Zur dritten Runde des Dialogprozesses der katholischen Kirche in Deutschland : Politisierung des Gesprächsprozesses : Protestantisierung der katholischen Kirche: Auf falsche Hoffnungen folgt Enttäuschung: Das genaue Gegenteil der Brechstange : Die gemeins

Zum Artikel „Glück: Das Spiel ist noch nicht gewonnen“ von Peter Winnemöller („Die Tagespost“ vom 16. September): Als Teilnehmer der dritten Runde des Gesprächsprozesses zum Thema „Dem Heiligen begegnen – heute Gott verehren“ kann ich den Eindruck, den Peter Winnemöller in seinem Bericht vermittelt, nur bestätigten. Am Freitagnachmittag begann das Gesprächsforum in der Stuttgarter Liederhalle mit sehr konstruktiven Gesprächen über Gebet, Liturgie, Gottesdienst und Kirchenjahr. Doch schon beim gemeinsamen Abendessen im Hotel Maritim nutzten einige Teilnehmer die von der Dialogregie eröffnete Möglichkeit, andere Themen zu platzieren.

Den Anfang machte Alois Glück. Zwischen Hauptgang und Dessert mahnte der Präsident des ZdK eine volle Teilhabe von wiederverheirateten Geschiedenen am kirchlichen Leben an und forderte überzeugende Lösungen. In seiner Antwort bat Erzbischof Robert Zollitsch um Geduld und einen langen Atem. Zugleich verwahrte er sich gegen das defätistische Wort von der „Kultur der Folgenlosigkeit“. Es folgten Statements zu einzelnen diözesanen Gesprächsprozessen, unter anderem zur geplanten Trierer Diözesansynode. Von Liturgie war da schon lange nicht mehr die Rede. Ein Vertreter des Katholisch-Theologischen Fakultätentages forderte schließlich die Öffnung der kirchlichen Sexualmoral für neue Beziehungsformen. Was damit gemeint war, kann man im Votum „Sexualmoral und neue Beziehungsformen. Eine Stellungnahme“ des Katholisch-Theologischen Fakultätentages nachlesen: Allein die personale Qualität einer Beziehung, heißt es darin, entscheide über die moralische Qualität ihrer Sexualität.

Es folgte eine „Vigil mit Tauferneuerung“ (es handelte sich um eine Feier des Taufgedächtnisses). Stärker hätte der Kontrast zum kirchenpolitischen Intermezzo beim Abendessen nicht sein können. Da der Versuch scheiterte, daran am nächsten Morgen wieder anzuknüpfen, konnte man sich schließlich wieder dem eigentlichen Thema des Gesprächsforums zuwenden. Es ging vor allem um die Qualität und Vielfalt unserer Gottesdienste, die Sprache der Liturgie und die Verbesserung der liturgischen Bildung. Was es heißt, in Gebet, Liturgie und Gottesdienst dem Heiligen zu begegnen, wurde dabei nicht so recht klar. Oft hörte man in Stuttgart, die Liturgie müsse (noch) dialogischer und lebendiger werden. Vereinzelt gab es auch Stimmen, die meinten, man könne es vielleicht mit einer anspruchsvolleren ästhetischen Gestaltung, mehr Konzentration im Gebet und liturgischem Schweigen versuchen. Kritisiert wurde von manchen die zu starke Formgebundenheit der Liturgie.

Das Liturgieforum endete mit einem Schlusswort des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und einer Sendungsfeier. Der Gesprächsprozess soll im September 2014 mit einem Forum zur Verkündigung fortgesetzt werden – ein wichtiges Thema in Zeiten der Glaubenskrise. Alois Glück meinte, Reformen in der Kirche und eine Vertiefung des christlichen Glaubens würden sich nicht ausschließen. Es wäre aber dem Gesprächsprozess nicht gedient, wollte man seinen Erfolg am Ende daran messen, ob bestimmte Ziele erreicht wurden. Eine Erneuerung der Kirche gab es in der Geschichte nie ohne geistliche Aufbrüche. An der Politisierung des Gesprächsprozesses könnte dieser am Ende scheitern.

