Zur Diskussion über katholische Sexualmoral und die um sich greifende Gender-Ideologie : Keine Verbotsmoral, sondern Hilfe zum Leben

Die Infragestellung der Gültigkeit der seitherigen Sexualmoral der katholischen Kirche ist schwerwiegend, und zwar in dem Sinne, dass eine Aufweichung das Elend von heute nur noch vergrößert. Auch unser Meister Jesus Christus ist nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen. Man lese in diesem Zusammenhang die Bergpredigt, Mt 5–7.

Der Autor des Leserbriefs „Zeitgeist vergangener Jahrhunderte“ sprach sich dahin gehend aus, dass sich die katholische Moral weit über ein Jahrtausend generell an dem Satz „in sextu nunquam parvitas“ festgebissen habe. Das heißt übersetzt: Bei den Sünden gegen die Geschlechtlichkeit gebe es der Sache nach keine lässlichen Sünden, sondern sie seien immer schwere Sünden. Er meinte wohl, dass man angesichts der heutigen moralischen Lage unserer Zeitgenossen über die sittlichen Forderungen der katholischen Kirche zum 6. Gebot nachdenken sollte. Dabei gehe es nicht um ein Nachgeben gegenüber dem Zeitgeist, aber man sollte doch ernsthaft bedenken, welche Modifikation heute möglich sein könnte.

Doch was ist das, die schwere Sünde? Denn was die „schwere Sünde“ angeht, so geht es ja nicht nur um die „Sache“, sondern die Moraltheologie hat bei schweren Sünden immer unterschieden zwischen 1. der Sache, 2. der klaren Erkenntnis und 3. dem freien Willen, sodass die „schwere Sünde“ nicht nur von der Sache her definiert wird, sondern auch von der klaren Erkenntnis und dem freien Wollen abhängt, was sehr wohl blockiert sein kann.

Wer nun die heutige Welt betrachtet, die sich weitgehend dem modernen Sexismus verschrieben hat, kommt in seinem Urteil nicht darum herum, dass diese „Sexwelt“ in einen sittlichen Abgrund führt. Unser Volk verdunstet lautlos und der Rest unseres Nachwuchses wird in eine Aldous-Huxley-Welt eingeführt. Nach Huxley werden für diese Welt die Moralgesetze auf den Kopf gestellt, weil „Jedermann Jedermanns Eigentum ist“, das heißt, dass man heute mit der ins Bett geht und morgen mit einer anderen und so weiter.

Aber der Weg der Zerstörung christlicher Moral ist lang. Wann werden wir bereit sein, Widerstand zu leisten? Zum Beispiel ist der Schulsexualunterricht eine konzertierte Aktion der „modernen Zivilisation ohne Gott“ und greift erbarmungslos zu. Er tobt nun 40 Jahre lang vor allem in der westlichen Welt und frisst unsere Jugend. Wer hätte gedacht, dass das Wort von Alan Gutmacher in Washington 1973 „Sie hätten die Schlacht pro Abtreibung noch nicht gewonnen. Darum müssten sie Schulsexualunterricht geben, dann würden sie gewinnen“, wahr würde? Die Washingtoner Zeitung „Star“ schriebt am 3. Mai 1973: „Der einzige Weg, auf dem Planned Parenthood die Schlacht zu gewinnen, ist die Sexual-Erziehung in den Schulen.“ Der Sexual-Unterricht ist eine Ideologie, die in Washington im Jahre 1973 geboren wurde. Er ist als Schützenhilfe gedacht, um über Hintertreppen die Abtreibung vertretbar zu machen. Die Weltbevölkerungsinstanzen, die eine neue Gesellschaft ohne Ehe und Familie einführen wollen, beabsichtigen nach ihren Plänen, eine von Grund auf völlig andere Geschlechtlichkeit einzuführen.

Die „menschliche Geschlechtlichkeit“ von Mann und Frau ist die Zukunft. Wenn es neben „dem biologischen Geschlecht“ von Mann und Frau nun plötzlich auch ein „soziales Geschlecht“ von Mann und Frau und darüber hinaus gibt, wie man behauptet, dann wird die naturgegebene Aufgabe der Geschlechtlichkeit gelöscht und es gilt das Wort: „Nach uns die Sintflut“.

Es geht nicht um eine Verbotsmoral, sondern es geht um die Wahrheit. Verbotsmoral ist der erhobene und drohende und angstmachende Zeigefinger! Wahrheiten aber sind die Konsequenzen, die aus einem falschen Tun sich ergeben, mit ihren oft so erschreckenden Ergebnissen.

Welches sind nun die Ergebnisse einer liberal gehandhabten Sexualmoral, wie der Zeitgeist es will, dass die katholische Kirche endlich dabei mitmachen sollte? Es sind Folgende: Der Druck der Öffentlichkeit besonders in den Medien lässt in der Frage des „Lebensrechts“ unseren Widerstand erstarren, weil man uns den Einfluss raubt (siehe Estrella- und Lunacek-Bericht). Da ist die Schulsexualerziehung und die Frage der Homsexualität, die in der Heiligen Schrift eine ganz andere Stellung besitzt, als uns die Medien beibringen wollen. Da ist die Behauptung, dass Ehe und Familie ein „Auslaufmodell“ ist, und Homo- und Lesbenpaare der Ehe gleichwertig seien. Da sind die Kindertagesstätten, auf die der Staat zugreift, um die Mutterschaft zu erniedrigen und die „Oberhoheit über Kinderbetten“ zu haben. Da will man die In-vitro-Fertilisation und den Embryonentransfer voll einsetzen, um von der Zeugung an auf den Menschen zuzugreifen (IVF und ET). In diesem Zusammenhang spricht man auch vom „Designerkind“, vom Wunschkind. Abtreibung soll in Zukunft das Recht der Frau sein. Und dazu kommt, dass die katholischen Jugendverbände nur noch ein kümmerliches Dasein fristen. Familien mit vielen Kindern werden auch heute noch als asozial eingeschätzt.

Die Geschlechtlichkeit ist keine Randexistenz unseres menschlichen Daseins, sondern die lebenstragende Mitte, aus der heraus wir alle das Leben haben und es leben. Wer darum dagegen sündigt, sündigt gegen das Leben und das Gebot unseres Herrn. Was aber die Schwächen der menschlichen Natur angeht, und da und dort auch einmal ein Nichtwissen, darüber müssen die Beichtväter entscheiden.

Wenn aber die heutige liberale und dekadente Gesellschaft uns anderes lehren will, dann glaubt sie nicht mehr an die Leitlinien der Gebote Gottes, sondern hat sich jene „Zivilisation ohne Gott“ aufgebaut, auf deren breiten Straßen sie dahinstampft wie eine blinde Herde, bis sie dann endet wie die Ideologien, die hinter uns liegen, verendet sind. Von uns wird kompromisslos der Widerstand gefordert.

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