Zur Debatte um die Neuübersetzung der Bibel: Es gäbe dringendere Themen: Jesus hat nur drei Jahre gebraucht: Katastrophen über Katastrophen: Machttaten? Mit negativem Beigeschmack

Nun hat also die katholische Kirche im deutschsprachigen Raum eine neue Übersetzung der heiligen Schrift vorgelegt (DT vom 22. September). In Zeichen eines alarmierenden Glaubensabfalls gerade im deutschsprachigen Bereich könnte sich einem der Eindruck aufdrängen, dass die Kirche eigentlich andere Sorgen hat.

Aber wer sich seit Jahrzehnten vornehmlich mit der Zulassung von wiederheirateten Geschiedenen zum Kommunionempfang oder der Auflösung des Zölibats beschäftigt und glaubt, darin wirklich die relevanten Gründe der Kirchenaustritte ausmachen zu können, für den ist es wahrscheinlich auch relevant, Jesu Wunder zu „Machttaten“ umzudeuten oder aus dem „Ich-bin-der-Ich-bin-da“ den „Ich-bin-der-Ich-bin“ zu machen. Das sind auch für den theologisch unbedarften Leser durchaus Unterschiede, die nicht trivial sind. Dazu kommt der Einstieg auch der katholischen Kirche in die „geschlechtergerechte“ Sprache (einen Vorstoß zu Gender gab es vor kurzem ja bereits).

Was treibt eigentlich die deutsche Kirche, sich an solchen Nebenkriegsschauplätzen zu verzetteln und für eine Verwirrung der Gläubigen zu sorgen? Es gibt doch so viele Themen, zu denen die Kirche klare Kante zeigen könnte und sollte: massenhafte Abtreibung, Aufweichung des Lebensschutzes am Lebensende, Eingriffe in die menschliche Genetik, weltweite Verfolgung abertausender Christen, Verdrängung christlicher Symbole und Bekenner aus der Öffentlichkeit, die Umwertung aller Werte usw. Auch nur ein kleiner Prozentsatz dieser in innerkirchliche Nabelschau investierte Energie könnte hier reiche Früchte tragen.

Haben unsere Bischöfe wirklich keine anderen Sorgen, als sich zwei Jahre lang mit der Änderung einiger Texte der Einheitsübersetzung zu beschäftigen? Welch ein Aufwand! Was soll ich dazu sagen, wenn der Priester vor Ort bei der Einführung vor der heiligen Messe zum Fest: „Sieben Schmerzen Mariens“, mit den Worten beginnt: „Ob Maria unter dem Kreuz gestanden hat, ist wohl eine Legende.“ Wie bitte?!

Wieviel Gläubige nehmen die heilige Schrift persönlich in die Hand? Das Ergebnis kostet nur Zeit und Geld, der Rest ist Windhauch! Der Herr brauchte ganze drei Jahre um seine Botschaft der Welt zu verkünden!

Die Einheitsübersetzung der Bibel 1980 war eine Katastrophe. Katastrophen werden immer von neuen Katastrophen verdrängt und überlagert. So auch in diesem Fall: die Einheitsübersetzung 2016 ist eine noch größere Katastrophe. Sie öffnet den Weg in den Modernismus und dient dem Zeitgeist. Zeitgeist zu haben ist gut, schreibt Joachim Fernau, es ist der einzige Geist, der nicht weh tut. „Die Bibel wird modernisiert“, heißt die verfälschende „Tagespost“-Schlageile. Richtig müsste es heißen, sie wird den „Bibelfälschern“, wie Klaus Berger die Exegese-Atheisten nennt, zum Ausschlachten vorgeworfen. Ob die früher einmal katholische „Deutsche Tagespost“ genauso unkritisch verfahren wäre?

Derzeit lese ich das Buch von Arni Decorte „Pater Pio aus Pietrelcina“, in dem ein langes Kapitel den „Voraussagen und Heilungen“ durch Pater Pio gewidmet ist. So müssen demnächst vor einer Heiligsprechung keine Wunder, sondern Machttaten Gottes geschehen sein. Wunder – wie schlicht fließend ist dieses Wort für ein göttliches Geschehen. Ist es im Sprachgebrauch zu gewöhnlich geworden? Machttaten – kopflastig, hämmernd, gleich zwei Silben hintereinander mit einem lang gezogenen „a“. (Wie sagt eine 86-jährige Bekannte: „Das Wort spricht mich überhaupt nicht an.“) Für uns Heutige hat es meist einen negativen Beigeschmack. Soll uns hier die Macht Gottes stärker ins Bewusstsein gestoßen werden? Oder entspricht es dem griechischen Text? Bitte unterrichten Sie uns. Wir möchten dazulernen!

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