Zum Leserbrief „Gott sei Dank, ich bin Atheist“: Gott sei Dank, ich bin Christ geworden: So mancher hat sich dann bekehrt: Aufschlussreich und spannend

Als einer, der in Schule und Studium in der DDR den Respekt des „wissenschaftlichen Atheismus“ vor Andersdenkenden kennen gelernt hat, der um die Unterdrückung „vernünftig Denkender“ im Staatsatheismus der Sowjetunion weiß, weil die „sowjetische Physik“ und die Genetik Lyssenkos angezweifelt wurden, und der die Toten der atheistischen Regime im 20. Jahrhundert nicht verdrängt, die einem Nützlichkeitsdenken (Utilitarismus) zum Opfer fielen, lese ich den Brief von Bernd Vowinkel „Gott sei Dank, ich bin Atheist“ (DT vom 22. Januar) mit einigem Erstaunen. Man fragt sich, wo der Verfasser seine Kenntnisse über den christlichen Glauben erworben hat. Ich bin – Gott sei Dank – Christ geworden, nicht, um im Jenseits belohnt zu werden, sondern um in der Nachfolge Jesu in der Verbundenheit mit Gott zu leben. Die Nachfolge Jesu ruft zu Verantwortung, zu Barmherzigkeit auf und gibt zugleich die Hoffnung, dass Barmherzigkeit nicht vergeblich ist. So wurden mir in meiner Jugend durch den christlichen Glauben die Augen geöffnet für die Not behinderter Kinder und die Probleme der Dritten Welt. Durch den christlichen Glauben habe ich das Leben als lebenswert erkannt.

Reines Nützlichkeitsdenken strebt letztlich die „Schöne neue Welt“ an, wie sie Aldous Huxley beschreibt. Erich Fried, kein Christ, hat dieses Denken so karikiert: „Die Kranken werden geschlachtet, die Welt wird gesund, die Bösen werden geschlachtet, die Welt wird gut.“ Dass der Verfasser ausgerechnet Carl Friedrich von Weizsäcker zitiert, der sich intensiv um das Gespräch zwischen Naturwissenschaft und Theologie bemüht hat, ist auch etwas befremdlich. Wahrscheinlich war Carl Friedrich von Weizsäcker in seinem Denken nicht so weit wie Dr. Vowinkel.

Zu Vowinkel (DT vom 22. Januar): Wie erklären Atheisten eigentlich die von unabhängigen Ärztekommissionen festgestellten Heilungswunder von Lourdes? Man sollte mal den Lebensbericht des ehemals atheistischen Nobelpreisträgers für Medizin, Dr. Alexis Carrel lesen. Carrel begleitete als ungläubiger junger Arzt 1903 einen Krankentransport nach Lourdes. Vor seinen Augen vollzog sich dort dann die Heilung einer Sterbenden, der an tuberkulöser Bauchfellentzündung im Endstadium erkrankten Marie Bailly Ferrand. Dr. Carrel zog daraus – Gott sei Dank – seine Konsequenzen.

Klar ist es heikel, einer atheistischen Leserzuschrift eine halbe Leserbriefseite zu geben. Aber der Text war doch derart aufschlussreich und die Debatte ist spannend. Ich danke der DT, für den Mut, das so zu bringen.

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