Glaube mit Musik

„Warmer Nordwind“: Wie eine schwedische Sängerin mithilfe von Johannes Paul II., Schwester Faustina und EWTN zum Katholizismus fand. Von Barbara Sahlstrom und José Miguel Cejas

Die Sängerin Barbara Sahlstrom mag auch Katzen. Foto: Fe Medien

Du hast mich darum gebeten, dass ich dir von unserem Leben erzähle. Wie du weißt, bin ich in Norrland geboren. Als ich fünf Jahre alt war, zog meine Familie nach Svealand, ins Zentrum Schwedens. Alle meine Kindheitserinnerungen sind von da. Meine Mutter war eine große, blonde, diskrete Frau. Sie war Protestantin, praktizierte aber ebenso wenig wie ich, wie meine Großeltern, wie die meisten Leute in Schweden. Nur am Weihnachtstag pflegten wir zur Kirche zu gehen. Wir hatten einen sehr jungen Pastor, der die klassische Kirchenmusik sehr liebte und mich zu singen bat, und einen wunderbaren Organisten, der Mendelssohn, Schubert und (vor allem!) Bach spielte. Mit acht Jahren hatte ich mein Debüt in der Kirche mit dem Ave Maria von Schubert.

Mit fünfzehn Jahren studierte ich in Västeras Gesang bei Birgitta Samuelsson, in Uppsala bei Marianne Eriksson. Die Stadt wirkte ernst und kalt auf mich. Die Studenten tranken viel, und obwohl ich gerne tanze, gefiel mir das Ambiente in den Diskotheken nicht. Ich fand diese Freude oberflächlich. Dann studierte ich in Malmö bei Nils Bäckström, der in den großen Opern Europas gesungen hatte und wirklich ein Herr war. Er sang sogar die Titelrolle in Rigoletto, zusammen mit dem Tenor Björling, der in den 60iger Jahren starb.

Während meiner ersten Kurse in Uppsala fühlte ich mich sehr allein, bis ich Arne kennenlernte, als Jungen von 20 Jahren, der englische und französische Literatur studierte, bevor er dann mit Medizin begann. Er war der Älteste von vier Brüdern einer protestantischen Familie, die ebenso wenig praktizierte wie meine. Wir waren uns in vielen Dingen einig: Wir liebten beide sehr die klassische Musik und hatten oft die gleiche Meinung. Als man zum Beispiel in der Universität Abtreibung befürwortete, waren wir beide dagegen. In Schweden gab es sehr wenige Leute, die so dachten.

Wir heirateten und lebten an verschiedenen Orten in Schweden und Dänemark. Arne spezialisierte sich zuerst in Uppsala und danach in Malmö, bis er als Chirurg Experte in neuesten Techniken war. Ich war jahrelang Professorin für Gesang in Malmö und Chormitglied des symphonischen Orchesters. Im Juni 1989 kam Johannes Paul II. drei Tage lang nach Schweden. Arne und ich kannten ihn aus der Presse, wussten aber nicht allzu viel über ihn, im Gegensatz zu meiner Mutter, die sich schon seit vielen Jahren für den katholischen Glauben interessierte und die eine besondere Gabe hatte, Menschen einzuschätzen. Sie sagte mir, er sei ein ganz außergewöhnlicher Mann und noch einiges mehr, was mich überraschte, da es sich um den Papst der Katholiken handelte, die ich zwar respektierte, auf die ich aber nie sonderlich geachtet hatte.

Meine Mutter starb wenig später mit 74 Jahren an Krebs, womit ich nicht gerechnet hatte und worunter ich sehr gelitten habe; denn ihre Tanten waren 108, 100 und 98 Jahre alt geworden und ich hatte gedacht, sie hätte mindestens noch 20 Jahre zu leben. In dieser Zeit begann ich zu beten und fand eine Bibel. Die Lektüre der Psalmen gab mir Frieden. Die Jahre gingen dahin. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts eröffnete ein Freund Arne die Möglichkeit, in Saudi-Arabien zu arbeiten. Wir waren sehr überrascht über die Intoleranz, die dort herrschte. Verboten war jegliches religiöse Zeichen, das nicht zum Islam gehört. Nicht einmal im Internet durfte man Programme einer anderen Religion öffnen. Während die dortigen Führer Moscheen in der ganzen Welt finanzieren und erbauen lassen, darf in ihrem Land keine einzige Synagoge oder Kirche errichtet werden, ob protestantisch, katholisch, orthodox oder anders. Zudem gibt es die „mutawa“ (die Sittenpolizei), die darüber wacht, dass keine religiöse Versammlung stattfindet, die nicht islamisch ist. Die Hitze dort ist unerträglich. Da ich also wenig auf die Straße ging und niemanden kannte, hatte ich viel Zeit und begann, im Internet religiöse Programme zu suchen; ich fand EWTN von der Mutter Angelika. So sah ich jeden Tag Programme, in denen von dem Katholizismus die Rede war, der meine Mutter so interessiert hatte, und ich kommentierte die Sendungen oder sah sie noch einmal zusammen mit Arne. Sie waren für uns beeindruckend.

