Roms Uhren: Wem die Stunde schlägt

Die Uhr Giuseppe Valadiers.
Die Uhr Giuseppe Valadiers. Foto: IN

(DT/NN) Rom hat viele schöne Ecken, Kirchenbauten und antike Ausgrabungsstätten. Doch eines hat Rom nun wirklich nicht: richtig gestellte Uhren. Bei einem Spaziergang durch das Stadtzentrum merkt man das recht schnell. Uhren gibt es wie Sand am Meer, an Bushaltestellen, an Hausfassaden oder mit einer Temperaturanzeige gepaart vor Apotheken. Aber kaum eine zeigt wirklich die richtige Zeit an. Schon Papst Pius IX. war dieses Problem ein Dorn im Auge und er versuchte eisern, diesem Uhren-Schlendrian ein Ende zu machen. Auf seinen Befehl wurde 1847 der Kanonenschuss um zwölf Uhr Mittag eingeführt. Der laute Knall der Kanone auf dem Gianicolo ist im Stadtviertel Trastevere auch noch heute gut zu hören. Dadurch sollten Roms Kirchen alle gleichzeitig läuten.

Dass aber sogar eine der Uhren an der Hauptfassade von Sankt Peter ständig kaputt sein soll, ist mehr als verwunderlich. Der Architekt Giuseppe Valadier hatte beide Uhren um 1785 im Auftrag von Pius VI. entworfen. Während die linke Uhr die exakte Uhrzeit anzeigt und Stunden und Minutenzeiger ganz normal auf dem Ziffernblatt wandern, hat die andere Uhr nur einen scheinbar unbeweglichen Zeiger. Die Römer erzählen gerne, dass die rechte Uhr absichtlich eine falsche Zeit anzeige, um den Teufel zu verwirren, der so nie weiß, wann die Messe beginnt. Eine schöne Geschichte, die aber nicht stimmt. Denn es handelt sich nicht um die „Teufelszeit“, sondern um eine Uhr, die die bis 1789 in Italien gebräuchlichen italienischen Stunden anzeigt, die im Gegensatz zu heute ab Sonnenuntergang gezählt werden.

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