Zum Leserbrief „Vatikanische Betonköpfe im katholischen Olymp“: Zynismus macht den Dialog unmöglich : Innere Einkehr hilft gegen Untergangsstimmung

Zum Leserbrief „Vatikanische Betonköpfe im katholischen Olymp“ von Franz Kornbacher (erschienen in „Die Tagespost“ vom 22. März): Der Leserbrief hat mich spontan vom Stuhl gerissen. Welche Arroganz, welche Überheblichkeit, welche Ahnungslosigkeit legt der Leserbriefschreiber da an den Tag. Ich hoffe, die „Tagespost“ wird jetzt bombardiert mit entschiedenen Antworten darauf! Die absolut berechtigte Kritik an unserem Bundestagspräsidenten hat mit herummeckern nichts zu tun, sondern ist notwendig. Gute Rhetorik im Bundestag berechtigt nicht, sich in welttheologische Fragen überheblich einzumischen. Weder Herr Lammert noch Herr Kornbacher haben persönlich mit Millionen europäischen Christen gesprochen und können nicht wissen, wie viele Menschen so denken, wie sie selbst. Sie stellen vollmundig Behauptung auf, um ihre eigene Sichtweise zu untermauern.

Die Tatsache, dass Menschen eine kritische Einstellung gegen über Papst und Kirche haben, hat viele differenzierte, subjektive Gründe, die aber nicht von vornherein mit der Wahrheit identisch sind. In unserem Glauben geht es aber im wesentlichen um die göttliche Wahrheit und Liebe.

Jede Kritik muss sich deshalb gefallen lassen, dass sie auf Wahrheit und Liebe als ihre Grundlage überprüft wird. Es wird heute doch überall, in anmaßender Weise, viel Unsinn geredet. Ob Herr Kornbacher so gute Fachkenntnisse und Informationen besitzt, um seine weitere Behauptung des betonierten römisch-vatikanischen Systems, dass in den nächsten dreißig Jahren nichts ändern wird, belegen zu können, wage ich sehr zu bezweifeln. Woher auch?

Auf die nächste Aussage, der Entwicklung der katholischen Kirche in Richtung Sektengröße, kann ich nur antworten, Entwicklungen verlaufen niemals statisch und linear. Keiner weiß, was auf uns zukommt.

Fehl- und vorurteilshafte Behauptungen und Kritiken sind nicht geeignet, unserer Weltkirche qualifizierte Ratschläge zu erteilen. Aus der niveaulosen Aussage vom theologisch-konstruierten Himmel und den Vatikanistis mit dem römischen Pomp auf Weihrauchs-Ebene spricht Zynismus und Lieblosigkeit. Eigenschaften, die die Grundlage für einen Dialog zerstören.

Gescheit wäre es gewesen, Herr Kornbacher hätten seinen Aufbruch zur Jagd in die andere Richtung geblasen, zu Schüllers wilder, verwegener Jagd. Es ist nämlich offensichtlich, dass zurzeit die wirklichen Betonköpfe in felix Austria stänkernd und zündelnd gegen Rom rüsten. Leider prallt das Wahre und Gute, aus Rom kommend, an der leider massiver werdenden Betonschicht bei diesen Besserwissern ab. Bitte nicht weiter auf Kosten der „Mitarbeiter der Wahrheit“ Untergangsstimmung verbreiten. Der neuen „Los von Rom“-Bewegung sei, wie uns allen, jetzt innere Einkehr empfohlen.

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