Zum Leserbrief „Mission wäre der eigentliche Auftrag“: Viel geschieht im Hintergrund: Denkanstöße geben ist wichtig

Vielen herzlichen Dank für den Abdruck des sehr lesenswerten, wertvollen Leserbriefs von Franz Graf Kinsky (DT vom 2. Mai). Die Arbeit der IME habe ich in übergroßer Freude kennengelernt: wirklich phänomenal! Nur mit einem kleinen Abschnitt in diesem Leserbrief gehe ich nicht d'accord: „Wenn die Gesellschaft unsere Werte nicht mehr versteht und wenn der praktizierende Katholik als Wählerpotenzial nicht mehr ernst genommen wird, dann werden auch engagierte Artikel, Briefe, Rundmails, Unterschriftenaktionen und sonstige Initiativen nichts daran ändern. Soviel politischen Realismus müssen wir Katholiken schon haben: Man gewinnt vielleicht mal eine kleine ,Schlacht', die man aber ein paar Jahre später doch wieder verliert“, schreibt Graf Kinsky.

Ich selbst bin mit dem vierten Kind schwanger und manchmal traurig, weil ich (als ausgebildete Journalistin) zur Evangelisation offenkundig nicht mehr beitragen kann als ab und an (in freigeschaufelten Nacht- oder Morgenstunden) erwähnte Leserbriefe oder Rundmails zu schreiben. Wie ganz richtig festgestellt, ist meine Schreibarbeit tatsächlich fast nie von sichtbarem Erfolg begleitet. Genauso wie meine tägliche Hauptarbeit als Mutter und Hausfrau von vielen kleinen und größeren Misserfolgen und Frustrationen gekrönt wird: Gerade mühsam den Spiegel geputzt? Fünf Minuten später vom Zweijährigen wieder angepatscht. Liebevoll ein gesundes Essen aufgetischt – großer Protest, schmeckt nicht, sie wollen lieber Nudeln mit Ketchup. Aber es kommt ja gar nicht darauf an, wie viele offensichtliche „Erfolge“ mein Wirken hat.

Das einzige, was zählt ist, wie groß der Grad der Liebe ist, mit der ich meine Arbeit verrichte. Und da diese Liebe doch sehr spärlich und unvollkommen ist, zumindest die meine, vereine ich mich mit dem unbefleckten Herzen Mariens und dem Messopfer, damit all mein Wirken durch die vollkommene Liebe Mariens geschehe und den unfassbaren Wert des Opfers Jesu erhält – schließlich gehen in die Eucharistie alle Opfer der ganzen Kirche ein.

Fazit: Die Erfolge der IME sind meines Erachtens nicht nur auf die wirklich großartige Evangelisationsarbeit der jungen Studenten und ihrer wie ich aus eigener Erfahrung selber weiß: wirklich heiligmäßigen geistigen Begleitung zurückzuführen. Sondern meines Erachtens auch auf das verborgene Wirken vieler unbekannter und unbeachteter „kleiner“ Seelen, die ihr Leben beispielsweise auf dem Krankenbett, im Haushalt oder beim Leserbriefschreiben zum auf dieser Welt nicht beachteten Ganzopfer wandeln lassen und diese vielen Evangelisationsgnaden bewirken – während sie selbst in Demut und Zerknirschung ihren eigenen Missionsbeitrag als zäh und unfruchtbar empfinden. Wie viele unbekannte Beter! Wie viele unbekannte Opfer! Wie viele unbekannte Gnaden! Wir sind in Christus ein Leib. Und wenn sich die Hand freut, dass sie große Taten vollbringen konnte, dann konnte dies nur geschehen, weil beispielsweise die Niere nicht versagt hat oder die Lungen besonders kräftig waren.

Dem Leserbrief von Franz Graf Kinsky kann ich in vielen Punkten voll zustimmen. Was das Schreiben von Leserbriefen angeht, bin ich aber anderer Auffassung. Sicher verändert ein Brief weder die Welt, noch die Kirche. Dennoch kann er – je nachdem, worum es im Einzelfall geht – ein wichtiger Denkanstoß sein. Wenn wir Christen uns in Leserbriefen nicht mehr zu Wort melden würden, gingen bei vielen Themen (Politik, Bioethik, Wirtschaft etc.) wichtige Aspekte unter. Auch bei innerkirchlichen Debatten braucht es den offenen Austausch.

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