Zur Diskussion über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche: Die neuen Medien nutzen: Nicht gegen die Ministerin fauchen: Erschreckende Verallgemeinerung: Klarheit wäre tatsächlich nötig: Der mediale Schlaghagel wirkt

Als Abonnent der Online-Ausgabe lese ich regelmäßig „Die Tagespost“. Danken möchte ich an dieser Stelle Herrn Olaf Lezinsky, der mir mit seinem Leserbrief „Differenzierter Eindruck“ (DT vom 27. März) aus dem Herzen sprach: Nicht nur klagen. Gott hat uns Hände zum Schreiben gegeben: Schreiben wir an „Spiegel und Co.“, man kann Briefe kopieren und versenden, man kann in Foren, Bloggs und Onlinezeitungen Statements kopieren. Auch Links zur Vatikan-Homepage oder zum Beispiel zum Hirtenbrief an die Iren. Viele Leser der Massenmedien kennen ja nichts anderes als die gefärbte und gekürzte Wahrheit. Der eine oder andere wird neugierig auf neue Wissensquellen. Reden wir auch in der Gemeinde und am Arbeitsplatz davon. Alte Ausgaben der Tagespost kann man auslegen als „Muster“. Lassen wir nicht nur die Feinde die neuen Medien nutzen!

Zur Glosse „Wirklichkeitsverweigerung“ (DT vom 20. März): Sie sollten Ihre Krallen nicht so fauchend gegen Frau Leutheusser-Schnarrenberger ausfahren, denn diese Justizministerin hat als kluge Juristin in besonderer Weise als erste an Wiedergutmachung und Entschädigung der Opfer gedacht! Zum anderen dürfen wir nicht Ursache und Wirkung verwechseln. Realitätsblinde Kritik ist überhaupt nicht angesagt, und Denkprozesse sind von allen Akteuren gefordert, ansonsten können wir alle gleich die Bildzeitung lesen oder besser „überlesen“. Weiters sind die Kosenamen in diesem Zusammenhang ganz schlechter Stil, denn angepasste „Zurück-Ruderer“ gibt es wahrlich zuhauf in gesellschaftlichen Formationen und Organisationen. Im Übrigen stünde uns in der Bußzeit ein demütiges „mea culpa“ gut an!

Sie bemühen sich um sachgerechte Beiträge zur Diskussion. Sie sagen auch deutlich, dass über 90 Prozent von Kindesmissbrauch in Familien vorkommen. Dann kommen noch mehrere Prozent in Schulen und Vereinen vor, sodass vielleicht nur noch ein Prozent Missbrauch von kirchlichen Personen übrig bleibt; aber auch dieses eine Prozent ist schlimm genug. Es geht um die einzelnen Opfer. Wahrhaftigkeit, Aufklärung, Schuldbekenntnis und Vergebungsbitte sowie Wiedergutmachung, in welcher Form auch immer, sind gefordert. Was mich erschreckt ist die Verallgemeinerung des Themas. Mitunter geht das eine oder andere Medium mit einer Art Inquisition des Mittelalters vor, wenn auch mit modernen Methoden. Die pauschalen Aussagen sind ungerecht wie: „Die katholische Kirche“, wobei es doch Einzelne in der Kirche sind. Allerdings betrifft und bedrängt das Thema die ganze Kirche. Ich sage ja auch nicht „Die Zeitung“, wenn sich ein Mitarbeiter einer Zeitung verfehlt.

Zudem beobachte ich, dass durch die überzogene Mediatisierung nun die Opfer auf einer neuen Ebene missbraucht werden. Ich bin katholischer Priester und lasse mir nicht meine frei gewählte Lebensentscheidung negativ bewerten, selbst wenn ich einen „Spießrutenlaufen“ durch die Gesellschaft machen müsste.

Nun ist er da, der Runde Tisch in Sachen Kindesmissbrauch (DT vom 25. März). Zwei Arbeitsgruppen werden sich den Themen „Prävention“ und „Juristische Aufarbeitung“ widmen, um der Forderung von Bundeskanzlerin Merkel nach „Wahrheit und Klarheit“ (DT vom 18. März) nachzukommen. Um Klarheit zu erreichen, müssten die den Vorsitz führenden Ministerinnen zunächst einmal die wichtigsten Begriffe genau beschreiben und festlegen, was sie zum Beispiel unter „Gewalt“ und „sexuellen Missbrauch“ gegenüber Kindern und Jugendlichen überhaupt verstehen. Ist ein Klaps auf den Popo eines sechsjährigen Knaben, um verlorengegangene Ordnung wiederherzustellen, Gewalt? Ist die Erziehung und Hinführung von Kindern und Jugendlichen zur Homosexualität eine gute Tat oder doch ein sexueller Missbrauch? Die Kultusministerin müsste sich zusammen mit der Familienministerin fragen, ob der Sex- und Verhütungsunterricht, so wie er in der Praxis in den Schulen landauf, landab seit Jahrzehnten betrieben wird, nicht eine schreckliche Schädigung der Seelen von Millionen Kindern und Jugendlichen darstellt. Müsste Frau Schavan nicht schnellstens zum Schutz der Kinder eine Kultusministerkonferenz einberufen, die einmal die Praktiken der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung näher durchleuchtet und dem Gebrauch von Kondomen den Wert der sexuellen Keuschheit gegenüberstellt? Die vielbeschworene „sexuelle Orientierung“ ist in Wahrheit eine „sexuelle Orientierungslosigkeit“, die alle Spielarten menschlicher Sexualität gleichwertig zulässt. Wahrheit und Klarheit über die menschliche Sexualität schafft seit über vierzig Jahren die Enzyklika „Humanae vitae“ von Papst Paul VI. in Verbindung mit der Natürlichen Empfängnisregelung (NER) nach Josef Rötzer (DT vom 20. März).

Bischof Müller von Regensburg hat die Medienkampagne der letzten drei Monate gegen die katholische Kirche in einer Predigt und einem Hirtenbrief angeprangert, weil Stadt und Bistum wegen ihrer Nähe zu Benedikt XVI. besonders hässlichen Angriffen ausgesetzt gewesen sind. Wer sich die Mühe macht, die Seiten aus dem Internet herunterzuladen, muss erschrecken, mit welcher Gehässigkeit man das Brüderpaar Ratzinger, die Domspatzen, Geistliche allgemein und mit ihnen die ganze katholische Kirche durch zurechtgestutzte, verkürzte, sich ständig wiederholende, jahrzehntealte Berichte herabzuwürdigen trachtete.

Der mediale Schlaghagel verfehlte seine manipulative Wirkung auf der Straße nicht: Untadelige Geistliche wurden telefonisch terrorisiert, Domspatzen – Kinder und Jugendliche wohlgemerkt – wurden öffentlich angepöbelt und mit ordinärsten Ausdrücken beleidigt, und Eltern von Reportern vor dem Gymnasium persönlich attackiert, weil sie ihre Kinder noch nicht „aus dem Sumpf von sexueller Gewalt und systematischer Demütigung“ abgemeldet hatten. Gegen dieses „Zerrbild jenseits aller Realität“ und gegen die ausgewiesene „kriminelle Energie seiner medialen Urheber“ hat sich Bischof Müller von Regensburg gewehrt. Sorgfältig arbeitende Journalisten, die wahrheitsgemäß berichten und gerecht urteilen, brauchen sich vom Bischof nicht angegriffen fühlen.

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