Zur Diskussion um den Zölibat katholischer Priester: Die Zustände selbst mitverursacht

Zum Leserbrief „Der Lebensweise Jesu entsprechen“ (DT vom 24. Juli): Was die kleine Priestergruppe von zehn ergrauten Köpfen unter dem anheimelnden Namen „Freundeskreis Münchner Pfarrer“ vor dreißig Jahren gegen ihren Bischof Joseph Ratzinger anhaltend zusammengeschweißt hat, war dessen Absage, die Erstkommunion der Erstbeichte vorzuziehen.

Die geistlichen Herren waren seinerzeit so stark beleidigt, dass ihre Freundschaft „gegen Ratzinger“ bis heute Bestand hat. Nun sind sie gegenüber dem neuen Erzbischof Marx mit der Idee in Erscheinung getreten, im Zusammenhang mit der anstehenden Neuorganisation der Pfarreien über die Aufhebung der Verbindung von Priesteramt und Zölibat nachzudenken. Laut „Süddeutscher Zeitung“ hat der Erzbischof ihnen empfohlen, ihre reichen Priestererfahrungen in entsprechenden Arbeitskreisen einzubringen. In seinem Antwortschreiben sei der Begriff Zölibat nicht vorgekommen. Und das ist gut so, denn die Herren wollen mit ihrer verschleierten Forderung Zustände heilen, als deren Mitverursacher sie selbst dastehen. Denn während ihrer Pfarrerszeit zwischen 1965 und 2005 ist der regelmäßige Besuch der sonntäglichen Eucharistiefeier bei den Katholiken Deutschlands laut DT vom 26. März von mehr als 50 Prozent (1950) auf 14 Prozent (2006) zurückgegangen. Besonders nach 1965 habe sich der Rückgang rapide beschleunigt.

Neben dem allgemeinen Zeitgeist und einem missverstandenen Zweiten Vatikanischen Konzil muss dieser Abwärtstrend vor allem der historisch-kritischen Theologie angelastet werden, die ab 1960 mit ihren „Erkenntnissen“ auch die katholische Priesterausbildung und damit über die damaligen Jungpriester die Ortspfarreien erreicht hat. Von da an war der Weg zu den Sonntagszahlen von 2006 vorgezeichnet, vorbereitet und hingenommen durch fehlgesteuerte Priester selbst, die sich am Altar vielfach nur noch als historisierende Moderatoren verstehen. Wenn heute Priestermangel herrscht und Pfarreien zusammengelegt werden müssen, sind das auch die Früchte ihrer Arbeit.

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