Erste Messe mit Schutzhelm

Zwei Monate nach der Feuer-Katastrophe: In der Kathedrale Notre-Dame de Paris wurde am vergangenen Samstag ein Gottesdienst gefeiert - auf ungewöhnliche Art und Weise Von Jean-Marie Dumont

Erste Messe nach Großbrand in Notre-Dame gehalten
Kritik an laizistischer Kulturlosigkeit: Der Erzbischof von Paris, Michel Aupetit, sprach in Notre-Dame Klartext.dpa Foto: Foto:
Erste Messe nach Großbrand in Notre-Dame gehalten
Kritik an laizistischer Kulturlosigkeit: Der Erzbischof von Paris, Michel Aupetit, sprach in Notre-Dame Klartext.dpa Foto: Foto:

Genau zwei Monate nach dem Großbrand, der am 15. April den Dachstuhl der Kathedrale Notre-Dame von Paris niedergebrannt hat, wurde am vergangenen Samstag, den 15. Juni, zum ersten Mal in einer Kapelle des Gebäudes wieder eine Messe zelebriert. Es war der Tag der liturgischen Feier der Weihe der Kirche und die Zeremonie fand in der Kapelle der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem statt, wo sich die Heiligen Reliquien der Krone und des Kreuzes Jesus bis zum Brand befanden.

Wie lief die Feier genau ab? Gegen 18 Uhr trat eine Prozession von 15 Priestern – unter denen der Erzbischof von Paris Michel Aupetit, mehrere Generalvikare und der Feuerwehrmann Jean-Marc Fournier, der die Reliquien und das Heilige Sakrament in der Nacht aus den Flammen gerettet hatte – mit Schutzhelmen in die Kathedrale ein. Auch wenn der Chorumgang nun sauber ist, so erinnern das Hauptschiff voll Trümmer und die drei riesigen Löcher in dem Gewölbe weiterhin an das Drama der Zerstörung.

In einer Stimmung der Rücksichtnahme, des Gebets, und der Rührung begann die Heilige Messe. Sie dauerte ungefähr eine Stunde und wurde von gregorianischen Gesängen und einfachen Melodien, die man regelmäßig in den Pariser Gemeinden benutzt, begleitet. Die Zeremonie fand auf dem alten Altar der Kapelle statt, so dass die Messe zum großen Teil ad orientem zelebriert wurde.

Politiker und Prominente waren nicht eingeladen

Kurz vor der Wandlung nahm der Erzbischof seinen Helm ab. Nur 15 Laien – der General Jean-Louis Georgelin, der den Wiederaufbau koordiniert, einige Personen, die an der Baustelle teilnehmen, zwei Mitglieder des katholischen Hilfsorganisation „Aux captifs la liberation“ – durften die Messe, die von mehreren Fernsehsendern übertragen wurde, in der Kapelle miterleben. Keine Politiker oder prominente Persönlichkeiten der französischen Gesellschaft waren eingeladen worden, um zu zeigen, dass die Kathedrale ein Ort für das Gebet und die katholische Liturgie ist. „Ja, diese Kathedrale ist eine Kultstätte, es ist ihre eigene und einzige Finalität“, erklärte der Erzbischof von Paris Michel Aupetit in seiner Homilie. „Schämen wie uns des Glaubens unserer Vorfahren? Schämen wir uns Christus?“

Seit Wochen betont die katholische Kirche, dass die Kathedrale Notre-Dame erstens die Frucht des katholischen Glaubens ist, und nicht nur ein Gebäude, das zur französischen Kultur gehört. Die schon bald nach dem Brand gehaltene Rede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, in welcher er den Wiederaufbau der Kathedrale innerhalb von fünf Jahren ankündigte, hatte die Kritik des Pariser Erzbischofs hervorgerufen, weil er kein Wort an die Adresse der Katholiken gerichtet hatte. „Ein Wort des Mitleids für die katholische Gemeinschaft wäre sympathisch gewesen, es sind die Katholiken, die die Kathedrale Notre Dame leben lassen. Sie ist kein Museum. So viele Personen kommen jedes Jahr, weil es ein Lebensort ist, den die Katholiken leben lassen. Das Wort ,katholisch‘ ist kein Schimpfwort“, so Aupetit.

In seiner Homilie vom 15. Juni hat der Pariser Erzbischof diese Kritik fortgesetzt. „Kann man wirklich wegen Ignoranz oder einer Ideologie die Kultur und den Kult trennen? Die Etymologie zeigt, dass es eine enge Beziehung zwischen den beiden gibt. Eine Kultur ohne Kult wird zur Unkultur. Man braucht nur die unglaubliche religiöse Ignoranz unserer Zeitgenossen sehen, welche den Ausschluss der göttlichen Idee und des Namens von Gott in der öffentlichen Dimension verursacht hat.“ Eine bestimmte Interpretation der Laizität, „die jede sichtbare geistliche Dimension“ ausschließt, und die dazu führt, dass die Leute nicht von Gott sprechen dürfen, kritisierte er ebenfalls. „Warum sollen wir schweigen? Wir schämen uns nicht, Christen zu sein.“

Durch diese Messe hat die katholische Kirche wieder das Herz des Glaubens – die Eucharistie – in das verletzte Gebäude eingeführt. Sie hat auch für die Arbeiter, die an der Restaurierung teilnehmen, und die Spender, die Geld dazu gegeben haben, und die noch dazu aufgefordert werden, Geld zu geben, gebetet. Im Moment ist keine neue Messe in der Kathedrale Notre-Dame geplant. Die Sicherheits-Bedingungen müssen verbessert werden, und die Festigungsarbeiten müssen noch fortgesetzt werden. Dann wird die Phase des Wiederaufbaus der zerstörten Teile beginnen können.