Zur Debatte um die wörtliche Übersetzung der Wandlungsworte: Gleichgültigkeit und Lauheit nehmen zu

Vielen Dank an Herrn Pfarrer em. Ekkehard Edel für seine klaren Worte (Leserbrief vom 4. November) zur Debatte um die Wandlungsworte, denen ich mich voll und ganz anschließen möchte. Warum ist es überhaupt, aber auch gerade heute so wichtig, dass diese Worte genau, korrekt und sinngerecht ausgesprochen werden? Überhaupt, weil sie zu den Worten gehören, die das unendlich wertvolle Vermächtnis Jesu Christi bedeuten, seine wirkliche und wahrhafte Gegenwart auf dem Altar bewirken und uns die totale Selbstentäußerung unseres Heilands zeigen, die ein Heiliger sehr trefflich als die Torheit der Liebe beschrieben hat. Diese vertrauensvolle und unvorstellbar sich selbst demütigende Selbstübergabe Gottes in unwürdige, menschliche Hände erfordert unseren allergrößten Respekt, Ehrfurcht, Treue und Gehorsam. Letzteres, der Gehorsam, findet seinen Ausdruck in der Anerkennung der Ermächtigung zum Lehren, Leiten und Heiligen, die Jesus dem Petrus und seinen Nachfolgern übertragen hat (Weide/Hüte meine Schafe/Lämmer).

Gerade heute: Wir wissen alle, dass im Verständnis der Mehrheit der Katholiken die Meinung besteht, dass ein barmherziger Gott sowieso keinen verloren gehen lässt. Doch, wenn ich in der Heiligen Schrift lese, wie Jesus uns während seiner Lehrtätigkeit auf Erden ständig gemahnt hat, wachsam, allzeit bereit und fruchtbringend zu sein, wächst in mir die Überzeugung, dass man die Worte Jesu ernst nehmen sollte.

Beispielhaft genannt das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus ((Lk 16, 19), vom treuen und untreuen Knecht (Lk 12, 35) oder von der engen Pforte (Lk 13, 22). Ich denke, dass sich weite Teile der katholischen Christen dem protestantischen Rechtfertigungsverständnis angeglichen haben, nach dem wir uns um Sünde und gute Werke keine Sorgen machen brauchen, da wir allein durch den Glauben schon gerechtfertigt und damit gerettet sind. Deshalb auch der Niedergang der Muttergottes- und Heiligenverehrung, da wir, wenn wir schon gerettet sind, ihrer Fürsprache nicht mehr bedürfen. Auch die Beichte verliert und verlor vor diesem Hintergrund ihre Notwendigkeit. Die Folge dieses allein gnädigen und barmherzigen Gottesbildes ist eine zunehmende Gleichgültigkeit und Lauheit „vieler“.

Die Worte „für alle“ (die gut gemeint, aber nicht korrekt sind) fördern dieses „sich in Sicherheit wiegen“. Vielleicht hat es auch mit einer schleichenden Ökumene zu tun, die auf ein allmähliches Abschleifen und in Vergessenheit geraten des Katholischen hofft und baut.

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