Zur Diskussion um den Zölibat und die Rolle der Frau in der katholischen Kirche: Zölibat schützt Frauen und Kinder: Die Einheit wackelt

Die römisch-katholische Kirche hat gute Gründe, am Zölibat festzuhalten (DT vom 1. September). Die Kirche ist immer auch eine verfolgte Kirche gewesen, eine Kirche der Blutzeugen. Was ist mit katholischen Priestern in Polen während der Nazi-Zeit passiert, in Deutschland unter Hitler? Was passiert heute im Sudan, im Irak und in Kolumbien? Zahlreiche Priester werden gefoltert und getötet. Soll die Kirche jetzt auch noch zulassen, dass Frauen und Kinder von Priestern verschleppt und getötet werden?

Die Einheit der Kirche muss das oberste Ziel von Papst Franziskus, aber auch des Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Müller, sein. Die Einheit der Kirche zu opfern durch die Zulassung von Frauen zum Weiheamt, rüttelt an den Grundfesten unserer Kirche. Die Krise der Kirche reiche tiefer, als dass sie mit einer Veränderung des Zugangs zum Priesteramt behoben werden könnte. Der Mangel an Berufungen zum Priesteramt und und zu geistlichen Berufen ist ebenso ein Symptom dieser Krise, wie der Rückgang der Gottesdienstbesucher, so der Kölner Kardinal Woelki im Kölner Domradio letzte Woche. In diesem Zusammenhang weise ich darauf hin, dass die Anglikanische Kirche durch die Zulassung von Frauen zum Priesteramt und später zum Bischofsamt in große Schwierigkeiten, ja in Teilen sogar zur Spaltung gekommen ist. Katholische Frauen sollten sich bewusst sein, dass nicht die „Gleichberechtigung“ von Mann und Frau im Vordergrund steht, sondern Christus und die von ihm gegründete Kirche. Die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern in der katholische Kirche könnte zu einer weiteren tiefen Spaltung zwischen der Orthodoxen und der Römisch-Katholische Kirche führen.

Die Äußerung „Papst kann sich Frauen in Kirchenämtern vorstellen“ führt zu Kommentaren wie „Franziskus zeigt erneut, dass er für Überraschungen gut ist“ und zu: „Selbst ein Vatikanssprecher nennt den Vorstoß spontan“. Am 14. Mai 2015 schreibt die „Welt“: Rudert der Papst nach Äußerung zurück? Und die SZ vom 14. Mai 2015: Papst Franziskus lehnt Weiheämter für Frauen ab. Nun, am 30. Juni 2016, schreibt die SZ: Laien rütteln am Eheverbot für Priester – Katholische Laien wollen Zölibat abschaffen. Kath. Bistümer Trier und Speyer unterstützen Reformforderung.

Für viele Katholiken stellt sich die Frage: Wer hat eigentlich in Rom etwas zu sagen? Der Papst, der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Müller oder Kardinäle aus Süd-Amerika?

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16.09.2021, 13 Uhr
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