Zum Leitartikel „Wir sind nicht Charlie“ : Zwei entscheidende Fehler begangen

Nach den barbarischen Morden von Paris, bei denen gezielt Journalisten, Karikaturisten, Polizisten und Franzosen jüdischen Glaubens getötet wurden, solidarisieren sich eine Stadt, eine Nation und Millionen von Menschen in Europa und der Welt eindrucksvoll mit den Opfern. Herr Rehder gesteht zwar zu, dass man dies sympathisch finden könne, beschreibt die Reaktion aber als trotzig, kindlich und vor allem als nicht hilfreich (DT vom 10. Januar). Er erklärt diese Aussage damit, dass die mit dem Ausspruch „Ich bin Charlie“, beziehungsweise „Wir sind Charlie“ verbundene Forderung nach einer offenen und freiheitlichen Gesellschaft in Frage zu stellen sei, weil zu dieser Freiheit auch die Freiheit zum lächerlich und verächtlich Machen von Dingen, die anderen heilig sind, gehöre. Dies aber lehnt Rehder ab und fordert seinerseits, dass sich in einer Gesellschaft deren Mitglieder mit Respekt begegnen müssen. Hier begeht Rehder aus meiner Sicht zwei entscheidende Fehler. Er hat zwar Recht damit, dass die Gesellschaft nicht dadurch offen und freiheitlich wird, dass sie das, was anderen heilig ist, lächerlich macht. Sie wird aber dadurch offen und freiheitlich, dass sie eben genau das zulässt und aushält. Wichtiger aber noch ist, man kann diese Argumentation – auch wenn ich überzeugt bin, dass dies nicht die Absicht des Autors war – zur Rechtfertigung der Taten der Mörder missbrauchen und das wäre fatal.

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