Zur Situation der Katholiken in Burma : Fast täglich erschütternde Nachrichten

Viele Aussagen in dem Artikel vom 19. Januar „Mit Teilzeit-Punk gegen Burmas Junta“ sind sicher richtig und wichtig. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob es die Leser der Tagespost, nicht noch mehr interessieren würde, wie es den Christen in Burma zurzeit ergeht. Ich möchte deshalb den Fokus auf die Situation der Katholiken in Burma richten. Seit Juni 2011 tobt im Kachin-State im Norden Burmas ein Bürgerkrieg. Am 19. Januar 2012 scheiterte ein Waffenstillstandsabkommen, obwohl Präsident Thein Sein bereits im Dezember 2011 das burmesische Militär aufgefordert hatte, Vertreter der Kachin-Minderheit (das rund eine Million Menschen zählende Volk ist mehrheitlich katholisch) nicht mehr zu attackieren. „Manchmal erreicht der Befehl nicht die Basis“, meinte ein Regierungssprecher lakonisch. 45 000 Menschen sind auf der Flucht. Mich erreichen fast täglich erschütternde Nachrichten aus Myitkyina, wo der Salesianer Don Boscos Father Charles sich in einem Ausbildungs-Projekt für Jugendliche inzwischen um über 200 Flüchtlinge, zumeist Mütter ( sieben davon hochschwanger) und Kinder kümmert, obwohl das Errichten von Flüchtlingslagern in Mitkyina verboten ist.

Am 19. Januar wurde ein kleiner Junge geboren und schon fingen die Schwierigkeiten wieder an. Die Mütter sollen ihre Kinder im Government-Hospital zur Welt bringen, doch das wollen sie nicht. Sie haben verständlicherweise große Angst, denn die Regierungssoldaten hatten ihre Dörfer niedergebrannt, haben Kirchen zerstört, Christen misshandelt, gequält und die Frauen vergewaltigt. Sie schrecken nicht davor zurück, Gräueltaten und Racheakte unter der Zivilbevölkerung zu verüben. Ein Gemeindemitglied hatte versucht, einen Befehlshaber zur Rede zu stellen. Er wurde zusammen mit vier weiteren Katholiken schwer misshandelt und inhaftiert. Die Situation ist besonders dramatisch, da die Bevölkerung bereits in Armut lebt und nun völlig erschöpft ist. Wie im Fall der Karen, der Shan und nun auch der Kachin oder anderer Volksstämme, die auf birmanischem Gebiet leben, schreckt die Armee auch vor ethnischer Säuberung nicht zurück. „Für die Menschen der ethnischen Gruppen“, meint Bischof Francis Daw Tang von der Diözese Mitkyina, mit dem wir 2011 ausführlich gesprochen hatten“, ist Demokratie zweitrangig gegenüber dem Grundrecht auf Leben als Mitglied einer ethischen Minderheit. Die Menschen in unserem Land leiden unendlich. Aber niemand hört ihr Stöhnen und Schreien. Der Waffenstillstand vor 17 Jahren hat die Landschaft im Norden massiv verändert und diente ausschließlich den Interessen der Mächtigen, der Reichen und der Chinesen. Die Jademinen wurden von der Armee unter ihre Gewalt gebracht, eine unglaubliche Ausbeutung der Natur begann und eine massive Umweltzerstörung.“ Das registriere ich selbst auch von Jahr zu Jahr mehr.

Die Aussöhnung mit den Minderheiten ist eine der zentralen Forderungen von internationaler Seite. Mit den Shan, Chin und Karen schloss die Regierung in den vergangenen Wochen ein Waffenstillstandsabkommen. Das war eine Forderung der westlichen Länder als Voraussetzung für das Ende der Sanktionen gegen die einstige Militärdiktatur.

Angesichts dieser schrecklichen Lage tut die Ortskirche in Myitkyina ihr Möglichstes, damit die Vertriebenen untergebracht werden können und Beistand und Trost erhalten. Wir haben einen Flüchtlings-Fonds eingerichtet und ich werde in ein paar Wochen selbst in das Krisengebiet fliegen. „Die Liebe macht, dass man mutig sein kann“ (Mutter Teresa).

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