Zur Berichterstattung über die Schuldenkrise europäischer Länder, die Krise des Euro und die Rettungsmaßnahmen für die Währung: Banken agieren wie die Mafia

„Heuchelei statt Selbstkritik“ – damit hat Clemens Mann in seinem Kommentar den Nagel auf den Kopf getroffen. Es ist in der Tat genau so, wie Herr Mann ausführt, dass nämlich gerade jene Politiker und Regierungen, die heute die Banken besonders lautstark anklagen, dieses „System auf Pump“ nicht nur mittrugen, sondern selbst besonders heftig „gepumpt“ haben.

Dabei wird von unseren Regierungen das Schuldenmachen sogar noch subventioniert, während Sparen und reale Kapitalbildung bestraft wird: So sind Kreditzinsen für Unternehmen steuerlich absetzbar, während Eigenkapital, in der Form von Gewinnen und Dividenden, hoch besteuert wird. Und Kredite an den Staat werden sogar besonders gefördert: So verlangt der deutsche Gesetzgeber für Kredite an sich selbst von Banken die geringste Eigenkapitalunterlegung, nämlich gar keine.

Die Bilanzen von EZB und FED zeigen, dass immer mehr Kredite mit der Druckerpresse und nicht mit realen Ersparnissen finanziert werden. Dies drückt – zunächst – die Zinsen, was wiederum neue Fehlinvestitionen und die Verwendung von Krediten zu Komsumzwecken nach sich zieht. Gleichzeitig wird die Bereitschaft von Bürgern und Unternehmen zu sparen, nachhaltig beschädigt. Um die dann sinkende reale Ersparnis zu kompensieren, muss der Staat über seine Zentralbank den Anteil der aus heißer Luft geschöpften Kredite noch weiter ausdehnen, und der Prozess der Vernichtung realer Ersparnisse verstärkt sich sogar noch. Wir bewegen uns in einem Teufelskreis, den die meisten unserer von Keynes geprägten Volkswirte allerdings nicht erkennen.

In gewisser Weise liegt genau an diesem Punkt auch der Denkfehler vieler Umverteilungsideologen, die auf die Schuldenprobleme immer wieder mit der Forderung reagieren, man möge doch einfach „die Reichen“ enteignen. Schließlich seien doch die „Reichen“ die Gläubiger und weil die Schulden nun einmal so unglaublich hoch sind, müssten doch auch „die Reichen“ so unglaublich reich sein und könnten daher ruhig etwas Verzicht üben. Tatsächlich ist dies aber nicht so, denn – wohl abgesehen von wenigen Aktionären und Topmanagern von Großbanken – sind auch „die Reichen“ verschuldet. Wir alle, egal ob reich oder arm, sind verschuldet und wir verschulden uns immer weiter.

In Wirklichkeit sitzen in unserem System Banken und Regierungen in einem Boot und ergänzen sich gegenseitig. Dieses Geschäftsmodell funktioniert nun so: Während die Banken täglich abrufbare Spargelder (Sichtgeldkonten) zu relativ niedrigen Zinsen langfristig verleihen (man nennt dies Fristentransformation) und ihr Geschäft deshalb stark ausweiten können, profitieren die staatlichen Zentralbanken, wenn sie anschließend die Basisgeldmenge erhöhen (und so die Geldumlaufgeschwindigkeit wieder senken). Solange es dabei nicht zu größeren Fehlverwendungen von Krediten kommt, profitieren Staat und Banken von diesem System. Es kommt zu einem kreditfinanzierten Boom. Und die Zinsen sind in diesem auf dem falschen Versprechen der täglichen Verfügbarkeit von Geld auf Sichtgeldkonten aufbauenden System sogar niedriger. Leider entwickelt sich dieser Boom aber fast immer zu einer Blase, die irgendwann platzt, wenn es im Zeitablauf zu immer mehr Konsumkrediten und Fehlinvestitionen kommt. Und der Staat, der ebenfalls billig immer neue Kredite aufnehmen kann, kann ebenfalls der Versuchung nicht widerstehen, immer größer zu werden.

Beide – Banken und Staat – profitieren also von einem System, das sich durch kontinuierliche Geldvermehrung und nach unten manipulierte Zinsen auszeichnet. Unter anderem deshalb sind diese beide Gruppen in den letzten Jahrzehnten groß und mächtig geworden.

Banken und Staat agieren im Grunde wie eine Mafia. Ihnen stehen nun die tatsächlich Werte schaffenden Menschen gegenüber, die im produzierenden Gewerbe, in Handwerk, Landwirtschaft, in Mittelstand und Industrie tätig sind. Denn diese haben in der Folge immer größere Lasten zu tragen, um die Erhaltungskosten der wachsenden Verwaltungsapparate der Mafia und ihrer sich zwangsläufig akkumulierenden geschäftlichen Verluste auszugleichen.

Und nun? Was können wir tun, damit unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft wieder gesunden? Mein erster Rat: Die Ersparnisse keinem Staat mehr anvertrauen. Auch wenn es in der heutigen Börsenlage paradox erscheint: Guten Gewissens kann man sein Geld nur privaten Unternehmen anvertrauen, die investieren. Regierungen behaupten zwar, unser Geld sei bei ihnen sicher, doch sie investieren nicht oder kaum noch. Ein Kredit an Stiefvater Staat ist daher wie eine Steuererhöhung für unsere Kinder. Ist das gerecht?

Langfristig und nachhaltig kann unsere Wirtschaft jedoch nur gesunden, wenn die Manipulationen an Geld und Zinsen aufhören und wenn wir zu gesundem, ehrlichem Geld zurückkehren. Dies kann zum Beispiel ein Goldstandard sein, denn der Staat hat nicht die Möglichkeit, Gold durch einen Federstrich oder per Computertastatur künstlich zu vermehren. Ein „Fiat Gold“ wird es wohl niemals geben. Mein zweiter Rat wäre daher: Machen wir unseren Abgeordneten klar, dass wir nicht nur sparen müssen, sondern auch wieder ehrliches Geld wollen.

Übrigens ist die Diskussion, die wir hier führen, nicht neu. Schon in der Antike wurde darüber gestritten, ob es dem römischen Staat, der schon zu Zeiten von Augustus in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, erlaubt werden könnte, die Geldmenge künstlich auszuweiten (damals durch die Verringerung der Silbergehaltes in Münzen), und ob es Banken erlaubt werden dürfte, das Geld von Sichtkonten weiterzuverleihen. Und so wie Geschäftsbanken heute das Geld von Tagesgeldkonten weiterverleihen, dürfte auch der Jerusalemer Tempel, der, dies ist historisch belegt, auch zentrale Bank des jüdischen Volkes war, von diesem einträglichen Geschäft profitiert haben. Es ist ebenfalls historisch belegt, dass vor der Zerstörung des Tempels fast das gesamte jüdische Volk beim Tempel verschuldet war.

Jesus, der ja vor seinem öffentlichen Auftreten als Handwerker wahrscheinlich sogar selbstständig tätig gewesen ist, dürfte um diese Diskussion gewusst haben. Wenn man das Neue Testament mit Blick auf wirtschaftliche Tatbestände aufmerksam liest, wird zudem deutlich, dass Jesus kein Sozialist war, denn er betonte die Notwendigkeit des Schutzes des Privateigentums oder der Einhaltung von Verträgen. Ich halte es deshalb für durchaus wahrscheinlich, dass Jesus es wörtlich so gemeint hat, als er die Tische der Geldwechsler im Tempel umstieß und von einer Räuberhöhle sprach.

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