Zum Reisebericht „Erbsensuppe bei den schweigenden Mönchen“ der Abtei Mariawald: Dreiste Prognose über die Zukunft des Klosters

Die Tatsache, dass die Abtei Mariawald Ihrer Zeitung einen Beitrag wert ist („Erbsensuppe bei den schweigenden Mönchen, DT vom 21. Juni), ist sehr erfreulich, hat dieser Ort doch nicht nur eine reiche Geschichte, sondern ist wegen seiner substantiellen Reform weit über das Bistum Aachen hinaus höchst bedeutsam.

Dass der Artikel mehrere Fehler und Ungenauigkeiten aufweist, ist bedauerlich, aber zu verschmerzen. Nicht hinzunehmen aber ist zweierlei: Erstens das vollständige Verschweigen der spirituellen Besonderheit dieses Klosters und zweitens die dreist zu nennende Prognose über die Zukunft des Konvents.

Der Autor Christoph Wendt scheint weder „Die Tagespost“ gelesen, noch sich im Internet informiert zu haben, sonst wüsste er, dass in Mariawald eine außerordentliche Reform vollzogen wird. Durch ein päpstliches Privileg vom Sommer 2008 ist das Kloster zur strengen Regel der Zisterzienser zurückgekehrt, wie sie vor den Änderungen der vergangenen Jahrzehnte gültig waren, um die ursprüngliche Intention des monastischen Lebens als Opfer in deutlicherer Weise wiederzubeleben (zum Beispiel durch nächtliches Beten; Beginn der Vigilien um 3 Uhr).

Zur authentischen Regel gehört natürlich auch die „alte“ Liturgie, nach dem neuen Wortgebrauch also auch die außerordentliche Form der Feier der Hl. Messe. Nicht nur sie, auch das Stundengebet wird in der Sprache der Kirche, also lateinisch gebetet beziehungsweise gesungen. Der Gott geschuldeten Ehre in der Gegenwart des Heiligsten wird damit im Maße der Weisheit der Jahrhunderte zu entsprechen versucht.

Natürlich gehört zu Mariawald die Erbsensuppe, die Herr Wendt gebührend erwähnt, aber das Wichtigere zu unterschlagen, ist eine Entstellung.

Zum Zweiten: Der Unkenntnis der realen Gegebenheiten korrespondiert ein waghalsiger Prophetismus. Herr Wendt „weiß“ nämlich, dass „das Aus für diesen kleinen Konvent sich bereits absehen lässt, da es keinen Nachwuchs gibt“. Für Herrn Wendt sind die Wege Gottes keineswegs unerforschlich, und Berufungen werden also unterbleiben.

Vielleicht wird sich aber Herr Wendt überraschen lassen müssen, wenn Gott die inständigen Gebete um Nachwuchs erhören sollte.

Dem Vernehmen nach gibt es gegenwärtig mehrere Interessenten für einen Eintritt in das Kloster. Wie Gott sie führen wird, ist in Seinem Ratschluss verborgen, aber die Mönche von Mariawald sind – anders als Herr Wendt – „wie Abraham gegen alle Hoffnung voll Hoffnung“ (zitiert auf der Internetseite der Abtei).

Nun mag Herr Wendt Recht haben, die Klosterkirche biete keinerlei Sehenswürdigkeiten, die anzuschauen lohnend seien. Dies aber ist kein Mangel, sondern gehört zum Geist einer Trappistenniederlassung. Der Verzicht auf allen Prunk korrespondiert dem Ideal einer demütigen Stille, die sich ganz auf die Geheimnisse Gottes auszurichten versucht. Die Kirche von Mariawald ist kein touristisches Highlight, aber die würdige Stätte, an der täglich dem himmlischen Vater das Opfer dargebracht wird, und der erwählte Ort, an dem die Mönche ihr Leben im Dienst der Ganzhingabe erfüllen, stellvertretend auch für die ganze Kirche und die Welt. So wird im Gotteshaus von Mariawald das Höchste getan, was Menschen tun können. Dem kann jeder sich dankend und betend anschließen, vor oder nach der Erbsensuppe oder (sogar!) auch ohne diese.

Wer mehr über Mariawald und seine Kirche wissen will, kann einiges auf der Homepage der Abtei unter www.kloster-mariawald.de lesen.

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