Zur Stammzelldebatte, Bischof Huber und Ministerin Schavan: Die katholische Position verkannt: Ihre Tonart gefällt mir nicht: Eine Verharmlosung der Abtreibung?

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Bischof Wolfgang Huber, verkennt die Stellung der Lehre der katholischen Kirche im Verhältnis zu der Verbindlichkeit des Gewissens eines jeden Katholiken, wenn er in Bezug auf die Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) wegen ihres Eintretens für eine Verschiebung des im Stammzellengesetz festgeschriebenen Stichtags für die Einführung menschlicher Embryonen aus dem Ausland sagt: „Manche katholische Stimme“ beansprucht, „die allein vertretbare christliche Position zu artikulieren“ (DT vom 28. Dezember 2007).

Bei Politikern steht, auch nach dem Grundgesetz, die Verbindlichkeit ihres Gewissens für ihr Verhalten, insbesondere bei Abstimmungen, immer im Vordergrund. Diese Verbindlichkeit des Gewissens wird gerade in der katholischen Kirche betont. Aber das Gewissen ist bei uns Katholiken verbindliche, nicht letzte Instanz! Ein Katholik hat sein Gewissen nach dem Willen Gottes, so wie dieser Wille nach dem Lehramt der katholischen Kirche formuliert wird, zu bilden und zu festigen. Die katholische Kirche ist daher dazu verpflichtet, die Lehre der Kirche widerspruchsfrei, auch in moralischer Hinsicht, zu verkünden, damit der einzelne Christ sein Gewissen danach ausrichten und bilden kann.

Niemand wird daher kritisiert, wenn er nach seinem Gewissen handelt. Die katholische Kirche hat aber sehr wohl das Recht, eine/n Katholikin/en, zumal wenn er/sie Theologe/in ist, zu kritisieren, wenn er/sie das Lehramt der Kirche ganz außer Acht lässt oder sein Gewissen nicht hinlänglich nach der Lehre der katholischen Kirche bildet.

Zu Ihrer Glosse „Auch der Protestant kann irren“ (DT vom 28. Dezember 2007) kann ich ihnen nur warnend entgegenrufen: „So nicht“. Bischof Huber hat seine Ansicht geäußert, auch seine Meinung zum katholischen Lehramt. Ich denke, die müsste Ihnen bekannt sein. Sie sollen sich sachlich damit auseinandersetzen. Diese Ihre Tonart gefällt mir nicht! Was soll da die Androhung, „über Hubers Irrungen und Wirrungen in Sachen Lehramt, Gewissen und ,kleineres Übel‘ wird noch ausführlicher zu sprechen sein“?

Auch die Überschrift Ihres Aufmachers „... attackiert die katholische Kirche“ ist ein Fehlgriff: Bischof Huber hat aus seiner Verantwortlichkeit heraus die Stimme erhoben. Darauf kann man in Brüderlichkeit antworten. Die Gemeinsamkeit der Katholiken und Protestanten werden wir in unserer zerrütteten Welt noch bitter nötig haben.

Verwenden Sie also einen brüderlichen Stil. Jedenfalls „so nicht“.

Im Rahmen ihres Vortrages „Die Frage nach Gott und dem Menschen – Glaube und Wissenschaft im Gespräch“, den Frau Dr. Annette Schavan Anfang Dezember in Osnabrück anlässlich der Gründung der Niels Stensen Akademie hielt, legte sie auch ihre Position zur Stichtagsverschiebung dar. Sie berichtete, dass sie sich in einem ungewöhnlichen Dilemma und in der schwierigsten Situation ihres politischen Lebens befände. Gleichwohl müsste sie aber zur Kenntnis nehmen, dass nach Ansicht der Wissenschaftler – auch katholischer – ohne die Erkenntnisse über die Struktur der embryonalen Zelle das Ziel der somatischen Stammzellforschung nicht erreicht werden könne.

Nach ihrem Vortrag und der anschließenden Diskussion hatte ich kurz Gelegenheit, mit Frau Schavan zu sprechen. Ich habe sie gefragt, ob in Deutschland nicht ganz auf die Forschung mit embryonalen Stammzellen verzichtet werden könne. Dabei wies ich sie auf ihre Forderung hin, die sie in ihrem Vortrag erhoben hatte, nämlich dass Theologie und Glaube Widerständigkeit erlaube, um Strukturen und Verengungen aufzubrechen. Ich machte weiter darauf aufmerksam, dass für die embryonale Stammzellforschung ja immer Embryonen getötet werden.

Dies wies sie zurück, indem sie sagte, dass man hier nicht von Tötung sprechen könne, denn das sei eine Verharmlosung der Abtreibung. Damit steht sie in dieser Frage eindeutig im Widerspruch zur Position der katholischen Kirche, für die ein Embryo menschliches Leben ist (dies ist eindeutige Erkenntnis der Embryologen) und die das Leben des Menschen schützen will von seinem Beginn bis zu seinem Ende.

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