom sensationell ist. Neben den berühmtesten Skulpturen des Bildhauers Gianlorenzo Bernini wie dem „David“ oder den Figurengruppen „Apoll und Daphne“ sowie „Pluto und Proserpina“, um nur ein paar zu nennen, beherbergt die Galerie zahlreiche Gemälde von Caravaggio, Tizian und Raffael. Doch ein Besuch der Kunstsammlung geht leider nicht spontan, sondern muss unbedingt im Vorfeld im Internet gebucht werden.

Die Kunstsammlung und der wunderschöne Palazzo, in dem sie ihr Zuhause hat, haben wie der gesamte Park ihren Ursprung in dem ehrgeizigen Projekt des Kardinals Scipione Borghese, dem Neffen Pauls V. Um das Jahr 1605 erweiterte Scipione durch den Ankauf von Ländereien den Besitz der Familie und ließ die gesamte Gegend zur Sommerresidenz der Borgheses umbauen. Um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts folgte die Umgestaltung einiger Teile nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten.

Die Villa Borghese erreicht man am besten über den Eingang hinter der Aussichtsplattform auf dem Pincio-Hügel oberhalb der Piazza del Popolo oder direkt an der Metro-Station „Flaminio“ über das monumentale neoklassizistische Eingangstor. Im Jahr 1901 kaufte der italienische Staat den Park für rund drei Millionen Lire, das entspricht heute in etwa zehn Millionen Euro, und gab die Verwaltung an die Stadt Rom. 1902 öffnete die „Villa comunale Umberto I gia Borghese“, der „Stadtpark Umberto I. einstmals Borghese“ die Tore. Dem neuen Namen war wenig Erfolg beschieden und der Park ist nicht nur bei den Römern immer die „Villa Borghese“ geblieben.

Wer es lieber ursprünglicher mag und gerne auf den Spuren der alten Römer wandeln möchte, sollte unbedingt den „Parco degli Acquedotti“ besuchen. Der „Parco degli Acquedotti“ ist ein Teil des Regionalparks der „Appia Antica“ und erstreckt sich zwischen der Via Appia und der Via Tuscolana auf einer Fläche von 240 Hektar im Südosten Roms. Zwar etwas weiter draußen gelegen, erreicht man den Park mit der Metro aber dennoch ziemlich problemlos. Mit der roten Linie A geht es bis zur Haltestelle „Giulio Agricola“. Von dort gelangt man nach wenigen Gehminuten zu einem der Eingänge auf der Via Lemonia. Die Ruinen von sechs der ursprünglich elf antiken Aquädukte bestimmen das Bild des Parks und schaffen ein einmaliges Panorama. Wunderschön und beeindruckend sind die monumentalen Mauerreste der antiken Wasserleitungen immer, aber ganz besonders schön sind sie am Abend. Denn kurz vor Sonnenuntergang, wenn das Abendrot sich über die majestätischen Bögen legt und sie in goldenes Licht taucht, entsteht hier eine fast magische Stimmung.

Eine der letzten klassischen Parkanlagen in Rom, die auf eine römische Adelsfamilie zurückgeht, ist die Villa Torlonia an der Via Nomentana. Die Familie Torlonia, eine reiche Bankiersfamilie, die zwar erst ab 1814 in den Fürstenstand aufstieg, aber immer schon sehr vermögend war, hatte die Gegend, die einst den Pamphili und danach den Colonna gehörte, zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts umgebaut und der Anlage ihre heutige Form gegeben. Der Park erstreckt sich über dreizehn Hektar. Nebst zwei idyllischen Seen ist besonders die „Casina delle Civette“, das Eulenhäuschen, ein echter Hingucker in der Villa Torlonia.

Das robuste und ziemlich verwinkelte Haus wurde im Jugendstil dekoriert und verdankt seinen Namen dem Eulenmotiv am Fenster über der Eingangstür. Mussolini hatte die Villa Torlonia so gut gefallen, dass er das Casino Nobile, das Haupthaus der Anlage, von Giovanni Torlonia für eine symbolische Miete in Höhe von einer Lira mietete und das Anwesen von 1925 bis 1943 mit seiner Familie bewohnte, während der eigentliche Hausbesitzer Torlonia ins Eulenhäuschen umziehen musste. Mit der Buslinie 90 erreicht man die Villa Torlonia bequem vom Hauptbahnhof Termini oder man nimmt die Buslinie 60 ab der Piazza Venezia.

