Zur Wallfahrt nach Waghäusel: Das Volk blieb treu und pilgerte weiter

Zu Ihrem Artikel: „Wo man sich zuhause fühlen kann“ (Pilger Zeitung 8/2010): Zur Wallfahrt Waghäusel sei hier ergänzend gesagt: Die Wallfahrt zur „Mutter mit dem gütigen Herzen“, die ihren Anfang im 15. Jahrhundert hat, wurde während des 30-jährigen Kriegs von Kapuzinern übernommen, die bis zur Säkularisation hier seelsorgerisch wirkten und die Lasten der zahlreichen Kriege um die Festung Philippsburg mit der Bevölkerung mittrugen. Im Jahre 1827 zog der letzte Guardian des Klosters weg. Das katholische Volk blieb der Wallfahrt treu und pilgerte weiterhin, wenn auch nicht so zahlreich wie zu Zeiten der Kapuziner nach Waghäusel. Als im letzten Kriegsjahr 1918 in Baden die Männerorden wieder zugelassen wurden, kehrten die Kapuziner sofort zurück, als der Freiburger Erzbischof sie rief. Das Kloster, das einige Zeit als Schule gedient hatte, wurde von den Brüdern in mühevoller Arbeit wieder hergerichtet.

In dieser Aufbauphase kam es zu einer Katastrophe; die Wallfahrtskirche brannte in der Nacht vom 14. auf den 15. November 1920 völlig aus. Wieder standen die Kapuziner vor einem Neuanfang. Mit Gottvertrauen und Energie bauten sie die Kirche wieder auf und führten die Wallfahrt wieder zu neuer Höhe trotz der üblichen Schikanen in der Nazizeit.

Die Patres des Klosters waren in der Wallfahrts- und in der Umgebungsseelsorge tätig bis zu ihrem Weggang Ende 1999. Als die vier Patres und zwei Brüder Abschied nahmen, sprach der Pfarrgemeinderatsvorsitzende in bewegenden Worten von „unseren liebgewordenen Freunden und Weggefährten“. Mehr als 200 Jahre hatten die bärtigen Söhne des heiligen Franziskus Gott und den Menschen in Waghäusel gedient. 19 von ihnen ruhen auf dem Friedhof bei der Kirche. Der berühmteste der Waghäusler Kapuziner, P. Martin v. Cochem, bis heute als geistlicher Schriftsteller anerkannt, fand nach seinem Tod 1712 ebenfalls hier seine letzte Ruhe.

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