Zum Leitartikel über die Taktik von Kurt Beck: Ein bisschen zu scharf

Ich finde es nicht gut, dass Johannes Seibel in seinem Leitartikel (DT vom 28. Dezember 2007) von Hexenküche und Hexenmeister spricht. Es kann akzeptiert werden, dass er mit der Politik der SPD nicht einverstanden ist, aber die SPD gleich mit diesen Vokabeln zu belegen, halte ich für nicht angebracht. Eine Hexe ist eine Person, die sich mit dem Teufel verbunden hat – das wird zwar heute nicht mehr so dramatisch gesehen, aber die SPD mit Teufelsspuk in Verbindung zu bringen, schießt über das Ziel hinaus. Wie weit Herr Seibel mit seinem Vorwurf von „Negative Campaigning“ recht hat, kann ich nicht beurteilen. Ich habe diese Broschüre nicht gesehen.

Insgesamt finde ich – und damit gehe ich über den Artikel hinaus –, dass Sie sich ein bisschen zu sehr auf Kurt Beck einschießen. Er ist für mich seit zwei Jahren, seit meiner Versetzung nach Rheinland-Pfalz, mein „Landesvater“, und ich halte ihn für einen wackeren Katholiken (meines Wissens geht er regelmäßig in die Kirche), auch wenn ich nicht mit jeder seiner Aktionen einverstanden bin. Gerade hat seine Kultusministerin die Zusammenlegung von Hauptschule und Realschule ankündigen lassen und das ruft bei vielen Unverständnis hervor.

Aber Kurt Beck hat es insgesamt geschafft, dass die SPD in Rheinland-Pfalz die staatstragende Partei ist. Bis in die Parteiniederungen hinein ist die SPD die dynamischere und aktivere Partei. Die CDU scheint immer noch gehandicappt zu sein durch den „Königsmord“ an Bernhard Vogel, der nun schon viele Jahre zurückliegt. Und die Partei bibeltreuer Christen, die es in Hessen nicht gibt, aber dafür in Rheinland-Pfalz, und die für mich als Katholik durchaus eine Wahlalternative war, zerlegt sich im Augenblick durch Richtungskämpfe selbst, so dass man dann wieder bei Kurt Beck landet.

Aber damit mische ich beim Wahlkampf mit, auch wenn es noch ein bisschen früh dafür ist. Das gleich wollte vielleicht auch Johannes Seibel, nur bei der Wortwahl bitte ich um mehr Sensibilität.

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24.09.2021, 10 Uhr
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