Zur Diskussion um den Papst als „Stellvertreter Christi“: Mit wohlwollender Gelassenheit

Zu „Den ,Stellvertreter' streichen?“ (DT vom 5. Juni) von Claudia Kock über die Katholikentags-Podiumsdiskussion in Regensburg: Der jeweils amtierende Papst ist selbstverständlich „Stellvertreter Christi“ auf Erden. Wer denn sonst? Alle geht nicht, und keiner geht auch nicht. Zeitgenossen mit Hierarchieproblemen sei gesagt, dass ein weiser Papst seine exponierte Stellung nicht ausleben wollen wird, sondern dass er sich bescheiden als primus inter pares wahrnimmt und so gesehen werden möchte. Was ihn jedoch nicht davon entbindet, bei ausufernden Streitigkeiten das von allen erwartete letzte Wort reden zu müssen. Das hat die letzten 2 000 Jahre einigermaßen funktioniert. Anderenfalls hätte sich unser „Verein“ längst aufgelöst. Dass jede Generation ihre Duftmarken setzen will, ist verständlich, muss aber in einer epochal denkenden Institution nicht sein.

Statt überflüssiger Akademisierungsversuche ist wohlwollende Gelassenheit daher das vernünftigere Mittel. Sonst müssten wir uns folgenden überflüssigen Fragen zuwenden: Sind Benedikt XVI. und Franziskus beide Stellvertreter Christi? Oder ist es nur Benedikt XVI. als vorrangiger Papst, der sich ja lebzeitig „nur zurückgezogen hat“, obwohl er ja das Joch des Amtes „bis dass der Tod uns scheidet“ auf sich genommen hatte? Oder ist der amtierende Franziskus der ausschließlich legitime Stellvertreter?

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