Würzburg

GLOSSE: Einschlafen mit der Hand?

Christliche Liebe und echte Lust sehen anders aus.

Guter Schlaf
Guter Schlaf - Dank Tipps von der Gesundheitskasse. Foto: Bodo Marks (dpa-mag)

Die Zeiten, da man sich für seine deutschen Landsleute schämen musste, weil sie allzu spießig daherkamen, sind lange vorbei. Erst trat Ende der 1990er Jahre die „Spaß-Gesellschaft“ mit tanzenden Ravern und jeder Menge TV-Comedy-Quatsch in Erscheinung, nun sieht es nach der totalen Enthemmung aus. Die Krankenkasse „Barmer“ empfiehlt mit einem Facebook-Posting, wie man „pulsierende Nächte“ schlaf-technisch am besten übersteht. Nämlich: „,Masturbation hilft beim Einschlafen. Wenn du mal wieder nicht schlafen kannst, dann leg einfach mal selbst Hand an oder hol dir ein Spielzeug dazu, dann kommt der Schlaf ganz von alleine.“ Haha. Was auf den ersten Blick wie der Scherz eines kecken Volontärs wirkt, der vor lauter äußerer (und innerer?) Hitze ein wenig auf den Tasten verrutscht ist, entpuppt sich aber als raffinierte Werbestrategie. „Masturbation hilft beim Einschlafen – Krankenkasse landet viralen Marketing-Hit“ – so lautet eines der vielen begeisterten Medienechos. Was nicht nur viel über das Selbstbild der Barmer-PR-Abteilung aussagt, sondern auch über den Zustand der Fans. Wäre es da nicht wirklich fair, wenn die Krankenkasse, wie eine Nutzerin vorschlägt, die Kosten für die Sexklinik übernimmt, in welche nun masturbationssüchtig Gewordene eingeliefert werden können? Doch da hört der neue deutsche Humor schon auf: Keine Kostenübernahme, einfach „beruhigt weitermachen“. Christliche Liebe und echte Lust sehen irgendwie anders aus.