Zur Kritik an Papst Benedikt XVI. nach der Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe und dem „Fall Williamson“: Beharrlichkeit im Guten: Wer der Kirche sonst noch schadet: Das erinnert fatal an Bismarck: Vor dem Konzil –

So schnell die Wogen der Entrüstung über die Aufhebung der Exkommunikation der Piusbruderschaft hochschlugen, so schnell werden sie sich glätten und am Ende wird Papst Benedikt XVI. umso deutlicher und klarer gesehen, wenigstens von jenen, die offen und ehrlich sind, als der große und großartige Theologe und Hirte, der er in Wahrheit ist. Erinnern wir uns doch, mit welch einfachen Worten er sich als Papst vorstellte: „Im Grunde ist mein Regierungsprogramm nichts anderes, als den Willen Gottes zu tun und Christus nachzufolgen.“ Noch ein anderes Zitat von ihm, das sich nun bewahrheiten kann, möchte ich hier anführen: „Die Beharrlichkeit im Guten, auch wenn sie missverstanden und angegriffen wird, endet stets mit Licht, Fruchtbarkeit und Frieden.“ Also halten wir uns an Christus und seine Wahrheit und nicht an jene, die von Ihm wenig oder gar nichts wissen wollen! Er wird uns frei, froh und stark machen, auch wenn dies meist mit Kreuz verbunden ist, wie Er es uns vorausgesagt hat.

Dass die Priesterbruderschaft St. Pius X. durch ihre Renitenz nicht nur gegen den Heiligen Stuhl, sondern auch gegen Vernunft und historische Gerechtigkeit der Kirche schweren Schaden zufügt, ist unbestreitbar und derzeit Vorwand dafür, gegen Papst Benedikt XVI. polemisch zu Felde zu ziehen. Dass solche papstfeindlichen Kampagnen selbst ebenso schädlich für Glauben und Kirche sind, wird geflissentlich übersehen. Der Heilige Vater muss sich nicht nur mit dem Unverstand der Piusbruderschaft herumschlagen, sondern ebenso mit einem innerkirchlichen Kampf gegen alles genuin Katholische in der katholischen Kirche. Was auf der einen Seite ein „Bischof“ Williamson ruiniert, zerstören auf der anderen Theologen, die in Priesterausbildung, Wissenschaft und Religionspädagogik den Glauben zersetzen und unter lügnerischer Berufung auf das Zweite Vaticanum die unversehrte Weitergabe des Glaubens sabotieren. Wie Williamson fügen Priester der Kirche Schaden zu, die durch liturgische Eigenmächtigkeiten Ehrfurcht und Anbetung zerstören und den eucharistisch präsenten Herrn schänden. Manche hochgespielte Empörung über die Aufhebung der Exkommunikation der Piusbruderschafts-Bischöfe ist nichts anderes als das Zünden von Nebelkerzen, um zu verdecken, was ebenso legitime Sorge des Papstes ist und auch die der Bischöfe vor Ort sein sollte, die bei solchen Vorkommnissen zu eben jener Entschiedenheit und Sorgfalt aufgerufen sind, die sie derzeit medial beim Vatikan anmahnen.

Vielleicht liegt es am Geburtsort der Bundeskanzlerin, Hamburg, dass ihr Verhältnis zum Vatikan an Bismarck erinnert, der etwa vierzig Kilometer von Hamburg, im holsteinischen Friedrichsruh, starb. So an den Haaren herbeigezogen die Verbindung vom Sterbeort des alten Kanzlers zum Geburtsort der jungen Bundeskanzlerin scheinen mag, das Verhalten des einen wie der anderen zum Papst zeigt eine fatale Ähnlichkeit, auch wenn man bedenken mag, dass 1875 nicht 2009 ist und ein Kulturkampf, wie ihn Bismarck initiierte, nicht in der Absicht der deutschen Bundeskanzlerin liegen wird.

Beide, Bismarck wie Merkel, haben nicht gemerkt oder nicht merken wollen, dass Papst und Vatikan nicht Befehlsempfänger eines deutschen Kanzlers sind, denen man mit der Attitüde des „landesherrlichen Kirchenregiments“ begegnet. Als deutscher Staatsbürger schäme ich mich, dass die deutsche Kanzlerin den Papst dazu auffordert, irgendetwas klarzustellen – etwa das Verhältnis der katholischen Kirche zu den Juden –, sich vor ihr zu rechtfertigen und von ihr zensieren zu lassen.

Die katholische Kirche und ihr Oberhaupt unterstehen nicht dem „landesherrlichen Kirchenregiment“ und der Papst ist nicht mit einem Befehle empfangenden und ausführenden Superintendenten zu verwechseln. Die Regeln der internationalen Diplomatie verbieten, mit dem Papst oder einem Staatsoberhaupt so umzugehen. Was Frau Merkel losgetreten hat, wird ihr noch bitter aufstoßen in den verschiedenen Wahlen in Deutschland im Jahre 2009, selbst wenn ihr zurzeit einige Katholiken zujubeln, weil sie es den ungeliebten „Ultramontanisten“, der rückständigen Kirche einmal richtig gesagt hat. Die große Zahl der treuen katholischen Stammwähler der CDU sollte darauf dringen, dass sich endlich in der CDU ein „Katholischer Arbeitskreis“ bildet, der der Kanzlerin notfalls in den Arm fällt und ihr klarmacht, wie man mit Papst, katholischer Kirche und katholischen Staatsbürgern und Wählern umzugehen hat.

