Glosse: Beinah revolutionär

Plötzlich war sie da, die Priesterweihe für Frauen. Unbemerkt hatte der Vatikan die Revolution eingeläutet. Am Freitag um viertel vor Zwölf übertrugen die Vatikanmedien das epochale Ereignis live ins Internet. Schlicht als „Heilige Messe mit Priesterweihe“ angekündigt; Understatement beherrschen sie im Vatikan. Die Übertragung beginnt. Papst Franziskus schreitet den Mittelgang hinab, freudestrahlende Frauen, jung und alt, jubeln dem Pontifex zu, recken ihm Grußhände und Smartphonelinsen entgegen – der Papst lächelt milde ob so viel weiblicher Ekstase. Wie tief muss in diesem Moment der Schock bei Deutschlands Frauen sitzen? Heilige Messe mit Papst, Priesterweihe und Frauen? Und das nur einen Tag vor der großen Frauenstreikwoche? Alles für die Katz', der Papst hat den Katholikinnen ein Schnippchen geschlagen. „Maria 2.0“ wird abgesagt. Im Vatikan tritt nun Schwester Katharina Ganz – eine deutsche Franziskanerin, selbstredend vor die Festgemeinde, um vom Papst die Weihe zu erbitten. Franziskus hebt an, doch nicht zu Gebet und Handauflegung, sondern zur Absage: Keine Weihe für die Schwester. „Verstehen Sie? Wir sind Katholiken.“ Die Revolution verwirrt ihre Töchter. Später erkennen auch die Vatikanmedien ihren Fehler und korrigieren den Sendungstitel. Am Freitag stand doch nur eine Audienz für Ordensoberinnen auf dem Programm. Am Sonntag dann weihte der Papst tatsächlich neue Priester. Alle männlich, wir sind ja Katholiken.