Zeichen der Erneuerung

Das Auftreten von Johannes dem Täufer, der die Menschen in der Jordangegend zur Umkehr aufrief, kommt mir im Evangelium vor wie die „Mottoschrift“ der Adventszeit überhaupt: Als ich unseren imposanten Erfurter Dom verließ und mein Blick auf den Weihnachtsmarkt am Fuße unseres Kathedralberges fiel, fragte ich mich: Was hat das alles mit der Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi und die Geburt des göttlichen Kindes zu tun, die im Zentrum der ehemals zweiten Fastenzeit stehen sollten? Können wir Christen überhaupt Gefallen an Glühwein- und Mandelgeruch finden, ohne dabei vom Kern des Advents abgelenkt zu werden?

Ich als bekennender Freund vorweihnachtlicher Behaglichkeit würde dies bejahen, wenn man sich zu einem gänzlichen Verzicht auf religiöse Deutungen der „weltlichen“ Vorweihnachtszeit durchringen könnte. Zwar ist – Gott sei Dank – die Krippe das Zentrum des Erfurter Weihnachtsmarktes, aber sonst muss man zur christlichen Auslegung anderer vorweihnachtlicher Angebote schon sehr kreativ sein.

„Die Geburt Gottes

in unserer Seele

sollte Ziel der

Vorbereitung sein“

Für uns Christen kommt es darauf an, den Umkehrruf des Täufers in sichtbaren Taten auszudrücken, die ihren Ursprung in der Umkehr des Herzens haben. Nur wenn wir uns in Sehnsucht auf die Wiederkunft Christi vorbereiten, können wir den Boden bereiten für die Geburt Gottes in unserer Seele, die, wie es unsere mystische Tradition ausdrückt, Ziel adventlicher Vorbereitung auf Weihnachten hin ist. Wenn dies geschieht, kann alles, was in unserem Leben krumm und uneben ist, durch die Hinwendung der Herzen zu Christus gerade und eben werden, wie Gregor der Große in Interpretation des Evangeliums des zweiten Advents betont.

Dies kann konkret geschehen, indem man sich wie in der österlichen Bußzeit eine Vertiefung des Frömmigkeitslebens vornimmt, zum Beispiel durch die Meditation der Adventsevangelien oder durch das regelmäßige betrachtende Gebet des freudenreichen Rosenkranzes. Einen besonderen Stellenwert sollte auch das Beten des Angelus haben, der ja das Adventsgebet schlechthin ist. Gelingt es uns, so den Advent zu begehen, können wir ohne Gewissensbisse auch das in Anspruch nehmen, was uns die profane Vorweihnachtszeit bietet.

Der Autor, 24, ist Priesteramtskandidat in Erfurt und bei „Pontifex“ aktiv

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