Zu: Theodor Herzl, Vater des politischen Zionismus: Er kannte seine „Pappenheimer“: Das Wort „politisch“ stört

Zu: „Theodor Herzl, Vater des politischen Zionismus“, DT vom 24. April): Bei der Mahnung Theodor Herzls an seine Mitstreiter, „Machet keine Dummheiten, während ich todt bin“, denkt man unwillkürlich an das Zitat aus Goethes „Faust“: „Du ahnungsvoller Engel du!“. Herzls schicksalsschwere Wort lässt den Schluss zu, dass er wohl seine „Pappenheimer“ kannte. Der oben angeführte Beitrag ist hervorragend recherchiert und abgefasst. Nur vermisst man, wie übrigens bei ausschließlich allen bisher zum Nahostkonflikt erschienenen Medienverlautbarungen, die keinen Zweifel zulassende Erwähnung des ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion 1938: „Ich bin für Zwangsumsiedlung der Palästinenser; darin sehe ich nichts Unmoralisches“, sowie der späteren israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir 1969: „So etwas wie ein Palästinenservolk gibt es nicht, hat nie existiert.“

Die wahren Intentionen Israels bei seiner Palästinapolitik gehen aus den Schilderungen in dem 2007 erschienenen Buch des israelischen Autors Ilan Pappe „Die ethnische Säuberung Palästinas“, Verlag Zweitausendeins, Frankfurt, hervor, dessen Geschichtsdarstellung, wie der Titel schon verrät, kurz zusammengefasst, unmissverständlich ist: „Zwei Monate vor dem Ende der britischen Verwaltung Palästinas im Auftrag der UN, am 10. März 1948, trifft sich im Hauptquartier der israelischen Untergrundmiliz in Tel Aviv eine Gruppe hochrangiger zionistischer Politiker. Sie verabreden die Endfassung eines Masterplans zur Vertreibung der arabischen Bevölkerung: ,Plan Dalet‘ (Plan D). Das Land, nur zu elf Prozent im Besitz der jüdischen Einwanderer, die nicht einmal ein Drittel der Einwohner stellen, soll systematisch freigemacht werden für eine endgültige jüdische Besiedelung. Noch unter britischem Mandat beginnt eine Serie von Zerstörungen palästinensischer Dörfer und Stadtviertel, werden fast eine viertel Million Menschen im eigenen Land entwurzelt. Sogleich nach der Unabhängigkeit Israels werden 531 Dörfer und elf städtische Siedlungen mit Waffengewalt geräumt, 800 000 Palästinenser zur Flucht gezwungen, ihre Häuser dem Erdboden gleichgemacht und die Ruinen vermint, damit die Vertriebenen nicht zurückkehren können.“ Anhand von Augenzeugenberichten und Dokumenten aus Militärarchiven, die bis vor kurzem unter Verschluss gehalten wurden, zeichnet Ilan Pappe ein Bild der Ereignisse zwischen 1947 und 1948, das der offiziellen Geschichtsschreibung und dem Gründungsmythos Israels in entscheidenden Punkten widerspricht. Pappe tritt den Beweis an, dass der Gründung seines Heimatlandes Israel eine planvolle ethnische Säuberung vorangegangen ist. Und dass die Ideologie, die dies ermöglicht hat, nach wie vor lebendig ist und weiter die unerbittliche, zuweilen unmerkliche Säuberung des Landes von den Palästinensern, die heute noch dort leben, betreibt.

Heute fiel mir ihr Blatt in die Hände und mein Interesse blieb besonders bei dem Artikel „Theodor Herzl, Vater des politischen Zionismus“ von Michael Berger wach (DT vom 24. April). Warum? Mich störte das Wort „politisch“. Herzl hat bestimmt politische Freunde gehabt, aber ich glaube nicht, dass er Vater des politischen Zionismus war, sondern Vater des geistlichen – nicht geistigen – Zionismus. Für mich ist es der Heilige Geist, der die Menschen in Bewegung setzt, Gottes Willen umzusetzen, damit die Prophetien des Alten Testaments sich erfüllen (Jer. 23,3ff) und das hat mit Politik wenig zu tun. Dass Juden aus „aller Herren Länder“ zurückkehren nach Israel, in das Land, das Gott gehört, ist menschlich-politisch doch kaum zu verstehen, wohl aber, wenn man dem Wort Gottes glaubt (Jer 16, 14.15). Und in dem Sinne des Alten Testaments bin ich für den Zionismus, die Rückkehr des Volkes Gottes in das verheißene Land; von dem politischen Zionismus, wie er heute negativ verstanden wird, entferne ich mich.

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