Dem Bericht der „Tagespost“ vom 17. September über das dritte Treffen des von Erzbischof Zollitsch initiierten Dialogprozesses ist zu entnehmen, dass sich Herr Glück wieder einmal mit den bekannten Reformforderungen in Szene setzte. Am Ende soll Herr Glück erklärt haben: „Es sieht gut aus zur Halbzeit, doch das Spiel ist noch nicht gewonnen.“ Was hinter der Wortwahl „Spiel“ zu verstehen ist, lässt sich erahnen: Die Protestantisierung der katholischen Kirche.

Wenn Herr Glück mit seinem Ausspruch eine Anleihe aus dem Sportbereich vornimmt, so sollte er bedenken, dass in den sportlichen Verbänden nach den Regeln dieser Verbände gespielt wird. Übertretungen dieser Regeln werden von den Schiedsrichtern an Ort und Stelle oder bei schwerwiegenden Verstößen einzelner Spieler von dem übergeordneten Sportbund geahndet. In der katholischen Kirche haben die Bischöfe eine den Schiedsrichtern vergleichbare Funktion. Bei schweren Verstößen gegen die Ordnung der Kirche entscheidet der Papst in Rom. Leider versagen in vielen deutschen Diözesen bei Verstößen in ihrer Diözese die Bischöfe in ihrer Schiedsrichterfunktion und Rom ist weit. Das weiß nun auch Herr Glück und versucht, diese offene Flanke für die Ziele seines ZdK zu nutzen.

Aber noch ist die katholische Kirche als mystischer Leib Christi die eine heilige (Welt)Kirche und nicht das Privateigentum eines selbst ernannten örtlichen kirchlichen Verbandes.

Zum Artikel: „Glück: Das Spiel ist noch nicht gewonnen“ (DT vom 17. September): Der Dialogprozess scheint mir ein großes Problem zu haben: Er nährt zusehends falsche Hoffnungen auf Veränderung in Bereichen, in denen diese nicht möglich ist, schon allein, um der Wahrheit und der katholischen Lehre genüge zu tun.

So lässt die Wortmeldung eines Theologen aufhorchen, der fordert, die Kirche solle ihre Sexuallehre neuen Partnerschaftsformen anpassen. Die Frage ist letztendlich, ob man nicht von vornherein besser hätte klarstellen sollen, dass der Dialogprozess (zum Glück) aus einem Fußballverein keinen Volleyballverein macht, zumal es ja genug Volleyballvereine gibt. Zum Schluss stehen dann manche Beteiligte an wie ein Kind, dass sich der Süßigkeiten sicher gewähnt hatte, ihm diese dann aber vorenthalten wurden. Und wer Kinder in einer solchen Situation kennt, kann sich die Reaktionen ausmalen.

Dank an Guido Horst für den Kommentar auf der Titelseite der „Tagespost“ vom 19. September „Franziskus, der Priester-Papst“. Das trifft genau den Kern des Problems! Reform heißt für Franziskus, wieder katholisch werden. Schöner kann man das gar nicht ausdrücken. Das ist in der Tat genau das Gegenteil von den Reformbestrebungen, die in Deutschland notfalls mit der Brechstange durchgeführt werden sollen.

Dialog ist wichtig. Das wird wohl niemand ernsthaft bestreiten in der Kirche. Die Frage ist nur, was ist die Basis des gemeinsamen Gesprächs und was sind die Ziele. Die Basis müsste für katholische Christen das gemeinsame Bekenntnis des Glaubens sein. Das Ziel: eine Vertiefung des Glaubens und eine Erneuerung des missionarischen Schwungs. So verstehe ich auch unseren Papst Franziskus. Wenn ich mir den Dialogprozess in Deutschland vergegenwärtige, bin ich mir aber nicht sicher, ob wir noch eine gemeinsame Basis haben. Auch habe ich große Zweifel, ob wir uns im Ziel einig sind. Leider scheint das nicht der Fall.

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