Zur Diskussion um den Deutschen Ethikrat: Wowereit wäre der richtige Mann

Wir Mediziner haben in unserer Gesellschaft einen Riesenvorteil: Wir brauchen uns mit ethischen Fragen nicht mehr zu beschäftigen. In unserem Fachbereich wurde die Ethik mittels Sozialgesetzgebung durch Horst Seehofer und Ulla Schmidt gänzlich abgeschafft. Patienten müssen behandelt werden nach folgenden Vorgaben: wirtschaftlich, angemessen, zweckmäßig. Von Ethik keine Spur. Meine Berufsgruppe ist natürlich auch selber schuld. Wer den Eid des Hippokrates selbst abschafft, darf sich nicht wundern, wenn er nicht mehr für voll genommen wird.

Umso erstaunlicher ist es auf den ersten Blick, dass eine Medizinerin in den Vorstand des Deutschen Ethikrates berufen worden ist. Beim näheren Hinsehen ist diese Entscheidung jedoch folgerichtig. Der Vorsitzende dieses ExBK Schröder Gremiums ist schließlich ein Jurist. Juristen sind von Natur aus bestens für solche Posten geeignet: Sie haben in den letzten 2000 Jahren tatkräftig bewiesen, dass sich ihre „Wissenschaft“ beliebig im jeweiligen Sinne der Machthaber oder heute der political correctness als „frei beweiswürdig“ erweist. Glücklicherweise nicht, antwortet unsere Medizinerin und Kollegin auf die Frage eines Reporters, ob es in der Ethik einfache Antworten gibt. Diese Antwort war zu erwarten, denn sonst würde der Deutsche Ethikrat ja bald überflüssig sein.

Ab wann ist denn ein Zellhaufen ein Mensch? Erzbischof Reinhard Marx von München und Freising hat letztes Wochenende hier in Köln die Christen dazu aufgerufen, Stellung zu beziehen. Und deswegen beantworte ich diese Frage ganz einfach: mit der Verschmelzung von Eizelle und Samen liegt ein vollwertiger Mensch vor. Ein Ebenbild Gottes. Es war für die Menschen des Früh- und Hochmittelalters wie eine Erlösung, dass die Kirche sagte: Du Bettler, Du Kranker, Du Krüppel bist ein Ebenbild Gottes und deswegen versuchen wir, uns um Dich zu kümmern. Keine medizinischen oder juristischen Wenns und Abers, Ausgrenzungen oder Einschränkungen. Und deswegen war es auch folgerichtig, dass Rom die deutsche Amtskirche von der Verstrickung in die political correctness der Tötungslizenzen befreite.

Man sollte die Hoffnung nicht aufgeben, dass durch den klaren Blick eines 81-jährigen Mannes aus Rom die erneute politisch korrekte Einbindung der deutschen Amtskirche im biopolitischen Weichmachergremium per Federstrich beendet wird. Apropos Spaß im Gremium: Der beste Mann m.E. für den Deutschen Ethikrat ist Klaus Wowereit. Er hat sich in Berlin durch seinen unermüdlichen Einsatz für das Schulfach Ethik hervorragend für dieses Gremium qualifiziert.

Nach einem Jahr kann er dann gelassen vor die Presse treten und verkünden: „Der Deutsche Ethikrat ist sexy und macht viel Spaß“. Und das ist gut so. Weihbischof Laun aus Salzburg erklärte kürzlich, die beste „Ethikkommission“ habe am Sinai getagt und nur aus „Gott und Mose“ bestanden. Whoow, echt krass, wie mein Sohn zu sagen pflegt! Na denn: Prost Wowi!

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