Zur Diskussion um die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Eucharistie : Was für die Natur zutrifft, gilt auch für die Seele

Ich bedanke herzlich, dass Sie meinen Leserbrief am 4. November veröffentlicht haben. Am folgenden Tage habe ich überraschendeweise zwei nette Anrufe von hochgebildeten Personen bekommen, die sich für meinen Beitrag bedankt haben. Das hat mich tief berührt, und auch in Verlegenheit gebracht. Ich erwartete (eher) Kommentare von „aufgeklärten“ Menschen, die mich fürs masochistisch, fremd-bestimmt, reaktionär bis hin zu unbarmherzig halten. Vielleicht wird das noch kommen. Aber Tatsache ist, es gibt Fragen, Situationen und Probleme im Leben, für die wir zeitlebens keine zufriedenstellende Antwort, Erklärung oder Lösung bekommen können; besonders für Ereignisse, die auf der Zeitachse nicht rückgängig gemacht werden können.

Das Leben wird dann zum Leidensweg – seien es Sehnsüchte, sei es Reue und Bedauern, Zorn oder Trauer. Aber für das tägliche Kreuz haben wir auch das tägliches Brot, das uns ermöglicht, das Kreuz zu tragen. Und vielleicht ist unser Fegefeuer dadurch auch teilweise absolviert.

Es ist natürlich: Wenn wir Leiden sehen, möchten wir das auch lindern. Dennoch wird eine von Menschenhand gestrickte Lösung oder ein Handeln, das nicht im Einklang mit Gottes Ordnung steht, früher oder später schiefgehen. In der Natur haben wir genügend Beispiele dafür gesehen. Und in der seelischen Landschaft wird es auch nicht anders gehen. Meine Auffassung könnte für Leidende ein Anstoß sein. Es genügt zu sagen, dass auch ich nicht immer in Freude schwelge. Dann aber kommen die Worte des Psalmen 90 ins Bewusstsein: Denn tausend Jahres sind für dich wie der Tag, den gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.../ Denn all unsere Tage gehen hin unter deinem Zorn, wir beenden unsere Jahre wie einen Seufzer./ Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, sind es achtzig./ Das Beste daran ist nur Mühsal und Beschwer, rasch geht es vorbei, wir fliegen dahin..../ Unsere Tage zu zählen, lehre uns!/ Dann gewinnen wir ein weises Herz.

Und an Gottes Barmherzigkeit nie verzweifeln.

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