Die zahlreichen Wortmeldungen zu der gegenwärtigen causa Nummer 1 offenbaren viel sowohl von ihren Autoren selbst als auch von einer theologischen, kirchenrechtlichen sowie allgemeinmenschlichen Verwirrung. Vor allem wird unterschlagen, dass die 1988 eingetretene Strafe der Exkommunikation eine Folge der von Erzbischof Lefebvre vorgenommenen Bischofsweihen – und nicht dessen Kritik an manchen Stellen der Konzilsdokumente, die er übrigens alle unterschrieben hatte – war. Es sollte mittlerweile bekannt sein, dass Papst Johannes Paul II. gleich nach dem Tod des Erzbischofs (1991) durch seinen Gesandten, Kardinal Thiandoum, die Exkommunikation für den Verstorbenen aufgehoben hat. Nun tun die Gegner der jüngsten Entscheidung Benedikts XVI. so, als ob bestimmte Stellen in den Konzilsdokumenten, die nach Meinung von Erzbischof Lefebvre der früheren Lehre der Kirche widersprechen, die einzigen Dogmen des katholischen Glaubens wären. Natürlich kann man antisemitische Äußerungen nicht akzeptieren, genauso wenig kann man ein Konzil für ungültig erklären. Im Grunde jedoch geschieht die ganze Hysterie aus einem ganz anderen Motiv, nämlich deswegen, weil die Piusbruderschaft sich zu dem bekennt und an dem festhalten möchte, was die Kirche bis zum Konzil gelehrt und vertreten hat. Das ist der eigentliche Kern der Sache und nur darin ist die Lösung zu suchen, was wohl das Anliegen des Heiligen Vaters ist.

Es geht letztlich um die Frage, ob die sogenannte vorkonziliare Doktrin und Praxis der Kirche heute noch gelten und ihren Platz in der Kirche haben oder von ihren „nachkonziliaren“ Antithesen abgelöst, abgeschafft oder gar verboten sind. Das Erstere entspricht wohl dem Anliegen des Papstes, das Letztere ist die Denkart derjenigen, die durch den Aufschrei der letzten Tage zum Teil sehr heftig ihren Unmut gegen die päpstliche Entscheidung äußern.

Herrn Manfred Lütz sei Dank für den ausgezeichneten Kommentar vom 7. Februar zu den Vorgängen um die Pius-Bruderschaft. Man hat den Behörden in Rom wohl zu Recht den Vorwurf gemacht, dass sie in der entstandenen Situation lange Zeit nicht angemessen reagiert haben. Dies wird sicherlich noch ein Nachspiel haben. Kaum registriert wurde in der Öffentlichkeit jedoch die erbärmliche Rolle, die in diesem Zusammenhang einige unserer theologischen Fakultäten gespielt haben.

Wenn Zeitungs- und Fernsehjournalisten nicht in der Lage sind, zwischen „Aufhebung der Exkommunikation“ und „Rehabilitierung“ zu unterscheiden, wird man nicht verwundert sein. Da ist nichts anderes mehr zu erwarten, obwohl es durchaus auch positive Ausnahmen gegeben hat. Wenn aber theologische Fakultäten von Graz bis Münster mit ihren hoch dotierten Kirchenrechtslehrstühlen nicht in der Lage sind, entsprechend zu differenzieren, sondern sich munter an den Spekulations-, Desinformations- und Diffamierungskampagnen beteiligen, so ist das nicht nur skandalös, sondern auch höchst peinlich. Dabei haben sie selbst die Schnitzer offenbar nicht einmal bemerkt, sondern präsentieren ihre Stellungnahmen immer noch heldenhaft auf ihren Internetseiten! Eigentlich sollte auch das ein Nachspiel haben. Aber ich bezweifle, dass die Verantwortlichen dazu den Mut aufbringen werden. Tröstlich, dass nicht alle mitgespielt haben und dass inzwischen auch von bischöflicher Seite (von den Erzbischöfen Simon und Zollitsch sowie vom Baseler Bischof Koch) Stellungnahmen erfolgt sind, die an Kompetenz und Klarheit nichts zu wünschen übrig lassen.

„Der Jünger muss sich damit begnügen, dass es ihm geht wie seinem Meister und der Sklave, dass es ihm geht wie seinem Herrn.“ Papst Benedikt weiß zweifellos auswendig, dass diese Stelle bei Mt 10,25 steht. Und er ist sicher auch klug genug, um zu wissen, dass die Medien und gewisse inner- und außerkirchliche Kreise auf Fehler aus dem Vatikan hoffen, wie andere auf die richtigen Zahlen beim Jackpot. Pharisäer und Sadduzäer haben den Herrn belauert, ihm Fallen und Fangfragen gestellt, ihm dauernd irgendwelche Gesetzesbrüche vorgeworfen und großes Geschrei veranstaltet. Selbstverständlich wird sich der Papst nicht so politisch unkorrekt verhalten, wie Jesus selbst, denn dann würden vor allem die empfindlichen Deutschen in ihren katholischen Mauselöchern zusammenbrechen.

Man ist ja nicht einmal mehr beim Metzger sicher, als Kirchgänger nicht auf die Krise im Vatikan angesprochen zu werden. Die zum Elefanten aufgeblasene Medienmücke wird bald den Weg aller Nachrichten gehen. Wer sich etwas Gutes tun will, sollte zur Beruhigung das ganze Kapitel Mt 10, 16–39 lesen – unter der Überschrift „Aufforderung zum furchtlosen Bekenntnis“.

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