Zur Diskussion um die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Mir stehen die Haare zu Berge“: Ein Witz, wenn es nicht so traurig wäre

Ich bin ein Augenzeuge. Ein politischer Flüchtling, der vor 34 Jahren gezwungen war, in der westlichen Welt eine neue Heimat zu suchen und diese in Deutschland fand. Als kaum 20-jähriger junger Mann dachte ich nicht mal daran, mein Vaterland jemals zu verlassen, im Gegenteil: Ich liebte es, weil ich dachte, es gehört sich so. In Deutschland gab es dieser Zeit direkt hinter der östlichen Landesgrenze einen ganz „normalen“ Kriegszustand, mit Panzern auf den Straßen, Soldaten, Milizionären, bewaffneten Zivilkräften und so weiter. Heute ist sowas für die meisten Leser in der westlichen Welt kaum vorstellbar, Panzer auf den Straßen sahen sie höchstens mal in der Schweiz, beim Urlauben.

Das Los spielte mit meinen Wünschen nicht wirklich mit und ich wurde von den damaligen Regimetreibern der Volksrepublik Polen zum „Flüchten“ gezwungen, per sog. Kriegsrecht und dem Akt der Verbannung. Es war September 1982, ich „landete“ von heute auf morgen in Westberlin, bekam ein kleines Taschengeld, Equipment zum Schlafen und einen Haufen Papier, das ich nicht verstand. Tag für Tag begann sich alles jedoch irgendwie zu entwickeln, jeder Tag brachte neue Chancen mit, um in einer, im Vergleich zu „meiner“ polnischen Realität, zivilisierteren Welt mein Leben für mich und meine Familie zu gestalten.

Vor meinen Augen sah ich ein anderes Volk als jenes, von dem mir in meiner Heimat seit Kindesbeinen berichtet wurde: Höflich, kultiviert, nett, oft und allen gegenüber hilfsbereit, sich vor allem der Schuld des Zweiten Weltkrieges übermäßig bewusst, was man bis heute in den gängigsten Talk Shows zu spüren bekommt. Irgendwann tat mir diese Nation sogar leid, denn keiner kam auf die Idee „Es reicht!“ zu sagen. Krieg war Krieg, jetzt ist das Heute dran. Verzeihen ist auch vergeben, also sollten sich alle daran üben, die Geschichte ist da gnadenlos und findet für jeden das seine. Wir haben ein weltweit aufgetretenes Problem und es ist Zeit, dieses menschlich anzupacken. Selbstverständlich gibt es auch hier Radikalisierende und Radikale, diese gibt es aber in jedem Land und für die schämt man sich überall genauso, wenn man ein Mensch zu sein pflegt. Ein Deutscher – ein Mensch? Wer hätte das gedacht?

Nun plötzlich steht Kanzlerin Angela Merkel unter einem dermaßen untergürteligen Beschuss, dass mir die Haare zu Berge stehen. Ich sah, wie sie ihre Arme breit öffnete und wie ein jeder kultivierte Mensch die Flüchtlinge „auf christliche Art und Weise“ zu sich ins Haus aufnahm, um ihnen im „vereinten“ Europa Zuflucht zu gewähren. Trotz Gefahren, die jede Migrationswelle mit sich bringt, trotz Pegida, AfD und Kriegspropaganda des Kremlregimes, dem ein instabiles Europa eine riesige Freude bereitet. Wenn es nicht gespielt ist, ist es meiner Meinung nach ein herausragendes Tun und persönlich schäme ich mich für die heutigen Politiker Polens, die Angst und Fremdenhass schüren – als ob sie nicht wüssten, was sie tun – und eine breite Gegenfront gegen Deutschlands Menschlichkeit ansteuern, dass es einem einfach nur noch weh tut.

Durch die „Welcome“-Politik von Angela Merkel, die diese im Alleingang, ohne mit der EU abgestimmt zu haben, bestimmt hat, wurde der Zerfall der EU herbeigeführt.

In Deutschland lehnen 90 Prozent der CDU/CSU-Wähler Merkels Flüchtlingspolitik ab. Bei der Gesamtbevölkerung sind es zurzeit 65 Prozent. Das „Wir schaffen das“ von „Mama Merkel“ wird fast ausnahmslos in allen anderen EU-Mitgliedsstaaten zurückgewiesen. Selbst das humanitäre Vorzeige-Integrationsland Schweden hat jüngst die Notbremse gezogen und will jetzt sogar Zehntausende von Flüchtlingen wieder ausweisen, ebenso Dänemark und Finnland. Nicht nur die Skandinavier blockieren Merkels Flüchtlingspolitik. Schon von Anfang an stemmen sich die Osteuropäer dagegen. Allen voran die Ungarn und die Polen. Frankreich will ebenfalls seine Ruhe, Großbritannien ohnehin. Ganz zu schweigen von den südeuropäischen (Krisen-) Ländern, die mehr wirtschaftliche Probleme mit sich selbst haben, als noch Millionen Migranten aufzunehmen.

Ebenfalls ist die EU-Flüchtlingsverteilungsquote gescheitert. So sollten im Januar 160 000 Flüchtlinge aus den Hotspots, den zentralen Aufnahmelagern in Griechenland und Italien auf andere EU-Länder verteilt werden. Und zwar nach einer festen Quotenregelung. Alle EU-Mitgliedsländer sowie Großbritannien lehnen eine solche feste Quote strikt ab. Von den 160 000 Flüchtlingen im Januar wurden gerade mal 272 verteilt! Dies ist doch ein Witz, wenn es nicht so traurig wäre.

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