Zur Debatte um Bildungspläne im Bereich Sexualkunde: Guardini versus Gender

Als das Land Hessen noch als „vorn“ galt, schrieb Hans-Jochen Gamm vor Jahrzehnten im Handbuch für Lehrer zu den hessischen Rahmenrichtlinien für Sexualkunde: „Wir brauchen die sexuelle Stimulierung der Schüler, um die sozialistische Umstrukturierung der Gesellschaft durchzuführen und den Autoritätsgehorsam einschließlich der Kindesliebe zu den Eltern gründlich zu beseitigen.“ Die CSU-Regierung, die ihre bajuwarische Verbundenheit mit Papst Benedikt bei jeder Gelegenheit publizistisch ins rechte Licht rückt, unterstellt jetzt ihren Bildungsplan für Kindergarten und Schule dem demokratisch nicht legitimierten Gender-Mainstream, den dieser Heilige Vater als eine „Diabolische Ideologie“ bezeichnet hat. Auch Papst Franziskus (Amoris laetitia Ziffer 56) warnt: „...sie höhlt die anthropolische Grundlage der Familie aus“. Beunruhigend sei ihr Versuch, „sich als einzige Denkweise durchzusetzen und sogar die Erziehung der Kinder zu bestimmen“. Schon im Kindergarten soll offenbar jetzt gleichgeschlechtliche Partnerschaft gegenüber Vater-Mutter-Kind als selbstverständliche Lebensform propagiert, schon im, wenn nicht vor dem Erstkommunion-Alter unseren Kindern zum Beispiel Bisexualität, Analverkehr, Sadomasochismus nahegebracht werden, von späteren Aufforderungen, möglichst früh selbst zu experimentieren ganz zu schweigen.

Wie die „Tagespost“ berichtet, dürfte für den großen Münchner Theologen Romano Guardini der Seligsprechungsprozess eröffnet werden. Zu „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“ in seinem Standardwerk „Der Herr“ (S. 313) schreibt Guardini: „Das Kind ist wehrlos. Es kann sich vor den Erwachsenen nicht schützen. Gegen den Einfluss, der von der Geschicklichkeit, von der Erfahrung, vom überlegenen Denken der Erwachsenen ausgeht, kommt es nicht auf. Vor allem nicht, wenn der Erwachsene böse ist: ihm die Gedanken vergiftet, das Gefühl für Recht und Unrecht verwirrt, die ungeschützten kindlichen Sinne in Aufruhr bringt, Scham und Ehrfurcht zerstört. Dagegen kann das Kind sich nicht wehren. Da sagt Jesus: Hütet euch! Wo ihr nur das schwache Wesen seht, ist ein göttliches Geheimnis, zart und heilig. Wer daran rührt, tut etwas Furchtbares, dass ihm besser wäre, man hätte ihn vorher unschädlich gemacht wie ein gefährliches Tier.“

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