Zur Vater-unser-Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“: Auf den heutigen Sprachgebrauch verengt

Klaus Berger ging die Vater-unser-Bitte „und führe uns nicht in Versuchung“ (DT vom 16. Mai 2013) theologisch an. Ich möchte diese Stelle mit sprachlichen Mitteln betrachten.

Im Wortstamm, zu dem „Versuchung“ gehört, liegt nämlich noch mehr als nur die Bedeutung „jemanden in eine schwierige oder sündenverführende Lage zu bringen“, zum Beispiel kennen wir die Wendung bei der Weihnachtsbäckerei: „Willst du ein Versucherle“, oder wenn jemand sagt: „Ich schaffe das nicht“, da ist oft die Antwort: „Hast du es schon mal versucht?“ Hier hat „versuchen“ die Bedeutung „probieren, ausprobieren“.

Versuchung wurde im heutigen Sprachgebrauch verengt auf „Gelegenheit, in der man höchstwahrscheinlich zu Fall kommt“, die aber das griechische „peirasmos“ nicht ausschließlich hat. Die Vater-unser-Bitte kann auch lauten: „Führe uns nicht in eine Prüfung“ oder etwas freier: „Stell uns nicht auf die Probe.“ Zu ergänzen wäre: „Herr, wir haben nämlich Angst, dass wir versagen.“

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