Rechtzeitige Flucht vor islamistischem Terror

Als ich am 11. September mit dem Auto für Einkäufe ins Stadtzentrum fuhr, traf ich an einer Ampel einen Kollegen Arnes, der mir sagte: „Barbara, weißt du nicht, was passiert ist?“ Als ich in die Geschäfte kam, bemerkte ich die eigenartige Atmosphäre. Alle Frauen dort – mit ihren Kopftüchern – telefonierten mit ihren Handys. Ein paar Kinder riefen: Amerikaner raus! Ich fuhr sofort nach Hause. Außer dass Kinder mit Steinen nach unserem Wagen warfen, geschah mir nichts. Wir riefen den Botschafter an. Er sagte, wir sollten vorsichtig sein, besonders freitags. Es kamen Gerüchte auf und unangenehme Dinge geschahen, die im Westen nicht veröffentlicht wurden. Wir wurden als Feinde der Muslime betrachtet, obwohl wir niemandes Feinde sind noch jemals waren. Da wir uns nicht mehr sicher fühlten, zogen wir nach Bahrain, als Arne dort eine Stelle angeboten bekam. In Bahrain sahen wir im Fernsehen, dass Radikale in Saudi-Arabien in das Gebäude eingedrungen waren, in dem wir gewohnt hatten, bevor wir dort ausgezogen waren, und drei Sicherheitsleute umgebracht haben. Sie sind in die Häuser der Ausländer eingebrochen, haben geschrien: ,Bist du Christ oder Moslem?‘ und haben einigen Menschen die Kehle durchgeschnitten. Wir waren wie versteinert bei dem Gedanken, dass uns dasselbe hätte passieren können, wenn wir dort geblieben wären. Von Bahrain zogen wir nach Dubai. Wir lernten einen Kapuziner kennen, den Pater Eugene Mattioli, der uns sehr geholfen hat auf unserem Weg zum Katholizismus. Es war ein schöner Weg, denn alles zog uns an. Besonders gefiel uns die Bedeutung, die im Katholizismus der Beziehung zwischen Glaube und Vernunft gegeben wird. Arne ist Wissenschaftler und ich, als Mezzosopranistin, weiß, dass man mit Gefühl singen muss. Aber mit Gefühl allein singt man noch nicht gut, man muss studieren, überlegen, lernen, üben, nachdenken …

Als wir die Geschichte der katholischen Kirche kennenlernten, war es für uns eine fantastische Entdeckung, zu sehen, wie dank des Christentums ein großer Teil der Fundamente der westlichen Zivilisation gelegt wurde. Und dann war da das Beispiel der Heiligen: Edith Stein, Maximilian Kolbe, Teresa von Ávila, Johannes vom Kreuz, Damian von Molokai … Es gab eine polnische Frau, die mich sehr beeindruckte, aber wirklich sehr! – die heilige Faustina Kowalska. 2005, ein Jahr, bevor wir in die katholische Kirche aufgenommen wurden, wurde Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt. Für uns war das Pontifikat Benedikts XVI. ein wahrer Segen! Uns fehlen die Worte, unseren Dank auszudrücken. Eines Tages sagte Arne mit lauter Stimme das, was ich seit einiger Zeit schon hören wollte: ,Ich möchte katholisch werden!‘

Im Endeffekt waren es viele Menschen, die uns auf unserem Weg geholfen haben wie Anders Arborelius, unser schwedischer Bischof, und die Priester des Opus Dei. Es gefällt uns, wie sich diese Leute vom Opus Dei verhalten, die niemanden ausschließen, ob er katholisch ist oder nicht. Wir verehren sehr den heiligen Josefmaria und den seligen Alvaro. Immer, wenn wir können, gehen Arne und ich zu den Einkehrtagen, die es dort für Männer und Frauen gibt; denn sie tun uns gut …

Der Text ist die gekürzte Fassung eines Berichts aus dem aktuellen Buch „Warmer Nordwind“ (Fe-Medienverlag 2018; ISBN 978-3-86357-214-3) von José Miguel Cejas (1952–2016). Beschrieben sind 40 Umkehrgeschichten von Menschen aus Schweden, Dänemark, Norwegen und Island.