Zur Diskussion um die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Keine Vorwürfe an die Politik: Was ist Deutschland „lieb und teuer“?

Der Artikel von Martina Fietz „Angela Merkel unter Druck“ (DT vom 8. September) hat sehr ausgewogen die aktuelle Problematik auf den Punkt gebracht. Wenn die Bundesregierung anlässlich einer humanen Katastrophe spontan – im wahrsten Sinne des Wortes – franziskanisch handelt und sich der Notleidenden annimmt, so mag das zu gesellschaftlichen Verwerfungen führen, aber die Säulen unserer Gesellschaft (Arbeitgeberverband, DIHKT, Industrie- und Immobilienwirtschaft) haben alle von Anfang an Unterstützung und Hilfe bei der Bewältigung der entstehenden Probleme zugesagt.

Aufgabe der Politik ist es nun, sowohl die neue Situation zu ordnen als auch für die Zukunft zu lernen, um besser vorbereitet zu sein. Statt der Politik Vorwürfe zu machen, sollte man jetzt lieber die Solidarität derer einfordern, die sich von Anfang an besonders für die Aufnahme eingesetzt haben, um gleichzeitig ordnend und mit klaren Regeln human auch in Zukunft solche Situationen bewältigen zu können.

Ich bin kein AfD-Mann und wähle diese Partei auch nicht. Ich kann mir aber psychologisch leicht erklären, dass sie auch von denen gewählt wird, die sie prinzipiell gar nicht an der Macht haben wollen. Denn es gibt (nicht nur) in unserem Deutschland begründete Ängste, dass die uns überkommenen abendländischen christlich-jüdischen Grundsätze unter dem Druck der Globalisierung von der Politik solange verwässert ausgelegt werden, bis man sie als solche nicht mehr (recht) erkennen kann.

Wenn Merkel sagt, „Deutschland wird Deutschland bleiben – mit allem, was uns lieb und teuer ist“, dann sagt diese Aussage gerade nichts Eindeutiges (DT vom 8. September). Denn den verschiedenen Bundesbürgern und gesellschaftlichen und religiösen Gruppen in unserem Land ist jeweils Verschiedenes „lieb und teuer“. Um der Klarheit willen möchten sich nicht wenige in Deutschland wünschen, dass sie näher präzisiert, was ihr und der CDU an Deutschland „lieb und teuer“ ist. Über die klaren Vorstellungen, was der CSU „lieb und teuer“ ist, kann man ebenfalls streiten.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Abonnements

Kirche