Mit 184 Hektar ist die Villa Doria Pamphili die weitläufigste römische Parkanlage, die auf eine Adelsfamilie zurückgeht. Wieder einmal hatte der Neffe eines Papstes als Bauherr das Sagen. Im Auftrag Fürst Camillo Pamphilis, dessen Onkel Giovanni Battista Pamphili als Innozenz X. ab 1644 auf dem Papstthron saß, entstand der Park um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts unter Beteiligung der Architekten Alessandro Algardi und Giovanni Francesco Grimaldi. Die riesigen Grünflächen der Villa Pamphili erstrecken sich hinter dem Stadtteil Trastevere rund zwei Kilometer südlich des Vatikans an der Via Aurelia Antica. Heute teilt eine Schnellstraße, die Via Leone XIII, die Parkfläche in zwei nahezu gleichgroße Hälften, die aber durch Fußgängerbrücken miteinander verbunden sind. Da das Gelände so groß ist, verläuft man sich leicht und sollte sich daher im Vorfeld eine Wegstrecke durch den Park wählen. Der Eingang an der Porta di San Pancrazio führt über den „Largo 3 Giugno 1849“ direkt in den sogenannten „Giardino del Teatro“ und zum „Casino del Bel Respiro“, einem der schönsten Gebäude des gesamten Parks, das nach Plänen Alessandro Algardis zwischen 1645 und 1647 entstand. Über den Eingang an der Via Aurelia 183 gelangt man in den alten Teil des Parks, die sogenannte „Villa Vecchia“, und kann sich dort auf die Suche nach dem „Lago del Giglio“, dem Liliensee, begeben.

Für die Römer ist die Villa Pamphili mehr noch als die Villa Borghese ihr Stadtpark. Und dient nicht nur zum Sport, sondern ist auch als Lokation für unzählige Events immer eine gute Wahl. Hier werden Kindergeburtstage und Grillpartys genauso gefeiert wie die „Pasquetta“, das typische Picknick am Ostermontag. Die Römer kommen zum Joggen genauso hierher wie zum Spazierengehen und um mit dem Hund über die unendlich weiten Wiesen zu tollen. Vor allem im heißen Sommer gibt es kaum einen besseren Ort, als es sich im Schatten der dichten Pinienwälder gemütlich zu machen und begleitet vom Klang zirpender Grillen zu entspannen. Einziger Wermutstropfen: Nicht motorisierte Rom-Besucher sollten auf ein Taxi zugreifen und sich an einen der Eingänge der Villa Pamphili chauffieren lassen.

Rückblick

  1. Der Besuch einer Bar muss einfach sein
  2. Der Ringkuss auf dem Prüfstand
  3. Beste Aussichten auf Rom
  4. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
  5. Die Bischöfin und der Reformer
  6. Vergessene Sommerfrischen
  7. Zwei Päpste – zwei Kurien
  8. Wo die Herzen der Päpste ruhen
  9. Wo Caesar zu Boden ging
  10. Als es in Rom drunter und drüber ging
  11. Päpstliche Orden und Auszeichnungen
  12. Kommentar: Der Grund der Hoffnung
  13. Neros „Goldenes Haus“
  14. Ein „päpstlicher“ Bahnhof
  15. Alte Tradition für die Gegenwart
  16. Franziskus – ein Papst für die Armen und der Peripherie
  17. Ein Grabmal der besonderen Art
  18. Das „Küken“, das den Obelisken trägt
  19. Präfektur des Päpstlichen Hauses - Das Empfangskomitee seiner Heiligkeit
  20. Die Papstmessen: Wie sie ihren Anfang nahmen
  21. Roms Uhren: Wem die Stunde schlägt
  22. Santa Maria della Vittoria - Maria zum Siege
  23. Der „Königsweg“ zum Papst
  24. Das Sträßchen der Rosenkränze
  25. Rom, Metropole der Basiliken
  26. Kommentar: Wenn die Synode ruft
  27. Wo sich Himmel und Erde berührten
  28. Eine Oase der Andacht
  29. Auf den Spuren einer extravaganten Frau
  30. Mit Paulus in Rom, der Ewigen Stadt
  31. Die große Neuheit des Pontifikats
  32. Die römische Kurie als Dauerbaustelle
  33. Fotos von und mit dem Papst
  34. Die Kummerkästen Seiner Heiligkeit
  35. Mit Volldampf nach Castel Gandolfo
  36. Erkundungen im Borgo
  37. Mit Caravaggio durch Rom, der etwas andere Pilgerweg für Kunstliebhaber
  38. Wie dreidimensional vor 430 Jahren
  39. Das Heilige Jahr der Beichte
  40. Im Schwalbennest am riesigen Dom