Zum Feuilleton-Beitrag „Ein Gott, der keine Gewalt will“: Gewalt im Namen des Monotheismus

Zum Beitrag von Hans Otto Seitschek „Ein Gott, der keine Gewalt will“ (DT vom 5. August): Die Lektüre des Artikels um historische Gewaltakte im Namen des Monotheismus einschließlich des Christentums und die mehrfachen Versuche moderner Autoren, gerade das Bekenntnis zum Einen Gott als besonders machtbewusst und gewaltbereit aufzuweisen, lässt den von Herrn Seitschek aufgezeigten zahlreichen alt- und neutestamentlich verbürgten Schriftstellen zur allumfassenden Erlöserliebe unseres Kyrios die immer neu bewegende „Einführung in das Christentum“ von Josef Ratzinger (Tübingen 1968) anfügen. Dort steht: „Der kirchliche Trinitätsglaube hat die politisch brauchbaren Modelle gesprengt und damit Theologie als politischen Mythos aufgehoben, den Missbrauch der Verkündigung zur Rechtfertigung einer politischen Situation verneint“ (S. 132). Es ist letztlich die Botschaft, das Evangelion des „für die anderen“ Gekreuzigten, den Pilatus – gegen den Einspruch der Ankläger – historisch als den „König der Juden“ kennzeichnete!

Und weiter zu Jo 15,5: „…parallel zu der Konsequenz, die Christus sagen lässt, ,Ich und der Vater sind eins‘, entspringt hier die Bitte, ,damit sie eins werden, wie wir eins sind‘ (17,11.22). Der bedeutsame Unterschied zur Christologie tritt darin zutage, dass das Einssein der Christen nicht im Indikativ, sondern in der Gebetsform ausgesprochen wird.“ (S. 146) Das „Sein Jesu als des Christus“ ist „ein gänzlich offenes Sein“, ein Sein vom Vater her und auf die andern hin, es kennt „keinen Vorbehaltsraum des bloßen Ich“. „Alles Nicht-Einssein, alles Getrenntsein beruht auf einem verborgenen Mangel an wirklichem Christsein, auf einem Festhalten an dem Eigenen, wodurch der Zusammenfall der Einheit aufgehoben wird.“ (S.147). „Soweit der Christ ,Christ‘ ist, gilt das für ihn. Und freilich wird ihm an solchen Aussagen bewusst werden, wie wenig er Christ ist.“

Wie aktuell doch diese innerchristliche Überlegung zur „Selbstermächtigung“ ist.

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