Zur Kolumne „Tagesposting“: Durch Höhen und Tiefen: Gemeinsamer Weg zu Gott

Monika Metternich reduziert in ihrem Kommentar „Durch Höhen und Tiefen“ (Die Tagespost, 23. Juni 2016) das Problem der Wiederheirat auf eine Art fingierte Oberflächlichkeit. Sie glaubt, es erfasst zu haben, indem sie auf eine verflachte und infantile Sichtweise verweist („überall attraktives Neues“), die sie heutigen Ehepaaren der betreffenden Situation unterstellt. Das mag es geben. Aber es gibt auch das Gegenteil einer solchen Mentalität, den ernsthaften und seriösen Wunsch nach einer richtigen Ehe (und dies gerade im Sinne des kirchlichen Verständnisses, unabhängig von der Frage, ob in einem konkreten Fall kirchenrechtlich eine zweite Eheschließung erlaubt wäre). Dies sind die Fallgruppen, die sicher auch Papst Franziskus mit im Auge hat, wie er ja mit dem Beispiel der Ehe „nur weil ein Kind unterwegs ist“ beispielhaft angesprochen hat.

Wichtig wäre es, endlich einmal zu begreifen, dass die „Schönheit des Sakraments“ sich nicht unbedingt in jeder konkreten Ehe wiederfindet, ohne dass dies die Schuld der Betroffenen wäre, und ihnen dies nicht zum Vorwurf gemacht werden kann, wie die Autorin jedoch einfach unterstellt (indem sie die Problematik auf eine einzige Fallsituation, diejenige einer „zeitgeistigen“ Mentalität, reduziert). Kein Mangel an Erkenntnis im Hinblick auf die Schönheit des Ehesakraments liegt solchen Fällen zugrunde, wie Metternich glaubt.

Auch der Hinweis auf den angeblichen Skandal nicht hinreichender Ehevorbereitung seitens der Kirche greift zu kurz. Auch eine noch so gute Vorbereitung oder auch die volle Überzeugung und das Bewusstsein dessen, was Ehe bedeutet, kann nicht ausnahmslos davor bewahren, dass die Eheschließung auch ein falscher Schritt sein kann, weil man vielleicht nicht wirklich eine gemeinsame Grundlage hat und nicht zueinander passt. Es gibt, um es etwas vereinfacht zu sagen, mit dem „falschen Ehepartner“ auch keinen gemeinsamen Weg zu Gott. Etwas vernünftige Zurückhaltung, was das eigene Urteil über andere betrifft, wäre daher sicher angebracht, denn sonst besteht genau die Gefahr, „pharisäerhaft“ zu werden, die der Papst in „Amoris laetitia“ anspricht. Nichts anderes beabsichtigen seine umstrittenen Äußerungen, die – zu Unrecht – für so viel Unruhe und Aufregung gesorgt haben.

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