Zur Bildungsdiskussion: Lehrerberuf: Nicht vom Hörensagen her urteilen

Dass die Berufswahl Lehrer häufig pragmatische Gründe hat (welcher Beruf hat dies nicht?), dass sich mancher durch teilweise geringere Anforderungen im Studium und die Aussicht auf einen relativ gesicherten Arbeitsplatz dazu verlocken lässt, kann nicht darüber hinwegsehen lassen, dass dieser „Job“ einer der vor allem psychisch forderndsten war und ist (Leserbrief von Wilhelm Schels, DT vom 17. August). Gerade in einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche dem Konkurrenzangebot der Konsumgesellschaft und des Internet so ungeschützt ausgeliefert sind wie nie zuvor, kostet es eine Menge Energie und Frustrationstoleranz, sie für Bildungsinhalte zu gewinnen. Dies schreibe ich aus eigener Erfahrung sowohl in städtischen als auch ländlich gelegenen Gymnasien – und wer würde nicht hier noch die „heilste Welt“ erwarten? Es stimmt mich traurig, dass ein Urteil vom Hörensagen über eine fremde Berufsgruppe in einer christlichen Zeitung Platz findet. Mehr und mehr wird mir bewusst, dass kein Wort Jesu in unserer Zeit so heilsam wirken würde wie Mt 7, 1–5: „Richtet nicht“! Aufgabe des Christen ist nicht, Urteile über andere Menschen zu fällen – dies gebührt Gott allein. Ein Christ sollte Jesus nachahmen, der gerade die allseits Geschmähten aufgesucht hat.

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