Zur Diskussion über den internationalen Waffenhandel und seine globalen Folgen: Die Menschheit vor der Felswand der Geschichte

Der Pilot des Unglücksflugzeuges, das in den Alpen an einer Felswand zerschellt ist, hat den Weg der Menschheit in die Zukunft vorgezeichnet: Sie wird bei der Beibehaltung ihres derzeitigen Kurses früher oder später an einer „Felswand der Geschichte“ zerschellen. Die vier Hautwaffenexporteure der Welt, die USA, Russland, China und – leider auch – Deutschland, ertränken den Planeten in einem Meer von Waffen. Immer mehr „kleine Chefs“ können sich mit Waffen versorgen, um ihre Konflikte mit ihren Gegnern gewaltsam auszutragen. Statt die Waffenexporte stufenweise zu reduzieren und schließlich einzustellen, werden sie gesteigert, um Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen. Leider ist es so, dass die in die Länder unserer „Freunde“ exportierten Waffen nach deren militärischen Niederlagen in die Hände ihrer Gegner fallen oder aber später, wenn man sich neue modernere Waffen kaufen will, weiterverscherbelt werden, bis sie in den Händen des globalen Terrors landen. Das ist dann wiederum ein Grund, die Waffenexporte abermals zu steigern, um den internationalen Terror zu bekämpfen.

Die Schlagsahne auf dem tödlichen globalen Waffencocktail sind 16 300 Atomsprengköpfe in sieben Ländern (SIPRI-Jahrbuch 2014), die darauf warten, in die Hände eines Wahnsinnigen zu fallen, der der Ansicht ist, dass eine verdorbene Menschheit kein Recht hat, zu überleben, und der dann auf den „roten Knopf“ drückt. Die mächtigste Frau der Welt reagiert nicht auf eindringliche Empfehlungen, die Botschafter der anderen drei Hauptwaffenexporteure USA, Russland und China im Bundeskanzleramt „zusammenzutrommeln“ und mit ihnen eine Einstellung der Waffenexporte zu verabreden. Unter dem Schutzschirm dieser Toleranz befriedigt die deutsche Rüstungsindustrie ihre Profitgier. So wird es denn der Menschheit ergehen wie den Passagieren des abgestürzten Flugzeuges: ihre Todesschreie werden erst wenige Sekunden vor dem nahenden Unheil ertönen und auf dem „Voice Recorder“ der Nachwelt überliefert werden – sofern es eine solche Nachwelt überhaupt geben wird. Im Cockpit des Flugzeuges, in dem die Menschheit auf ihrem Kurs durch die Weltgeschichte fliegt, fehlen nicht zwei Piloten, sondern zwei Pilotinnen: die Kommandantin trägt den Namen Verantwortung, die Co-Pilotin den Namen Moral. Sie allein könnten das Zerschellen des Flugzeuges an einer Felswand der Geschichte noch verhindern.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Abonnements

Kirche

Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann