Zu „Mehr als Mode und Schmuck“ – Priesterkleidung ist ein Bekenntnis : Äußeres Zeichen einer inneren Haltung

Der Artikel von Stefan Meetschen „Mehr als Schmuck und Mode“ (erschienen in „Die Tagespost“ vom DT vom 22. Mai) hat mir außerordentlich gut gefallen. Er ist sehr informativ und aufschlussreich. Auch in meinen Vorträgen werde ich immer wieder gefragt, ob sich die Haute Couture von der klerikalen Kleidung inspirieren lässt. Und so kann ich den Ausführungen von Stefan Meetschen, dass sich renomierte Designer immer wieder von der klerikalen und geistlichen Kleidung für ihre eigenen Kreationen animieren lassen, nur zustimmen. So hat sich zum Beispiel auch Donatella Versace im Jahr 2008, wie sie sagt, von Georg Gänswein beflügeln lassen und einige Modelle ihrer Herrenanzüge mit hochgeschlossenem Kragen und enger Knopfleiste lanciert.

Zu ergänzen wäre noch, dass sich leider immer mehr Priester als Laien (ver)kleiden. Die Partikularnorm der Deutschen Bischofskonferenz zu c. 284 CIC (Kirchliche Kleidung der Geistlichen) regelt: „Der Geistliche muss in der Öffentlichkeit durch seine Kleidung eindeutig als solcher erkennbar sein. Von dieser Bestimmung sind die ständigen Diakone mit Zivilberuf ausgenommen. Als kirchliche Kleidung gelten Oratorianerkragen oder römisches Kollar, in begründeten Ausnahmefällen dunkler Anzug mit Kreuz.“ Auch die Ausführungen der Arbeitshilfe 36 „Priesterliche Lebensform“ (herausgegeben von der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 1984) von Leo Drewes die Kleidung des Priesters betreffend, sind klar und unmissverständlich formuliert. Beruf und Berufung sind im Falle des Priesters nicht zu trennen. Er ist „Tag und Nacht“ im Dienst und muss als solcher immer zu erkennen sein.

Die Erzdiözese Köln hat auf ihrer Internetseite eine Rubrik „Fragen an den Kardinal“ eingerichtet. Hier beantwortet Joachim Kardinal Meisner Fragen der Gläubigen. Darunter befinden sich auch zwei Fragen zur „priesterlichen Kleidung“.

Am 24. Oktober 2011 antwortete Kardinal Meisner: „Tatsächlich ist die Kleidung der Priester und Diakone mehr als eine ,Uniform‘, sie ist vielmehr ein öffentliches Bekenntnis zu Beruf und Berufung. Ein solches Bekenntnis abzulegen ist heute viel schwieriger als noch vor wenigen Jahrzehnten... Umso dankbarer bin ich, dass sich so viele Mitbrüder im geistlichen Amt auf diese Weise ,angreifbar‘ machen. Denn die priesterliche Kleidung ist äußeres Zeichen einer inneren Haltung. Priestertum ist nichts Funktionales, sondern eine Lebensform – eben ein Priester-Sein.“

Wünschenswert wäre, um mit Stefan Meetschen zu sprechen, dass unsere Priester auch mit ihrer Kleidung die „vitale Kraft der Kirche“ sichtbar und erfahrbar machen.

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