Zur Leserbrief-Debatte über den Kommunionempfang wiederverheirateter Geschiedener: Aus Respekt vor dem Altarsakrament

Die Diskussion in der „Tagespost“ zum Thema „Geschiedene und zivilrechtlich Wiederverheiratete" wird meines Erachtens ziemlich schroff geführt. Die eine Seite zitiert die bekannten Bibelstellen und unterbindet fast eine Erörterung der offenbaren menschlichen Probleme, insbesondere im kirchlichen Umfeld.

Das Ehepaar Strieder (Leserbrief vom 31. Juli) sieht in vielen Beiträgen Arroganz, Überheblichkeit und anderes; jedenfalls fehlende Empathie in menschliche Lebenssituationen, die wie in allen Fragen nicht binär, also entweder/oder entschieden werden können. Da ich selbst betrogener Betroffener bin, kenne ich die Gedanken Vieler zu diesem Thema. Der Aufforderung von Geistlichen, die Kommunion zu empfangen, folge ich nicht! Für mich ist klar: Wer Gewalt hat zu binden und zu lösen, sagt, ob man Zugang zu den Sakramenten hat. Daran kann man sich aus Respekt vor dem Altarsakrament halten und beten: adoro te devote latens deitas... (Demütig bete ich dich, verborgene Gottheit an).

Dies schließt nicht den Wunsch aus, einen Vertrag – auch das ist die Ehe –, der im zunächst nicht erkennbaren Dissens geschlossen wurde, für ungültig zu erklären. Betrug, Verschweigen anderer Ziele ist keine Basis für das Ehesakrament, das auf Biegen und Brechen mechanistisch gelten soll. Zudem ist zu bedenken, dass – wie im Falle des Ehepaares Strieder – umfangreiche neue Verpflichtungen zu verantworten sind, die durch „Sprüche“ wie Josephsehe und ähnliche wirklich auf lächerliche Weise konterkariert werden.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Abonnements

Kirche

Synode
Synode
Synodalität als Stärkung der Kirche Premium Inhalt
Synodale Prozesse wecken derzeit sowohl Hoffnung als auch Sorgen. Doch was zeichnet den „gemeinsamen Weg“ aus? Zehn biblische Anregungen für synodale Gespräche.
20.09.2021, 19 Uhr
Martin Baranowski
Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer